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Wer sich längere Zeit mit Blutegeln beschäftigt und den oft anfänglichen Ekel überwunden hat, wird früher oder später von den Wunderwerken der Natur fasziniert sein.
Geschichte
Da die Anfänge der Blutegeltherapie nicht so klar erforscht sind, werden unterschiedliche Wurzeln erwähnt, die von den Ägyptern, Griechen, Römern bis hin zu Indern reichen.
Das Wort "Egel", stammt vom griechischen Wort echis, was soviel wie kleine Schlange bedeutet. Bei den Germanen entsprach das Wort "Blutegel" mehr oder weniger dem Wort "Heiler". Dhanvantari, der indische Gott des Ayurveda, hält einen Blutegel in einer seiner vier Hände, und im Englischen wurden die Heiler des Mittelalters als "leecher" (engl. leech = Blutegel) bezeichnet.
Pukownik berichtet im Gesundheitsratgeber Blutegel-Therapie, dass bereits 1000 v. Chr. von der systematischen Zucht und Anwendung von Blutegeln berichtet wird. Auch in der Ayurveda-Medizin, der indischen Heilkunde, hatten sie ihren festen Platz. Auch Mittelalter war die Blutegeltherapie weit verbreitet und selbst Hildegard von Bingen (1098 bis 1179 n. Chr.), deren Bücher sich heute wieder grosser Beliebtheit erfreuen, empfahl diese Therapie ebenfalls. Bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Therapie allgemein bekannt. Zu dieser Zeit begann die Verdrängung der Naturheilkunde durch die Chemie. Die Blutegeltherapie fiel der Schulmedizin zum Opfer. Da Blutegel weder zu sterilisieren noch keimfrei zu machen sind, wurden sie abgelehnt.
Die so in Verruf geratene Blutegeltherapie wurde für ca.100 Jahre verdrängt, bis in den 1980er Jahren die rekonstruktive Chirurgie den Blutegel wiederentdeckte.
Derzeit werden in Deutschland Blutegeltherapien vor allem von Naturheilern und Schulmedizinern angeboten und angewendet.
Die Blutegel werden mehr und mehr zu einem Bestandteil in der medizinischen Versorgung und werden auch in der Tiermedizin erfolgreich eingesetzt.

Die Pharmaindustrie stellt Hirudin (Hauptwirksubstanz des Egelspeichels) her und setzt es als klassisches Medikament ein.
Blutegel
Die Blutegel gehören zu der Familie der blutsaugenden Ringelwürmer und stehen den Regenwürmern nahe. Am bekanntesten ist die Art der medizinischen Blutegel, der Hirudo medicinalis. Infolge der schlechteren Wasserqualität ist heute der Egel nur noch selten in unseren Gewässern, vor allem in flachen, kalkarmen Teichen anzutreffen. Für medizinische Zwecke werden heute Blutegel gezüchtet.
Die Blutegel leben nur in klaren und vor allem sauberen Gewässern, Verschmutzungen jedweder Art tolerieren sie nicht. Fast das gesamte Leben verbringen sie im Wasser und nur zur Fortpflanzung suchen sie feuchte Ufergebiete auf. In der Natur halten sich hungrige Tiere an der Wasseroberfläche auf.
Die Blutegel wiegen in ausgehungertem Zustand, also beim Ansetzen an den Patienten, zwischen einem und drei Gramm und ihre Länge beträgt meist zwischen vier und zwölf Zentimeter. Vollgesaugt und satt verdoppeln oder verdreifachen die Tiere ihren eigentlichen Umfang. Der Körper des Blutegels ist relativ flach und an beiden Körperenden befinden sich Saugnäpfe zum Festhalten.
Interessant ist auch, dass ein Blutegel sich in seiner Jugend nur vom Blut kleiner, kaltblütiger Wassertiere (Fische, Kaulquappen) ernährt und erst im ausgewachsenen Alter warmblütige Tiere (Rinder, Schafe, Wild, Schweine) bevorzugt.
Der Biss ist sternförmig (man redet hier gerne vom
Mercedesstern), und wird durch ca. 80 Kalkzähnchen verurusacht, die sich in die Haut raspeln um zum Blut zu gelangen. Durch Öffnungen zwischen den Zähnchen wird Saliva (Blutegelspeichel) abgegeben. Diese Saliva enthält die folgenden bisher identifizierten Wirkstoffe:
Hirudin (Der Hauptwirkstoff sorgt für die Hemmung der Blutgerinnung),
Calin (eine ebenfalls für die Blutgerinnung verantwortliche Substanz im Speichel und bewirkt das Nachbluten der Wunde, welches eine reinigende Funktion einnimmt und mit einem sanften Aderlass zu vergleichen ist).
Des weiteren sind die Substanzen Hyaluronidase, Egline, Bdellin, Apyrase, Kollagenase, Destabilase, Piyavit und andere in der Saliva enthalten. Die Funktionen und Inhalte all dieser Stoffe ist noch nicht gänzlich erforscht.
Egelbehandlung
Die Egel werden an sauberen ohne Seife gereinigten Hautstellen angesetzt. Die empfindlichen Egel mögen teilweise nicht anbeissen. Hierbei weiss ein erfahrener Therapeut aber Möglichkeiten, den Egel zum Beissen zu animieren.
In der Regel dauert es nicht lange bis der völlig ausgehungerte Egel sich mit dem Kopf festsaugt. Der Patient empfindet maximal einen leichten Schmerz, als wenn man in Brennesseln fasst. Dieses gilt als sicheres Zeichen, dass der Egel fest angebissen hat. Zuerst saugt der Egel und hält sich mit beiden Enden fest, dann lässt er oft das Hinterteil baumeln und saugt weiter bis er sich dick und prall fallen lässt.
Während des Saugvorganges scheidet der Egel eine helle, klare Flüssigkeit aus, welche an ihm heruntertropft. Der Blutegel sondert etwa 20 Prozent der abgesaugten Flüssigkeit sofort über die Haut wieder ab, er behält lediglich die Inhaltsstoffe.
Während der Saugphase schlafen die Egel schon manchmal ein und müssen leicht angestossen werden, damit sie weitersaugen. Die durchschnittliche Saugzeit beträgt etwa 30 bis 60 Minuten, maximal aber bis zwei Stunden. Die prall vollgesaugten Egel lassen dann los und rutschen ab.
Der Heilerfolg hängt von der Intensität, der Stetigkeit, der Stärke und der Dauer des Nachblutens ab. Es werden aus den kleinen Wunden Substanzen wie Histamin ausgeschwemmt, die einen schnelleren Heilvorgang garantieren. Es kann bis zu 24 Stunden lang nach der Behandlung zu Nachblutungen kommen. Die kleinen Wunden verheilen meist gut und bleiben unsichtbar.
Das Nachbluten sollte nicht unterbunden werden, denn es erhöht die Wirksamkeit der Blutegeltherapie und die entstauende Wirkung. Außerdem wird dabei die Wunde von den Keimen befreit. Die Wunden sollten in den nächsten Tagen bis zur Verheilung kontrolliert werden.
Gegenanzeigen für eine Blutegeltherapie
Absolute Gegenanzeigen für eine Blutegeltherapie sind:
- Blutgerinnungsstörungen wie z.B. Bluter
- Blutarmut (Anämie)
- allergische Reaktionen auf Wirkstoffe des Blutegels
- vorhandene Immunschwächen
Relative Gegenanzeigen für eine Blutegeltherapie sind:
- Trächtigkeit
- starke Narbenbildung und
- schlechte Konstitution oder Abwehrschwäche des Patieneten.
Egelentsorgung
Benutzte Blutegel stellen für den Therapeuten oftmals ein Problem dar. Zwar darf man den benutzen Egel für genau dieses Tier wo er angesetzt wurde wieder benutzen, er muss dann aber für ca. 6 Monate aufbewahrt werden, denn bis dahin verdaut er, benötigt tägliche Wasserwechsel und natürlich sein eigenes Glas mit genauer Beschriftung, damit er nicht verwechselt werden kann.
Aus diesem Grund wird immer wieder empfohlen, den Egel nach der Anwendung zu töten (90 prozentiger Alkohol, einfrieren).
Aber es gibt auch noch die Möglichkeit, die Egel zurück zum Züchter schicken und sie dort ihren Lebensabend in einem Rentnerteich verbringen lassen. Wenn man Dankbarkeit für die Arbeit der Co-Therapeuten und Achtung vor dem Leben empfindet, so sollte man sich für diese Methode entscheiden.
Blutegeltherapie in der Tiermedizin
In folgenden Gebieten in der Tiermedizin findet die Blutegeltherapie ihren Einsatz:
-
Allgemeine Gelenkserkrankungen, wie z.B. Arthritis, Arthrose, Spat
- Hufrollenerkrankung
- Kniegelenksarthrose, Schale
-
Sehnenentzündungen
- akute Rehe
- Patellaluxation
- Hüftgelenksdysplasie bei Hunden
- akute Discophathien
- Spondylosen
- lokale Pyodermien
- Abszesse
- Thrombosen
- Furunkel/Karbunkel
- Ödeme
- alle Formen von Entzündungsprozessen
- allgemeine Entgiftung des Körpers, nach Kastrationen.
Der schonende Aderlass wird in der Tiermedizin vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt. Bei schmerzhaften Arthrosen der Hüfte oder des Schultergelenks verschaffen die Blutegel Schmerzlinderung und eine Entzündungshemmung. Aber auch in der Entzündungstherapie von Arthritiden und Tendovaginitiden (schmerzhafte Entzündung der Sehnenscheiden) leisten sie wertvolle Hilfe.
Die Behandlung schlecht heilender Wunden oder eine Blutansammlung nach Operationen kann durch den Einsatz von Blutegel sinnvoll unterstützt werden. Der große Vorteil bei einer Blutegelbehandlung gegenüber einer traditionellen Behandlung ist, dass innere Organe wie Leber, Niere und Herz nicht belastet werden. Daher ist die Therapie auch bei älteren Tieren sehr gut anwendbar. Insbesondere bei Pferden und Hunden wird die Blutegeltherapie wieder häufiger eingesetzt.
Beispiel:
Arthrosepferd mit Mauke und „angelaufenen Beinen“
Die 17- jährige Westfalenstute Laika leidet seit langem unter ständig angelaufenen Beinen und hochgradiger Arthrose. Zudem hat sie noch Mauke, die sich bereits in einem chronischen Stadium befindet.
Eine Blutegeltherapie wurde durchgeführt. Noch während des Saugvorganges schwollen die Beine zusehends ab. Während der 2 stündigen Therapie darf Laika sich leicht bewegen und Fressen und somit empfindet sie diese Therapieform überhaupt nicht als störend.
Ein Ansetzen von Egeln alle 4 – 8 Wochen erleichtert der Stute das Laufen so sehr, dass sie mittlerweile wieder bedingt reitbar ist. Der Nebeneffekt diese Egeltherapie bestand noch darin, dass sich die Mauke verbesserte.
Nach der Behandlung
Mehr Informationen über Blutegel sind zu finden auf
www.blutegel.de.
Copyright Text und Fotos, THP Britta Vock (Lehrbeauftragte für Tierheilkunde des FVDH), Tiernaturheilkundeschule Birkenhof-Soltau, 05191-939610,
www.tiernaturheilkundeschule.de.
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