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 Reiten lernen beim Fachmann
Woran erkenne ich einen guten Reitlehrer?
Datum der Nachricht: 11.01.2007
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Was macht eine/n gute/n Reitlehrer/in aus?

Wie werde ich eigentlich Reitlehrer? Ich reite seit einigen Jahren und stelle mich in die Halle und gebe Unterricht? Selbsternannte Reitlehrer gibt es viele, mehr schlecht als recht. Nicht umsonst ist das Image des Reitlehrers zwiespältig.

Ganz so einfach ist das nicht. Um Reitlehrer zu werden, sollte ich eine Ausbildung machen, um mir das nötige Wissen anzueignen, eine in der Regel dreijährige Lehre mit anschließender Prüfung. Es gibt aber auch die Möglichkeit, über mehrwöchige Kurse Trainerscheine zu erwerben, die zum Reitlehrer berechtigen. Voraussetzung für eine Reitlehrerausbildung, egal welcher Art, ist auf jeden Fall eine eigene mehrjährige reiterliche Erfahrung, Turnierteilnahme und –erfolge bis zu der Klasse, die ich unterrichten möchte. Es geht mir in diesem Artikel um die klassische Reitweise, dem sog. “englisch reiten“. Andere Reitstile wie z. B. Westernreiten sind ein anderes Thema.

Wie auch immer die Ausbildung aussieht, sie entscheidet noch lange nicht darüber, ob ich ein guter Reitlehrer werde. Ich brauche dazu nämlich etwas, was mir kein Lehrer beibringen kann, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und ein gutes Auge für Pferd und Reiter.

Und damit kommen wir zum Pferd, neben Schüler und Reitlehrer beim Pferdesport der Mittelpunkt des Geschehens. Uns sollte klar sein, dass das Pferd kein Sportgerät ist, sondern ein Lebewesen, das wir im Sport einsetzen, aber dem wir immer mit Achtung und Respekt begegnen sollten. Darin sehe ich eine der Hauptaufgaben des Reitlehrers. Er muß das Wohl der Pferde und die Harmonie zwischen Reiter und Pferd in den Vordergrund stellen, egal ob Anfänger oder Turnierreiter. Reiten funktioniert nur über ein Miteinander, ohne Gewalt oder gar Kampf. Von einer gezielten und vernünftigen Ausbildung profitiert in erster Linie das Pferd und damit auch der Reiter. Ein sinnvoller und vernünftiger Umgang mit dem Pferd sollte für jeden Reiter und Ausbilder absolute Priorität haben.

Zielsetzung
Die Zielsetzung ist immer eine andere, Anfänger, Fortgeschrittene, Turnierreiter, Schulpferde, junge oder Turnierpferde. Darüber hinaus sind die Persönlichkeiten der Schüler und Pferde nicht zu vergessen. Das Spektrum ist sehr groß, ich muß mich immer wieder individuell auf jedes Paar einstellen. Ein „Schema F“ gibt es definitiv nicht. Natürlich existiert die klassische Reitlehre (das FN-Handbuch), aber die geht immer vom Idealfall aus, und den gibt es in der Wirklichkeit selten. Sie berücksichtigt nicht eventuelle Ängste, schlechte Erfahrungen sowohl von Pferden und Reitern, körperliche Probleme von Schülern oder Pferden. Im Laufe meiner Reitlehrertätigkeit habe ich festgestellt, dass jeder Mensch und jedes Pferd eine schlechte und eine gute Körperseite haben. Ein nach außen gestellter rechter Fuß, eine schiefe Schulter, ein kräftiges rechtes und ein schwaches linkes Bein, eine weiche rechte Hand, eine linke „Kralle“. Das Pferd biegt sich nach rechts, weicht nach links über die äußere Schulter aus. Nur ein paar Beispiele. Ich sehe meine Aufgabe darin, sowohl das Pferd als auch den Reiter dahin zu gymnastizieren, dass diese Unterschiedlichkeiten ausgeglichen werden. Dem Schüler kann ich es sagen, dem Pferd nicht. Meine Qualifikation besteht darin, es dem Schüler so zu erklären, dass er dem Pferd die Hilfen geben kann, um diese Mängel auszugleichen.

Und, was ebenso wichtig ist wie guter Unterricht -was sich auch nie ausschließen sollte- ist Spaß und Freude am Reiten und am Pferd.

Eigenschaften eines guten Reitlehrers
„Ich hatte wahnsinnige Angst. Aber mehr vor dem Reitlehrer als vor den Pferden.“ Ein Ausspruch, den ich schon oft gehört habe. Mit Angst habe ich als Reitlehrer oft zu tun, aber weder Schüler noch Pferde sollten Angst vor mir haben! Wenn dem so wäre, habe ich etwas falsch gemacht. Ganz im Gegenteil, ich sollte in der Lage sein, dem Reiter und/oder dem Pferd die Angst zu nehmen, ein Vertrauensverhältnis zwischen Reiter, Pferd und Reitlehrer aufzubauen. Vertrauen zwischen Pferd und Reiter, zwischen Reiter und Reitlehrer ist unumgänglich!

Der Reitschüler sollte wissen, dass ich nie etwas von ihm oder dem Pferd verlange, was beide nicht leisten können. Angst ist niemals eine Voraussetzung für einen guten Unterricht! Ich habe schon von vielen Reitlehrern gehört, die schreien, brüllen, Reiter und Pferde „fertig“ machen. Jeder Schüler, der Reitunterricht nimmt, will etwas lernen und erwartet, dass der Reitlehrer auf ihn eingeht und ihm hilft, egal, was für Probleme er hat. Reitunterricht ist eine Dienstleistung! Der Schüler zahlt Geld dafür und erwartet berechtigterweise, dass der Lehrer in der Stunde für ihn da ist, auf seine und die Probleme des Pferdes eingeht. Ich war und bin selbst Reitschüler, und ich kann es nicht leiden, wenn der Reitlehrer während meines Unterrichts lange telefoniert oder sich mit Außenstehenden unterhält. Er hat für mich für die Zeit des Unterrichts voll und ganz dazusein! Dafür zahle ich mein Geld. Zwischen zwei Telefonaten „Hacken tief“, „Kopf hoch“, keine „Schlabberzügel“ reichen mir nicht! Dafür zahle ich keine zig €.

Wichtig für mich darüber hinaus sind folgende Punkte:
  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • Motivation durch Lob und Kritik
  • kein Lob, wo es nicht hingehört, aber auch nicht nur negative Kritik
  • den Turnierreiter genauso betreuen wie den Anfänger
  • Korrekturen begleiten, auch mit vielen Wiederholungen, bis es „sitzt“
  • Geduld und noch einmal Geduld


Ganz wichtig finde ich es auch, dass ich das reiten kann, was ich lehre. Ggfls. muß ich mich auch mal auf ein Pferd eines Schülers setzen, wenn gar nichts mehr klappt, um zu zeigen, was ich meine, was ich erreichen will. Ich kann kein Reitlehrer sein, wenn ich das nicht reiten kann, was ich lehre!

Dazu die Qualifikation des Reitlehrers. Wenn ich nur A-Dressur reite, kann ich keine S-Lektionen lehren. Wenn ich selbst nicht Springen geritten bin, kann ich keinen Springunterricht geben. Wenn ich über einen Lehrgang einen Trainerschein erworben habe, selbst nur mehr schlecht als recht auf dem Pferd sitze, kann ich noch lange keinen Unterricht geben. Andererseits gibt es aber auch z. B. S-Dressurreiter (erfolgreich), die nicht in der Lage sind, das anderen zu vermitteln.

Wie sieht eine gute Reitstunde aus?
Da sind die Anfänger, die noch nichts mit Pferden zu tun oder wenige Kontakte zu Pferden hatten, vielleicht ein paar Mal auf einem Pferd gesessen haben. Aber sie möchten reiten lernen. Bei diesen Schülern beginnt für mich der Unterricht in der Stallgasse. Wie wird das Pferd aufgehalftert, geputzt, Hufe auskratzen, aufsatteln, trensen, führen, eben die für den erfahrenen Reiter „selbstverständlichen“ Dinge. Theorie ist einfach unumgänglich. Danach kommen die Reitschüler erst einmal an die Longe und das so lange, bis das Gefühl für einen balancierten Sitzt entsteht, der Schüler ein Gefühl für den Rhythmus des Pferdes entwickelt, seine Körperbewegungen den des Pferdes anpassen kann, die Hände unabhängig davon bewegen und Schenkel- Gewichtshilfen einzusetzen lernt. Als Ausbilder nutze ich diese Stunden auch für theorethische Wissensvermittlung über die Verhaltensweisen und Gefahren im Umgang mit dem Pferd. Ein Pferd kann noch so lieb, noch so brav sein, aber es ist ein Fluchttier und kann sich erschrecken, wegspringen, losrennen. Da sind die Fortgeschrittenen auf Lehrpferden (Schulpferde hat für mich immer einen negativen Beigeschmack). Für mich sind Lehrpferde Pferde, die gut ausgebildet sind und den Reitern im Zusammenhang mit dem Reitlehrer etwas beibringen können. Das Thema ist so weitläufig, dass ich auf alle Details nicht eingehen kann. Zu den Anfängern kommen Freizeitreiter mit eigenen Pferden, die einfach nur lernen wollen, wie sie mit ihrem Pferd gut klar kommen. Freizeitreiter, die ein bißchen mehr Ambitionen haben, Dressur, Springen. Turnierreiter, Dressur, Springen von E bis ...!

Am Ende einer Stunde sollte der Reitlehlehrer eine kurze Zusammenfassung geben, was war gut, was war schlecht, darüberhinaus „Hausaufgaben“ geben, damit der Reitschüler aufgrund des Unterrichts allein weiter arbeiten kann. Ein guter Reitlehrer sollte sich selbst überflüssig machen, keine Abhängigkeiten schaffen.

Sicherheit
Der Reitlehrer sollte immer darauf achten, daß die Schüler eine Kappe und reitgerechte Kleidung tragen, das heißt nicht unbedingt eine Reithose und –stiefel, aber Schuhe mit einem Absatz. Darüberhinaus muß ein Reitlehrer sich selbst absichern mit einer Reitlehrer-Haftpflichtversicherung und bei eigenen Schulpferden mit einer Schulpferde-Haftpflichtversicherung.

Und zu guter Letzt
Und zum Schluß ein Wort an die Reitschüler. Ob man es nun glaubt oder nicht, aber der Reitlehrer ist auch nur ein Mensch und dazu auch noch Mädchen für alles, Lehrer und Reiter, Psychologe und manchmal auch Kummerkasten, zum Idol stilisiert oder als Blödmann abgestempelt. Er redet sich den Mund fusselig und lächelt trotzdem noch. Aber auch ein Reitlehrer kann nicht alles wissen, kommt an seine Grenzen und kann auch mal die Geduld verlieren. Es ist eben nicht immer nur „Honig schlecken“. Trotz tausendfacher Bemühungen bleiben manchmal die gewünschten Erfolge aus. Der Arbeitsplatz ist im Sommer oft heiß und staubig, im Winter feucht und eisig. Und wenn er trotz allem ein guter Reitlehrer bleibt, ist das eine Berufung und kein Beruf.

Zu meiner Person
Ich gebe seit über 20 Jahren Unterrricht, habe den Trainerschein B. Der Schein nutzt mir nicht viel, aber meine jahrelangen Erfahrungen. Und ich lerne immer noch dazu, von anderen Reitlehrern, über Lehrgänge, an denen ich teilnehme. Und ich lerne auch über meine Reitschüler. Jeder neue oder „alte“ Schüler bringt mir neue Erkenntnisse, neue Sichtweisen.

Ich habe zwei Pferde. Mohawe, meine Stute, ist mittlerweile 20 Jahre alt. Sie hat mir viele Turniererfolge beschert. Ich habe sie seit 14 Jahren und bin mit ihr auf Turnieren Springen bis L und Dressur bis M geritten. Wir waren sehr erfolgreich, u. a. Stadtmeister in der Dressur in Kiel. Sie ist topfit, und heute dient sie mir als Lehrpferd, bringt Reitschülern mit mir zusammen das Reiten bei. Darüberhinaus habe ich ein Fohlen von ihr, Shannon, der mittlerweile fast sechs Jahre alt ist, mein Reitpferd, den ich selbst ausbilde.

Birgit Kühl
email: kuehl.birgit@tlink.de
Tel.: 0177-2431281
Ich gebe Unterricht im Raum Kiel in Schleswig-Holstein.

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