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 Therapeutisches Reiten

Freiheit auf dem Pferderücken

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von Stefanie Kramer

Das eigene Handicap vergessen, sich dem Rhythmus des Pferdes hingeben, die Natur genießen. Reiten als eine Freizeitbeschäftigung, Erholung und Motivation für betreuungsbedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mit Hilfe des Pferdes entsteht eine Form der Freizeitbeschäftigung für behinderte Menschen, die es ihnen ermöglicht, den Alltag für einige Stunden zu vergessen und gleichzeitig der Erhaltung und Steigerung der persönlichen Fitness dient.

Ich möchte hier über das therapeutische Reiten informieren, über die Teilbereiche, Ausbildung und Fördermöglichkeiten.

Der Begriff „Therapeutisches Reiten“ ist noch sehr jung, während das Wissen um die Gesunderhaltung des Menschen durch den Einsatz des Pferdes schon sehr alt ist. In Schriften aus dem 17. und 18. Jh. heißt es z.B.: „…denn es fördert die Verdauung und den Schlaf, es stärkt die Geistesmunterkeit und die Arbeitslust, die Lebens- und Nervenkraft, die Herz- und Kreislauftätigkeit, die Haltung, bessert Leiden der inneren Organe.“ 1768 schrieb der Arzt Simon André Tissot: „… es wächst der Muth und das Selbstgefühl … und der Geist erhebt sich gleichsam zu neuer Munterkeit durch das Reiten.“

Auch der Begriff des Therapiepferdes wurde schon Mitte des 18. Jh. definiert: „Soll das Pferd seine wohltuende Wirkung auf den kranken Menschen äußern, so muss es sanft und sicher gehen, und man muss fein, gerade und ohne Furcht und Ängstlichkeit auf demselben sitzen.“

Diese Erkenntnisse schienen verloren gegangen, bis kriegsversehrte Reiter nach dem zweiten Weltkrieg wieder reiten wollten und dies auch oft durchsetzten. Dadurch machten sie nicht nur anderen kriegsversehrten, sondern auch von Geburt an behinderten oder kranken Menschen Mut, es ihnen gleich zu tun. Mittlerweile hat das Reiten als Therapie einen festen Platz im therapeutischen Angebot gefunden.


Mit Unterstützung geht vieles!

Zwischen dem Sport Reiten und der Therapie Reiten gibt es wesentliche Unterschiede, z.B. in den Zielsetzungen und den Trainingsreizen. Beim Sport werden bewusst Reize gesetzt, die an die Grenze – und oft auch darüber hinaus – der physiologischen Belastbarkeit gehen, um eine Leistungssteigerung zu erreichen. Beim Therapeutischen Reiten spielen diese Art von Trainingsreizen keine Rolle. Die Gewebebelastbarkeit soll nicht überschritten werden und es ist auch keine Leistungssteigerung im sportlichen Sinn Ziel des Reitens als Therapie.

Sensorisches, motorisches, emotionales, soziales und kognitives lernen verbinden sich bei dem therapeutischen Reiten zu einer ganzheitlichen Therapie.

Nach der Definition des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten DKThR (www.dkthr.de) beinhaltet das Therapeutische Reiten drei Teilbereiche.
  • Den medizinischen Bereich der Hippotherapie
  • Den pädagogisch/psychologischen Bereich des Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens (HPV/R)
  • Den sportlich / rehabilitativen Bereich des Reiten und Fahren als Sport für Behinderte.
Die drei Bereiche sind streng voneinander zu trennen, auch wenn die Übergänge fließend sind. So enthält die Hippotherapie Elemente der Pädagogik und das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten hat sportlichen und gesundheitlichen Charakter. Ein Patient der Hippotherapie kann ggf. zum Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten wechseln, ein Schüler vom Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten zum Sport…Jeder, der auf dem Gebiet des Therapeutischen Reitens arbeitet, sollte daher auch immer offen sein für die Arbeit der Fachleute auf den anderen Gebieten.



Auch wenn das eigene Pferd besonders ruhig ist, man selber gut mit anderen Menschen auskommt, kontaktfreudig ist,… um eine fundierte Ausbildung für Pferd und Ausbilder kommt man nicht herum. In der Arbeit mit Menschen und Tieren trägt der Ausbilder / Trainer immer eine besonders hohe Verantwortung. Das gilt umso mehr für die Arbeit mit behinderten Menschen. Eine qualifizierte Ausbildung ist daher für das therapeutische Reiten unerlässlich.


Neugier auf beiden Seiten.

Ebenso wichtig ist die Ausbildung des Pferdes. Es muss absolut zuverlässig mit dem Trainer und behinderten Sportler zusammen arbeiten, auf Hilfen sensibel reagieren, eine gute Grundausbildung haben und mit Stress jeglicher Art adäquat umgehen können. Es muss nicht nur Sicherheit ausstrahlen, sondern sie auch geben können. Psychische Belastbarkeit, ein einwandfreier Charakter, ein ausgeglichenes Temperament sowie eine grundsätzlich positive Einstellung zum Menschen sind hierfür Voraussetzungen. Durch eine verantwortungsbewusste Auswahl des Pferdes kann eine Überforderung vermieden werden. Individuell, entsprechend ihren Möglichkeiten und ihrer Persönlichkeit kann dies entsprechend eingesetzt werden. Je nach Zielsetzung sind alle Rassen jeglichen Exterieurs denkbar.

Die Ausbildungen für das therapeutische Reiten sind sehr unterschiedlich, vor allem im pädagogischen Bereich. Hier muss sich jeder genau informieren.

Die Bereiche des therapeutischen Reitens nun im Einzelnen

Die Hippotherapie wird von Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung durchgeführt. Sie ist Bestandteil und Ergänzung krankengymnastischer Behandlungsmaßnahmen. Die Hippotherapie wird im Schritt durchgeführt, der Mensch wird auf dem Pferd überwiegend passiv bewegt, reiterliche Vorkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich. („Die Hippotherapie hat mit dem Reiten so viel gemeinsam wie die Unterwassermassage mit dem Schwimmen“) Eingesetzt wird die Hippotherapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, z.B. bei Schädigungen des Zentralnervensystems, des Stütz- und Bewegungsapparates. Durch die Bewegung des Pferdes entstehen Impulse, die gezielt genutzt werden können, für die Verbesserung der Haltung, das Training des Gleichgewichtssinns und der Regulierung des Muskeltonus. Die Hippotherapie wird ärztlich verordnet, dennoch stehen für viele Patienten nicht die krankengymnastische Behandlung im Vordergrund, sondern die Begegnung mit dem Pferd.

Das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten (HPV/R) wird von lizensierten Pädagogen, Psychologen oder Psychotherapeuten durchgeführt. Auf den ersten Blick unterscheiden sich HPV/R nicht vom sportlichen Voltigieren und Reiten. Lediglich die Ziele sind nicht leistungsorientiert. Je nach Zielsetzung können die Schwerpunkte sowohl pädagogisch, psychologisch, psychotherapeutisch, rehabilitativ oder auch sozialintegrativ sein.Die unterschiedlichsten Menschengruppen, für die sich das HPV/R anbietet und die Möglichkeiten sind beim HPV/ sehr vielfältig.


Entspannung auf dem Pferd.

Im Vordergrund steht jedoch immer die individuelle Förderung der persönlichen Entwicklung und das Verhalten mit Hilfe des Pferdes. Zusätzlich werden Grundkenntnisse im Reiten oder Voltigieren und dem Umgang mit dem Pferd erworben. Daneben kann das HPV/R auch als Freizeitaktivität angeboten werden und so für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum wunderbaren integrativen Hobby werden.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Pferdes, die beruflichen Hintergründe der Pädagogen und Therapeuten … die individuelle Anpassung an die jeweiligen Anforderungen, Umstände, Möglichkeiten, Zielsetzungen der eigenen Person, des Klienten und des Pferdes beleben die Palette des Therapeutischen Reitens.

Vor allem im pädagogisch / psychologischen Bereich gibt es bundesweit eine Vielzahl von Anbietern des Therapeutischen Reitens mit sehr großen inhaltlichen Unterschieden. So unterschiedlich die Bezeichnungen der einzelnen Therapien und deren Ansätze sind, sie haben alle ein gemeinsames Ziel, nämlich die größtmögliche Förderung, Hilfe und Unterstützung von Menschen in Problemsituationen mit Hilfe des Pferdes.
Und ganz wichtig: Der Spaß und die Freude aller Beteiligten!


Geniessen mit allen Sinnen.

Das Reiten als Sport für Behinderte wird von Trainern mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt. Sowohl sinnesbehinderte als auch körper- und geistig Behinderte können das Reiten und Fahren z. T. bis zur Turnierreife erlernen. Entsprechend geschulte Trainer, Pferde und eine Vielzahl von Hilfsmitteln machen es auch schwer behinderten Menschen möglich, einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung mit dem Pferd nachzugehen. Behinderte und Nichtbehinderte können die Sportart gemeinsam ausüben. Das bedeutet für Menschen mit Handicap nicht nur Lebensfreude, sondern auch die Teilhabe an der Normalität.


Die Anforderungen werden an die individuellen Möglichkeiten stets angepasst.

Zum Schluss möchte ich noch einmal eine kurze Auflistung der Menschengruppen geben, für die sich das Reiten als Therapie eignet. Es sind Menschen in den unterschiedlichsten Problemsituationen, wie z.B.:
  • geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche
  • Kleinkinder im Rahmen der Frühförderung im Bereich der sensorischen Integration
  • Wahrnehmungsbehinderte, z.B. Blinde, Gehörlose, Sprachbehinderte
  • Suchtkranke
  • Kinder und Jugendliche mit dem ADHS-Syndrom
  • Menschen in psychischen Problemsituationen, wie z.B. Gewalterfahrungen, Missbrauch, Magersucht…
  • Entwicklungsverzögerte Kinder und Jugendliche
  • Lernbehinderte

Keine Berührungsängste.

Die Möglichkeiten der Förderung sind vielfältig und sind abhängig von dem einzelnen Menschen und seinen Problemen sowie den Zielsetzungen und Schwerpunkten der Reittherapie. Förderungen können z.B. sein:
  • Schulung von Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit
  • Kräftigung und Dehnung von Muskeln und Sehnen
  • Training von Herz, Kreislauf und Atmung
  • Förderung der Körperhaltung
  • Förderung der Körper- und Sinneswahrnehmung
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Förderung der Konzentration
  • Erlernen der richtigen Selbsteinschätzung
  • Abbau von Ängsten
  • Aufbau einer höheren Frustrationstoleranz
  • Aufbau von Selbstvertrauen
  • Motivation therapiemüder Patienten
  • usw.....
Ganz wichtig ist zu wissen, dass es Kontraindikationen gibt, die eine Teilnahme am therapeutischen Reiten ausschließen. Vor Beginn muss unbedingt mit den Teilnehmern offen und ehrlich gesprochen werden.
Das Pferd vermittelt Sicherheit – das ist seine Aufgabe.

Kontraindikationen können z.B. sein:
  • floride Wirbelsäulenerkrankungen, z.B. Morbus Scheuermann
  • Multiple Sklerose im akuten Schub
  • Skoliose 3. Grades
  • Coxarthrosiis deformans (bedingt)
  • Kardiale Dekompensation
  • Pferdehaarallergie
  • usw...
Eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung ist daher Voraussetzung jeder Therapie mit Pferden.

Unsere Autorin Stefanie Kramer ist Diplom-Sozialpädagogin sowie Reit-/Voltigierpädagogin (DKThR). Sie bietet selbst individuelle reitpädagogische Angebote an (Sie finden ihr Angebot auf www.reitenhilft.de in der Therapeutenliste im PLZ-Gebiet 2). Stefanie Kramer betreibt seit Juni 2007 die Internetseite www.reitenhilft.de, auf der das Therapeutische Reiten ausführlich vorgestellt wird. Die Seite richtet sich an Interessierte, Betroffene und Therapeuten. Zudem findet man Tipps, Termine, Buchempfehlungen, Links und –ganz wichtig- Therapeuten in Ihrer Nähe. Diese sind nach Postleitzahl geordnet und leicht zu finden. Neue Therapeuten werden gern aufgenommen!


Stefanie Kramer

>>> www.reitenhilft.de <<<

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