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 Wenn es hinter dem Ohr zwackt
Die Trense - Das unbekannte Wesen
Datum der Nachricht: 14.06.2010
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Hier gehts zum Bericht von Ariane Prehn über die Zähne des Pferdes!

von Ariane Prehn

Es gibt sie in allen erdenklichen Formen und Farben, schwarz mit weiss unterlegt, grün mit pinken Streifen, in Leder und Gurtband, Synthetikstoffen, die unkaputtbar sein sollen, mit und ohne Gebiss, Stirnriemen nach Belieben und mit den verschiedensten Reithalftern... die Rede ist vom bezaubernden Markt der Trensen.

Welcher Zaum nun zu welchen Pony oder Pferdeköpfchen passt ist Geschmackssache des Reiters und Besitzers, die Träger haben selbst am wenigsten zu sagen und wenn, dann würden sie sich wahrscheinlich auf das Minimalste einigen... nämlich gar nichts am Kopf zu tragen.

Doch nicht immer kann diesem Wunsch entsprochen werden. Daher sollte man die Funktionalität der Trense mit maximaler Passform nicht ausser Acht lassen.

Zäumungen wirken durch Druck und Zug auf den Pferdekopf. Die Wirkung beruht auf Nachgeben auf einen Druck. Es ist deshalb wichtig, dass Zäumung und Gebisse eindeutig wirken. Diffuse Wirkungen verwirren das Pferd.



Beginnen wir einmal oben und arbeiten uns langsam bis zum Gebiss vor. Genickstücke sollten entweder gepolstert sein oder werden. Das ist auch im “Feintuning” mit einem abnehmbaren Gelpolster möglich. Dann aber auf die Verschnallung des Gebisses achten, damit die Maulwinkel nicht nach oben gezogen werden, also Backenstücke verlängern. Das ideale Genickstück ist breit, damit der Druck besser und angenehmer verteilt wird. Genickstücke mit ausgeschnittenem Ohrteil sind ideal und ermöglichen schmerz- und druckfreie Ohrbewegungen. Für den Sattler Ihres Vertrauens kommt jetzt die Chance, Ihrem Pferd etwas Gutes zu tun.


Bunte Renntrense. – Quelle: www.hottischrotti.de

Stirnriemen sind auch enorm wichtig. Auf Turnieren begegnen mir noch zu oft unbewegliche Ohren oder Zwangshaltungen, kleine weisse Stichelhaare in den Ohrmuschelfalten und Druckstellen. Durch zu enge und anliegenden Stirnriemen werden Ablenkungspunkte geschaffen. Nur wenn sich Pferde wohl fühlen, können sie auch zeigen, was in ihnen steckt. Mit frei beweglichen Ohren geht das eben besser. Einfach mal die Trense ohne Stirnriemen anlegen und die breiteste Stelle locker messen. Sie werden staunen, wenn Sie das Ergebnis mit ihrem vorhandenen Riemen vergleichen.

Beide Backenstücke sollten so verschnallt sein, dass an den Maulwinkeln maximal eine Falte entsteht. Mehr Falten zeigen, dass das Gebiss zu kurz geschnallt ist, dem Pferd an die Backenzähne schlagen kann oder auf die Schleimhaut davor, das gibt schmerzhafte Blutergüsse und fördert die Abneigung gegen den Gegenstand im Maul. Keine Falte heisst, das Gebiss ist zu lose im Maul. Eine genaue Einwirkung über die Zügel ist nicht mehr möglich, viele Pferde beginnen auch zu spielen und das zeigt sich in unkonzentrierter Arbeit und oft auch dem Heraushängenlassen der Zunge. Letzteres kann auch Abwehrhaltung gegen eine zu harte Hand sein.

Die Anpassung des Nasenriemens richtet sich nach dem Reithalfter, mit dem Sie gern reiten und das die Feinheiten des Pferdekopfes hervorhebt. Das Hannoversche Reithalfter muss die Nasentrompete frei lassen, also mindestens zwei Finger über dem Knorpelansatz der Nase und zwei Finger sollten unter dem Kinn Platz haben.


Hannoversches Reithalfter. – Quelle: Zoo-ove

Das kombinierte Reithalfter wird von zwei Riemen gebildet. Der obere ist der Nasenriemen, zwei Finger unter den Jochbeinleisten findet er seinen richtigen Platz. Auch hier sollten eben diese Finger unter den Kieferästen dazwischen passen.


Kombiniertes Reithalfter. – Quelle: Reiterrevue

Vorsicht bei Nasenriemen mit schwedischer Verschnallung. Durch die Umlenkverschnallung zieht man gern etwas zu fest! Beim Nasenriemen gilt das Gleiche, wie beim Hannoverschem Reithalfter. Das Mexikanische Reithalfter hat eine andere Riemenführung (über Kreuz), die Verschnallung ist jedoch die selbe wie beim kombinierten Reithalfter. Kandarenhalfter haben keinen Nasenriemen, sie werden 2 cm unter den Jochbeinen angelegt. Bügelhalfter sehen auf dem Nasenrücken wie Hannoversche Reithalfter aus, haben jedoch zur unteren Verschnallung zwei Riemen, die wie bereits beim Kombinierten Reithalfter beschrieben, gezurrt werden.

Achten Sie bitte auf das Genick Ihres Pferdes, denn dort muss eine Parade zuerst den Weg passieren. Stimmt etwas im Genick nicht, wird die Parade auch nie am Hinterbein ankommen, wo sie eigentlich hin soll. Ist der Nasenriemen also sehr fein und schmal geschnitten, so haben die meisten Pferde dort auch enormen Druck. Ein kleiner Trick schafft Abhilfe: lassen Sie den Nasenriemen nicht unter dem Genickstück lang laufen, sondern in den Ösen des Stirnriemens aussen entlang. Die Verschnallung ändert sich nicht, aber der Druck des Nasenriemens über dem Genickstück ist verteilt.



Verzichtet man beim Zaum auf das Gebiss, so bieten sich auch hier einige Möglichkeiten.
Gebisslos reiten! – Quelle: www.ramona-duenisch.de

Die klassische Hackmore wirkt ohne Hebelwirkung direkt auf den Nasenrücken. Wird das Bosal durch die Mecate (Zügel) angenommen, bewegt sich der Nasenteil nach unten und drückt aufs Nasenbein und der untere Teil bewegt sich nach oben, also auf die Äste des Unterkiefers.

Die mechanische Hackmore übt gleichzeitig Druck auf Genick, Nase, Kinngrube und seitlich unter dem Jochbein aus. Die Wirkung ist also wenig differenziert und durch die lange Hebelwirkung sehr hart. Kürzere Hebel verringern den Druck nur geringfügig, behalten aber ihre vielen verwirrenden Einwirkstellen.

Der LG Zaum besteht aus zwei kleinen Speichenrädern aus Metall, das 2 cm unter dem Jochbein sein oberes Ende findet. Mit einem richtig verschnallten Nasenriemen aus Leder, dem Kinnriemen oder einer zweireihigen Kinnkette ist es durch seine Aufteilung mit wenig oder mit grösserer Hebelwirkung zu reiten. Druckpunkte wären wieder Nasenrücken und untere Kieferäste. Ideal bei abgestumpftem Maul, Headshakern und nach Zahnbehandlungen.


LG Zaum. – Quelle: www.molekuel.de

Wir haben den LG-Zaum getestet!

Nimmt man zum Reiten ein Gebiss, so haben auch diese verschiedene Wirkungsstärken. Allen ist jedoch die Breite gemein, zu jeder Maulseite soll ½ cm heraus schauen.

Das Merothische Ledergebiss verwende ich sehr gern für meine Pferde. Nach 2-3 Wochen hat es die ideale Passform und ist somit direkt an das entsprechende Pferdemaul angepasst. Es ist im Winter nicht kalt und lässt sich im Sommer gut mit Speiseöl pflegen. Mit dem integrierten Kinnriemen ist es auch für Experimentierfreudige ganz ohne Trenseneinschnallung zu benutzen. Die Schönheit des Pferdekopfes kommt zur vollen Geltung und verwunderte Blicke sind Ihnen sicher. Natürlich lässt es sich sowohl in eine Trense als auch in den Westernzaum einschnallen. Mein 23jähriger Wallach schnurrt mit diesem Gebiss seine L/M-Lektionen wie mit keinem anderen Gebiss. Unsere Distanzen gehen wir auch mit nichts weiter.

Wassergebisse mit ihren wildesten Namen, wie den Knebeltrensen, Pessoagebissen, Renntrensen mit D-Ringen, Remontentrensen und 2-Typ-Turnado Trense wirken alle nach dem gleichen Prinzip. Bei falschen Anwendung entsteht der Nussknackereffekt, der die Laden quetscht und Blutergüsse zur Folge hat.

Olivenkopfgebisse unterscheiden sich nur in ihrer Form von den Wassergebissen. Die Drehpunkte mit den Ringen sind weiter vom Maulwinkel weg gelegt, damit eben jene nicht eingeklemmt werden können, was aber doch passiert, wenn die Gebisse ausgelutscht und bereits ausgeschlagen sind.

Die Kandarre wird im Idealfall bei Dressurpferden mit Unterlegtrense geritten. Dabei ist die Unterlegtrense etwa 1 cm breiter als die Kandarre. Bedenkt man, wie wenig Platz in einem solchen Pferdemaul eigentlich ist, ist es eine fantastische Leistung, mit geschlossenem Maul den Speichel zu Schaum zu kauen und dabei noch hohe Lektionen zu erbringen.


Blanke Kandarre. – Quelle: www.bentaiga.de

Kinnketten, egal ob beim Western oder in der Klassik, haben zwei Finger Platz zum Kinn, sonst strotzt das Hebelgebiss, d.h. es steht zu steil im Maul und allein das Annehmen der Zügel führt zum Druck am Kinn und am Gaumen durch die Zungenfreiheit. Bei richtiger Verkettung und angenommenen Zügeln ergibt sich ein Winkel von 45° von Kandarrenschenkel zur Maulspalte und die Kette liegt lose in der Kinngrube.

Westernbits mit Shanks, also Anzügen, wirken wie Kandarren oder Pelhams. Die Hebelwirkung in feiner Hand bewirkt Wunder, in unruhigen Anfängerhänden Wunden!!!

Geschmacksrichtungen und Material und Formen benötigen an sich ein eigenes Kapitel. Nun ja, es ist im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache. Klar kann man alles durchprobieren. Von Apfel und Aurigan über Kupfer und rostigen Gebissen bis hin zu Reitern, die die Gebisse ihrer Pferde mit Spülmittel tränken, damit sie nicht mehr knirschen, habe ich schon alles gesehen und erlebt. Meiner Ansicht nach sollte ein Gebiss so wenig Geschmack wie möglich haben, damit die Pferde nicht abgelenkt werden und gern von sich aus zum Kauen kommen.


So selbstgebastelt sollte eine gute Trense auf keinen Fall sein! – Quelle: fotolia.com/Kelly Lee

Sollte Ihr Pferd zu einem trockenen Maul neigen, überprüfen Sie seinen Elektrolyt-Haushalt. Ansonsten tut es bestimmt auch ein “reeller” Apfelschlitz zu Beginn des Trainings oder noch besser zur Belohnung für das freiwillige An- und Einnehmen des Gebisses ins Maul beim Auftrensen. Somit wird das Gebiss ein Genussobjekt. Letztendlich kommt es auf die anatomischen Begebenheiten Ihres Pferdes an, ob kurze oder lange Maulspalte, wenig oder viel Platz im Maul.

Es lohnt sich also, etwas Zeit zu investieren, um nach dem idealen Gebiss für sein Pferd zu suchen. Denn von Natur aus wollen Pferde gar keins, daher sollten wir versuchen es ihnen so angenehm wie möglich zu machen.

Noch Fragen? Dann stehe ich Ihnen gern zur Verfügung!



Herzlichst
Ihre Human- und Pferde-Physiotherapeutin
Ariane Prehn

Meine Leistungen: einfache Gesundheits-Checks, Ankaufuntersuchungen, Manuelle Therapie z.B. Akupressur, Lymphdrainage, osteopathische Techniken, verschiedene Massagen, Physikalische Therapie z.B. Thermo-/Kryo-, Hydrotherapie, Trainingstherapie z.B.(Doppel-) Longentraining, Gelenkstabilisation, beschleunigte und verbesserte Heilung bei Sehnen- und Gelenksproblemen, Lockerung und Aufbau der Rückenmuskulatur, Wintertraining ohne Muskel- und Konditionsverlust.

Mein Schwerpunkt: Behandlung von Alltags- und Sportverletzungen in Deutschland und Europa, Turnierbegleitung

Kontakt: www.pferde-physiotherapeutin.de
Telefon: 0172 / 38 44 112

Hier finden Sie ein ausführliches Autorenporträt von Ariane Prehn!

Hier gehts zum Bericht von Ariane Prehn über die Zähne des Pferdes!

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