Umstrittene Trainingsmethode in der Diskussion Datum der Nachricht: 19.02.2006 Warendorf (fn-press). Am 31. Januar haben sich im Olympischen Museum im schweizerischen Lausanne im Auftrag der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (Federation Equestre Internationale, FEI) rund 60 Fachleute aus dem Dressursport sowie der Tiermedizin getroffen, um sich über das Thema „Rollkur“ als Trainingsmethode im Dressursport auszutauschen. Nachstehend die Übersetzung der FEI-Pressemeldung zum Seminar:
„Am 31. Januar 2006 fand im Olympischen Museum in Lausanne ein überaus produktiver Workshop statt, gemeinsam organisiert vom Dressur- und Veterinär-Komitee der FEI. Grund dieses Treffens war, der „Dressurwelt“ zu versichern, dass sich hochkarätige Experten der Pferdewelt des kontroversen Themas „Rollkur“ (= Überdehnen) annehmen.
Der Workshop beinhaltete Präsentationen und Berichte über diese kontrovers betrachtete Trainingsmethode und ihre möglichen Nebenwirkungen, die das Wohlergehen des Pferdes beeinträchtigen könnten. Es wurde außerdem die Notwendigkeit einer angewandten Forschung diskutiert.
Zirka 60 Personen, darunter Reiter, Trainer, Stewards, Tierärzte und Mitglieder des Dressurkomitees, des Veterinärkomitees und des Welfare Sub-Committees (Anm.: ein dem Veterinärkomitee untergeordneter Ausschuss, der sich speziell mit Tierschutz befasst) nahmen am Workshop teil.
Themen des Forums waren: Betrachtung der Ausbildungsmethoden, Abwägen, ob diese möglicherweise tierschutzrelevant sind, Pro- und Contra-Argumente der Fachleute, besseres Verständnis der biomechanischen und kinematischen Abläufe bei diesem Grad der Halsbewegung, Berichte über klinische Nebenwirkungen oder Folgekrankheiten dieser Methode, Diskussion möglicher Forschungsprojekte, Erstellung eines Berichts für die FEI, um das weitere Vorgehen bestmöglich planen zu können.
Im Anschluss an Präsentationen verschiedener erster Ergebnisse von Forschungsprojekten in den Bereichen Bewegungsphysiologie, Radiologie, Biomechanik und Training kamen die Anwesenden zu dem vorläufigen Schluss, dass es bei Anwendung durch sachkundige, qualifizierte Trainer keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt, dass diese Ausbildungsmethode einen Missbrauch von Pferden darstellt. Es gab eindeutig keinen Nachweis dafür, dass durch diese Ausbildungsmethode keine strukturellen Schäden verursacht werden, wenn sie in der richtigen Weise von fachkundigen Reitern angewandt wird.
Der Gebrauch dieser Technik durch unerfahrene Reiter stellt jedoch eine mögliche Gefahr für das Wohlergehen des Pferdes dar. Die Vorbildfunktion der Top-Dressurreiter im Sport wurde unterstrichen.
Die meisten Teilnehmer stimmten zu, dass der Begriff „Rollkur“ nicht verständlich sei und beschlossen, es sei besser, einen Begriff zu verwenden, der von Reitern, Trainern und der Öffentlichkeit verstanden werden kann. Nach einer ausführlichen Diskussion wurde als Entwurf für eine Formulierung vorgeschlagen, in Zukunft den Begriff „Hyperflexion des Halses“ zu verwenden. Folgender Entwurf für eine Definition wurde formuliert: Hyperflexion des Halses ist eine Ausbildungsmethode, um einen Grad von Längsbiegung im mittleren Halsbereich zu erreichen. Hyperflexion kann von einem Pferd über einen längeren Zeitraum nicht gehalten werden.
Was die FEI betrifft, sind Tierschutz und humane Behandlung des Pferdes bei FEI-Veranstaltungen, einschließlich der Trainingsplätze und der Ställe, oberstes Gebot.
Die nächsten Schritte: Eine detailliertere Definition dessen, was als Missbrauch zu bezeichnen ist, ist erforderlich, zum Beispiel Stressfaktoren, Schmerz oder Unbehagen. Fortbildung von Stewards, um möglichen Missbrauch oder falsche Anwendung dieser Methode zu erkennen, die nicht auf Dressur beschränkt ist. Veterinär-Komitee, Dressur-Komitee und Medication-Sub-Committee werden den Stand der Erkenntnisse besprechen, einen Bericht des Treffens an die FEI geben und entscheiden, welche weitere wissenschaftliche Forschung erforderlich ist.
Eine detaillierte Zusammenfassung der Präsentationen wird in Kürze auf der FEI-Website veröffentlicht.“
Quelle: FN |