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Hilfszügel unter der Lupe
Datum der Nachricht: 14.06.2010
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von Ariane Prehn
Zeichnungen von Stephanie Poschmann, www.stp-illustration.de

Hilfszügel geben immer wieder viel Anlass zu Diskussionen und auch Streitereien unter den Reitersleuten. Welche es gibt, welche sinnvoll sind und wie sie wirken, erfahren Sie in diesem Bericht, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt...

Stoßzügel
Einzelner Ausbinder, der zwischen den Vorderbeinen vom Gurt über eine Longierbrille mit den Gebissringen verbunden ist. Seine einzige Aufgabe ist es, das Pferd nach oben hin zu begrenzen und diese Aufgabe erfüllt er sehr gut. Er lässt vorwärts/abwärts sehr gut zu und das Pferd kann sich selbst stellen. Eine gute Wahl, die bei Verschnallung von lang auf kurz nach der Gewöhnung bei vielen Pferden Anklang findet. Mit dem Stoßzügel sind Bahnfiguren auf gebogener Linie durchaus möglich, da die Genickstellung nicht beeinträchtigt wird.

Nele und Felix mit Stoßzügel – wobei Nele die Zügel korrekt halten könnte. ;-)

Halsverlängerer
Ein Gummiseil, das über dem Genickstück der Trense liegt, durch beide Gebissringe zwischen die Vorderbeine des Pferdes verläuft und dort am Ring/Sattelgurt befestigt wird. Ähnlich wie beim Stoßzügel besteht eine Begrenzung nach oben durch Druck auf das Genick. Bei Pferden, die den Kopf gerne hoch tragen, besteht darin auch die Gefahr! – Es entsteht zu viel Druck auf die Maulwinkel und kleine Nackenmuskeln – letztere reagieren mit Verspannungen – Undurchlässigkeit ist die Folge, da Paraden spätestens am Genick scheitern. Der Halsverlängerer bietet auch nur bedingt „vorwärts“ an, was einige Pferde mit Gegendruck auf die Flexibilität des Gummizuges beantworten. Folge wäre das Ausbilden des Unterhalses und stets angespannte Nackenmuskeln.


Mit freundlicher Unterstützung von www.sattlereikoch.at

Chambon
Besteht aus drei Teilen, ein kurzer Stoßzügel führt vom Gurt durch die Vorderbeine – dort wird ein Seil eingehängt, das durch die seitlichen Ringe eines speziellen Genickstücks verläuft und in beide Gebissringe der Trense eingehakt wird. Das Chambon - richtig angewandt und verschnallt- ermöglicht auch den Weg nach vorwärts/abwärts, begrenzt mir persönlich zu wenig nach oben. Druckpunkte sind Maulwinkel und Genick.


Mit freundlicher Unterstützung von www.sattlereikoch.at

Klassisches Gogue
Wird ähnlich wie ein Chambon benutzt, nur dass das Seil vom Genick durch die Trensenringe zurück zur Brust geführt und dort in den Riemen der zum Gurt führt, eingehakt wird. Als Abwandlung kann man daraus ein laufendes Gogue machen. Dazu benötigt man nur das unter die Trense verschnallte Genickstück und ca. 6 m Schotseil aus dem Baumarkt.


Gogue.

Laufendes Gogue
Deswegen, weil es nicht starr ist, sondern es läuft mit den Bewegungen des Pferdekopfes mit. Man verschnallt es folgendermaßen: das Seil wird durch den Mittelring zwischen den Vorderbeinen des Pferdes gefädelt, auf die Hälfte (je 3 m) gebracht und durch die seitlichen Ringe des Genickstücks geführt. Von dort aus wird es durch die Gebissringe gezogen und am untersten seitlichen Ring des Longiergurtes befestigt (Panikknoten). Mit dieser Verschnallung kann sich das Pferd nach einer Gewöhnungszeit selbst stellen, man muss nur einseitig (bevorzugt aber innen) verstellen, da sich diese Art des Gogue alleine mittig einstellt. Cavaletti und Stangenarbeit, Bahnfiguren und Doppellonge sind mit dieser Hilfsmethode kein Problem.

Seitliche Ausbinder
Die Klassiker. Begrenzen besonders junge Pferde seitlich und bringen am ehesten die später gewünschte Reithaltung des Pferdes. Sie sollten so verschnallt sein, dass das Genick nicht tiefer als die Kruppe getragen wird. Bei jüngeren Pferden sollte man beide Ausbinder gleichlang verschnallen, bei Fortgeschrittenen kann der innere verkürzt werden damit die Biegung des Zirkels übernommen wird. Diese Art der Ausbindung lässt kein vorwärts und nur wenig abwärts zu (meist einhergehend mit verkriechen hinter dem Zügel). Mit Ausbindern sind Figuren an der Doppellonge (Volten, Handwechsel) nicht möglich, da sie keine Stellung im Genick zulassen.


Ausbinder werden während der Reiter-Ausbildung benutzt. Auch Nele und Felix können sie gut gebrauchen.

Dreiecks- oder Laufferzügel
... bestehen aus zwei Teilen, die jeweils am Gurt des Sattels am Longiergurt befestigt sind, durch die Trensenringe gezogen und wieder unter dem Anfangsgurt am Gurt befestigt werden. Zwischen der oberen und unteren Verschnallung sollen mindestens 30 cm liegen, so dass ein Dreieck entsteht. Mit Dreieckszügeln kann man auch bedingt viele Figuren beim Longieren erarbeiten, er bildet den Vorreiter der seitlichen Ausbinder. Wie auch diese begrenzen die Dreieckszügel seitlich, was besonders gut und schonend bei jüngeren Pferden ist.


Mit freundlicher Unterstützung von www.sattlereikoch.at

Schlaufzügel
Auch sie finden beim Longieren ihren Platz, nämlich dann, wenn weder Sattel noch Longiergurt zur Verfügung stehen. Schlaufzügel einfach an den Trensenringen befestigen, durch die Vorderbeine des Pferdes fädeln und entlang der Gurtlage auf dem Pferderücken zusammenknoten. Je nach Länge des Zusammenknotens bestimmen sie den Grad der Kopfhaltung. Man nennt sie auch die amerikanische Ausbindung, da Cowboys dies früher mit ihren Reins (Zügeln) machten. Wie beim laufenden Gouge gibt es hier ideale Möglichkeiten der Dehnung und des beidseiten Gymnastizierens beim Erarbeiten von Hufschlagfiguren, da auch diese Ausbindung laufend ist, sich also der geforderten Stellung und Biegung anpasst. – Leider werden Schlaufzügel heutzutage inflationär und oft ohne Sinn und Verstand benutzt. Sie gelangen in Anfängerhände oder werden zum Riegeln und gedankenlosen Einrollen des Halses (Hyperflexion) missbraucht.


Schlaufzügel am lebenden Objekt Felix (unserem Maskottchen).

Alle Hilfszügel sollten mit Bedacht und Vorsicht ausgesucht und angewendet werden. Das erste Ausbildungsziel ist immer eine Vorwärts-abwärts-Dehnhaltung, die nie allein durch einen Hilfszügel erreicht werden kann – höchstens unterstützt. Auch sollten die Zeiten, die ein Pferd mit einem Hilfszügel geritten/longiert sein, auf höchstens 20 min am Stück begrenzt sein, bei jungen Pferden viel weniger. Dann sollte sich das Pferd wieder entspannen dürfen. Wie Sie an den unterschiedlichen Wirkungsweisen sehen können, darf die Einwirkung auf die Muskelgruppen nicht unterschätzt werden. Jeder, der einen Hilfszügel einsetzt, sollte sich zunächst fragen, was er damit bezwecken möchte und sich dann klar machen, welcher Hilfszügel hier am nächsten kommt. Ziel einer Ausbildung sollte nicht sein, dass ein Pferd nur noch mit Hilfszügeln laufen kann. Denn Hilfszügel sollen eins: helfen – und nicht dauerhaft zwingen! Denn in dem Fall ist der Reiter an der Reihe, seine Fähigkeiten zu verbessern.

Welche Ausbindemöglichkeit für Ihr Pferd die Passende ist, können nur die Pferde beantworten. Beginnen Sie mit einer und achten Sie auf die Veränderungen. Sind diese positiv und wehrt sich Ihr Pferd nicht, so können Sie natürlich auch weiter probieren und sich dann für Ihr Optimum entscheiden.

Bei Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.



Herzlichst
Ihre Human- und Pferde-Physiotherapeutin
Ariane Prehn

Meine Leistungen: einfache Gesundheits-Checks, Ankaufuntersuchungen, Manuelle Therapie z.B. Akupressur, Lymphdrainage, osteopathische Techniken, verschiedene Massagen, Physikalische Therapie z.B. Thermo-/Kryo-, Hydrotherapie, Trainingstherapie z.B.(Doppel-) Longentraining, Gelenkstabilisation, beschleunigte und verbesserte Heilung bei Sehnen- und Gelenksproblemen, Lockerung und Aufbau der Rückenmuskulatur, Wintertraining ohne Muskel- und Konditionsverlust.

Mein Schwerpunkt: Behandlung von Alltags- und Sportverletzungen in Deutschland und Europa, Turnierbegleitung

Kontakt: www.pferde-physiotherapeutin.de
Telefon: 0172 / 38 44 112

Hier finden Sie ein ausführliches Autorenporträt von Ariane Prehn! Dort sind auch alle anderen Artikel von ihr aufgeführt.

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