Fast zu einer Zeitreise geriet die Fachschulleitertagung, zu der die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) Anfang Dezember die Vertreter Deutschlands führender Pferdesport-Ausbildungsinstitute nach Warendorf eingeladen hatte. Der Einsatz neuer Medien und die Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO) 2006 standen im Mittelpunkt des jährlichen Treffens.
„Wir leben in einer Zeit, in der die Ausbildung auf allen Ebenen stark im Fluss ist“, sagte Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Mester vom Institut für Trainings- und Bewegungslehre der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Wissen veraltet immer schneller und wird immer mehr. Gleichzeitig bleibt dem Einzelnen immer weniger Zeit, neues Wissen zu erwerben. Vor diesem Hintergrund spielen die neuen Medien eine entscheidende Rolle, Wissen zu organisieren und zu transportieren. Wie die schöne neue Wissens- und Lernwelt aussehen kann, vermittelte der Uni-Professor in einem die Zuhörer begeisterndem Vortrag. Auf dem Online-Campus der DSHS lernen Studenten in virtuellen Klassenzimmern, erwerben Wissen in interaktiven Kursen. Das Wissen wird in sogenannten Knowledge-Nuggets, kleinsten Wissensportionen, aufbereitet. Auch kann man die Vorlesung per Internet vorbereiten. Dazu stellt der Professor seine vorbereiteten Unterlagen ein paar Tage vorher ins Netz. Runter-laden, Lesen, Fertig! Vorlesung verpasst oder nicht alles mitbekommen? Auch kein Problem. Eine Videoaufzeichnung der Vorlesung steht bereits Stunden später im Internet der Uni. „Diese Medien ersetzen nicht den Lifekontakt. Sie helfen aber, das Lernen zu ergänzen“, schloss Professor Mester seinen Vortrag.
Dass die Ausbildung stark im Fluss ist, zeigte auch die Diskussion der geplanten Neuerungen und Änderungen für die Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung (APO) 2006. So drängen neue Pferdesport-Wirtschaftsbereiche wie die Hufschmiede in das Kennzeichnungssystem der FN. Bisher können vor allem qualitätsgeprüfte Reit-, Fahr- und Voltigierschulen, Pferdepensions-, Zucht- und Ferienbetriebe mit dem FN-Siegel für sich werben.
Die meisten Änderungen wird es wahrscheinlich in der Ausbildung der Ausbilder geben. Geplant ist eine Aufsplittung der Trainerausbildung in einen Trainer Basis-sport und Wettkampfsport. Mit dem Trainer Basissport sollen zum einen jene Menschen als Ausbilder gewonnen werden, die bereits jetzt zwar gerne, aber ohne Lizenz und entsprechenden Versicherungsschutz Anfänger und Breitensportler unterrichten. Zum anderen soll auf diesem Wege das FN-Ausbilderangebot für die freizeitsportlich orientierte Zielgruppe ausgebaut werden. In dieser Gruppe finden sich auch viele erwachsene Anfänger und Wiedereinsteiger – eine Zielgruppe die aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft wachsen wird. „Reitkunden, die anders angesprochen werden wollen und vor allem auch anders unterrichtet“, wie Jochen Schumacher aus Erfahrung weiß. Der Leiter des Freizeitreiterzentrums Rekens hat täglich mit diesen Reitern zu tun. Ein solcher Trainer brauche großes pädagogisches Geschick beim Umgang mit ungeübten, ängstlichen und möglicherweise auch unsportlichen Erwachsenen. „Erwachsene lernen anders! Die möchten theoretischen Unterricht. Und die möchten auch anders auf den praktischen Unterricht vorbereitet werden.“ Für Jochen Schumacher ist der neue Trainer C Basissport „der Grundschullehrer, der dem Schüler vermittelt, wie vielfältig, interessant, sportlich und begeisternd der Pferdesport ist.“
„Wir müssen ganz selbstkritisch zugeben: Wir bilden im Ausbilderbereich am Bedarf vorbei aus. Die Ausbildung ist hier zu turnierorientiert“, sagte Martin Plewa (Warendorf). Der Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule stellte als Chef der APO-Arbeitsgruppe Trainerausbildung die geplanten Neuerungen vor. „Wir können es uns nicht erlauben, qualifizierte Leute an uns vorbei gehen zu lassen. Deshalb brauchen wir einen hoch aufgehängten Trainer C-Basissport, für den man die besten Ausbilder braucht, bei denen man aber eventuell auch hinsichtlich der reiterlichen Fähigkeiten Zugeständnisse macht. Ich denke da vor allem an ältere Personen.“ Das Ziel dieser APO-Neuerungen fasste er ganz einfach zusammen: „Auf der Grundlage unserer Reitlehre Trainer ausbilden, die neue Menschen für unseren Sport gewinnen.“
Bedenken hinsichtlich der Qualität der Trainerausbildung räumte Eva Lempa-Röller (Warendorf), Referentin in der FN-Abteilung Ausbildung, aus: „Der Hauptaspekt der APO-Fortschreibung liegt ganz klar in der Qualitätssicherung. Wir werden nicht nur daran gemessen, wie viele Trainer wir ausbilden, sondern auch in welcher Quali-tät.“
Quelle:
FN