Warendorf (fn-press). Über alle Maßen zufrieden zogen Teilnehmer und Veranstalter Bilanz: Das erstmals in Warendorf ausgerichtete Bundes Pferdefestival im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (Fédération Equestre Nationale, FN) war ein gigantischer Erfolg. Mit 980 Reiterinnen und Reitern, Fahrersportlern und Voltigierkindern sowie 1.100 Pferden fand die Breitensport-Veranstaltung ein Echo, das selbst optimistische Erwartungen weit übertraf.
Handtücher und Schlafsäcke hängen über dem Bauzaun, auf dem Heuballen sitzen Mareike und Melanie und trinken Eistee, ihre beiden Haflinger dösen im mit Elektrolitze abgestecken Paddock unter ihren Fliegendecken in der Sonne. Zwei Meter weiter krabbelt ein älterer Mann aus dem Zelt. Mittagsschlaf beendet. Nebenan putzt ein junges Mädchen im Paddock einen stattlichen Friesen-Wallach und flechtet rote Bänder in die Mähne. Später wird sie ihren weiten Rock anziehen und in der Dressurkür für Barockpferde starten. Derweil spannt Nachbar Peter seine beiden Fjordpferde aus. Stolz präsentiert er die Schleife, die er beim Wettbewerb „Boxenstopp Zweispänner“ gewonnen hat - Szenen des Bundes Pferdefestivals in Warendorf.
Manch einer kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, so ungewohnte Bilder präsentierten sich auf dem FN-Gelände. Wo ansonsten jugendliche wie erwachsene Leistungssportler für Championate trainieren, wo sich beim Bundeschampionat alles um die besten und wertvollsten Nachwuchspferde Deutschlands dreht, regierte ein Wochenende lang der Breitensport. Hunderte von Aktiven und deren Begleittross campierten in Paddocks am Rande des Veranstaltungsgeländes, auf allen Wegen standen Ponys und Pferde, Reiterinnen und Reiter beobachteten laufende Prüfungen vom Sattel aus, unzählige Menschen, Pferde und Ponys bummelten in größter Gelassenheit über das Gelände. 15.000 Zuschauer genossen an den beiden Tagen das fröhlich-bunte Treiben auf 15 Prüfungsplätzen, das so ganz, ganz anders war als die Atmosphäre sonstiger Turniere und Lehrgänge. Ob Cross Country-Führzügelklasse, Fitness-Tests für Pferdesportler, leichte Dressur- und Spring-Geschicklichkeitswettbewerbe, Fahrprüfungen, ob Isländer-Rennen, Westernreiten oder Gelassenheitsprüfungen - die Begeisterung der Aktiven kam von Herzen. Da spielte es keine Rolle, dass manchmal Zeitpläne über den Haufen geworfen wurden, die Meldestelle hoffnungslos überlastet war, gelegentlich mal ein Reiter aus dem Sattel rutschte oder sich ein Pferd nicht so präsentierte, wie der Reiter vielleicht gehofft hatte. Spaß, Sport und Spiel: Selten hat die Mischung so gestimmt. Und so waren sich alle einig, dass die FN-Abteilung Breitensport unter Leitung von Thomas Ungruhe (Warendorf) und das von Stephan Hellwig (Warendorf) geführte FN-Veranstaltungsbüro Außerordentliches geleistet haben, um dieses nicht einfach zu organisierende Pferdefestival mit genau demselben Ernst und Engagement auf die Beine zu stellen, wie es beim „großen“ Bundeschampionat selbstverständlich ist.
Bei derart positiver Resonanz und Stimmung konnte es nicht ausbleiben, dass der Wunsch der Aktiven nach Wiederholung geäußert wurde. Abgeneigt ist die FN gewiss nicht, aber ebenso sicher ist es, dass es nicht jedes Jahr ein Bundes Pferdefestival geben wird. Das kann auch nicht Aufgabe des Dachverbandes sein. Die Veranstaltung 2005 sollte vielmehr als Ideengeber die Landes- und Kreisverbände, die Vereine und Betriebe motivieren, vergleichbare Wettbewerbe und Festivals in ihrer Region zu organisieren.
FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg) sagte in seiner Rede an Teilnehmer und Zuschauer: „Der Breiten- und Freizeitsport ist ein zentrales Anliegen unseres Verbandes.“ Dies sei keine neue Erkenntnis, denn seit vielen Jahren wisse man, dass ein großer Teil der Mitglieder in den Vereinen und Betrieben keinen Turniersport ausübe. Dennoch trage der Verband nach wie vor das Image, auf den Turniersport konzentriert zu sein. Rantzau: „Ich bin aber davon überzeugt, dass viele Aktive mit dem Wissen nach Hause fahren, dass in Warendorf das Herz für den Breitensport schlägt.“ Auch das für Breitensport zuständige Präsidiumsmitglied Dr. Joachim Markgraf (Dresden) strahlte: „Hier wurde wahrlich dem Breitensport das ihm gebührende Fenster geöffnet. Ich bin fasziniert, dass sogar Reiterinnen und Reiter aus Freiburg im Breisgau angereist sind und stundenlange Fahrten in Kauf nahmen. Das ist ein bewunderungswürdiges Engagement.“ Hocherfreut zeigten sich auch die Hausherren Dr. Hanfried Haring (Warendorf), FN-Generalsekretär, und Reinhard Wendt (Warendorf), Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Haring soll sogar so begeistert gewesen sein, dass er aus lauter Solidarität mit den Teilnehmern in der Zeltstadt übernachtet haben soll. Aber dies war wohl ein Festival-Gerücht.
Quelle:
FN