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 Harmonisch reiten
Die Feinheiten der Hilfen
Datum der Nachricht: 00.00.0000
von Anne Schmatelka

Die Kunst der feinen Hilfengebung. Wechsel à tempo, bei denen man kein Schieben und Umschmeißen der Schenkel sieht. Die Pirouette, die aussieht, als wäre sie von alleine gesprungen, die Piaffe in korrekter relativer Aufrichtung, mit aktiver Hinterhand und korrekter Hankenbeugung oder einfach nur eine ganze Parade, bei der das Pferd ohne ziehen und zerren auf den Punkt zum Halten kommt – das ist die Kunst.

Gibt es das heute noch?
Schaut man sich die moderne Dressur an, fällt einem auf, dass mit sehr harter Hand, groben Hilfen und Unterstützung durch Gerte und Hilfszügel gearbeitet wird. Pferde, die in absoluter Aufrichtung mit stelzender Hinterhand durch die Prüfung laufen. Man versucht, ihnen mit allen Mitteln die gewünschten Lektion abzuringen.

Ist sie dann noch fein?
Ist das Pferd dann noch losgelassen?
Finden wir dabei noch die Kriterien der Skala der Ausbildung erfüllt?

Wenn wir uns die großen Ausbilder der klassischen Reitkunst betrachten – wer kann sich damit noch messen? Nuno Oliveira reitet sein Pferd auf einem hohen S-Niveau nur an einem Band, ohne Gebiss und Trensenzaum. Er propagiert in seinem Buch: „Ratschläge eines alten Reiters an junge Reiter“ immer wieder die Hankenbeugung und die korrekte Piaffe als Maßstab der Losgelassenheit und Feinheit der Reitkunst.

In seinem Buch: „Reitkunst am Scheideweg“ berichtet Erich Glahn 1956 von Pferdekennern, die den wahren Blick für Harmonie, Perfektion und Gefühl besitzen. Er schreibt weiter, dass der Richter-Erlass von 1924 festlegt, dass der Reinheit der Gänge oberste Priorität beizumessen ist. Er kritisiert die moderne Reiterei (Stockholm 1956) massiv. Zitat: „… die man wohl im Namen Cederströms am besten kennzeichnet: gegen den reinen Gang und für die Spannung! Damit aber gegen die Hankenbiegung und den Schwung aus der Hinterhand, der im Trab wie Galopp bei der Dressur „das Hauptfordernis“ (Meixner) ist. Dies war das allerletzte Ergebnis des Fehlspruchs: dem aus dem Rücken gehenden Pferd wird abgesagt. Der Weg zum Schenkelgänger und zum „mechanisierten Pferd (G.Rau) wird beschritten….“


Foto: pixelio.de/Soso

Auch Philippe Karl moniert in seinem Buch: „Irrrwege der modernen Dressur“ in vielen seiner Aussagen die moderne Reiterei, die mit der klassischen Reitkunst nichts mehr gemein hat.

Wer beherrscht sie noch – die feinen Hilfen?
Wenn kann sie ausbilden – an den feinen Hilfen?
Wer ist noch in der Lage, aus dem Schenkelgänger einen Rückengänger zu machen?
Wie vielen jungen Pferden wird schon in jungen Jahren in der Grundausbildung als Remonte die Freude am reinen Gang genommen, einfach durch zu viele und zu hohe Anforderungen. Wer kann heute noch eine Remonte – remontengerecht ausbilden?
Wer nimmt sich noch die Zeit und die Ruhe für ein junges Pferd?
Mit vier Jahren L-fertig, mit fünf Jahren schon die erste M-Dressur. Muss das sein? Wie lange machen das die unfertigen Knochen und Gelenke mit? Wie lange der Kopf?


Foto: pixelio.de/Soso

Wussten Sie, dass man eine Remonte im ersten Jahr dreimal in der Woche, im zweiten Jahr viermal in der Woche und im dritten Jahr fünfmal in der Woche reiten sollte?
Wussten Sie, dass sich junge Pferde nicht aus Widersetzlichkeit herausheben sondern einfach, weil sie keine Kraft mehr haben, den Hals in der Dehnungshaltung in der Tiefe zu halten?

Hätten Sie gewusst, dass der richtige Weg in einer solchen Situation ist, abzusteigen, sein junges Pferd zu führen und es dann nochmals von Neuem zu versuchen? („Der Reiter formt das Pferd“ von Bürger / Zietzschmann). „Der Finger in der Wunde“ von Gerd Heuschmann zeigt, wohin sich die Reiterei 2006 entwickelt hat – und das auf hohem Niveau! Haben wir seit 1924 nichts dazu gelernt? Bundeschampionat 2007: Auf den vorderen Plazierungen stehen Pferde, die einen taktreinen Pass in der Prüfung zeigten.
Der Pass als vierte Grundgangart in der Dressur?
Ein Richter unter den Zuschauern meinte, dass der Pass keine Auswirkung auf das Ergebnis der Prüfung haben würde – er hatte recht.
Wo bleibt da die Reinheit der Gänge?
Haben wir unseren Richter-Erlass von 1924 vergessen und nicht verstanden?

Dieser Artikel soll ein Hilferuf sein! Die Bitte, es anders zu machen!
Der Wunsch, dem Pferd die Möglichkeit zu geben, sich an seine ihm gestellte Anforderung zu gewöhnen und in diese langsam hinein zu wachsen und gesund zu bleiben!

Denn: Reiten soll das Pferd schöner und gesünder machen!

Es soll leicht und fein sein, Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Kontakt: www.reitertipps24.com

Das neue Buch von Anne Schmatelka erscheint im Februar 2011:
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