Am Montag, den 03. Dezember 2007 konnten
knapp dreissig Teilnehmer auf der Reitanlage des Ausbildungsstall Grafenberg bei
Metzingen einen sehr interessanten und informativen Vortrag und auch eine ebenso
spannende Demonstration zum Thema
„Was der Richter sehen will! Kriterien
einer professionellen und erfolgreichen
Turnierteilnahme“ von Dr. Dietrich Plewa
erleben.
Dr. Dietrich Plewa ist Rechtsanwalt und
ehemaliger Landestrainer der Dressurreiter
in Baden – Württemberg, erfolgreicher
Turnierreiter, Inhaber des Goldenen
Reitabzeichens und international
tätiger Dressurrichter. Er reitet seit 50
Jahren. In seiner reiterlichen Laufbahn
hat er, neben der Ausbildung zahlreicher
Grand Prix Pferde, bisher mehr als 150
S-Siege zu verzeichnen. Er ist bekannt
durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen
zu vielfältigen Themen, u.a.
aus den Bereichen Pferdesport und
Pferderecht.
Fokus dieser Veranstaltung war es vor
allem, die Anforderungen an Pferd und
Reiter für eine erfolgreiche Teilnahme an
Dressurprüfungen der Klassen L – S vorzustellen. Weil Defizite in der Ausbildung
deutlich schwerer wiegen in der Bewertung
einer Dressurlektion als technische
Fehler, wurden typische Probleme im
Rahmen einer Vorführung demonstriert,
kommentiert und Korrekturansätze aufgezeigt.
Aber nicht nur die Durchführung
des eigentlichen Rittes, sondern auch die
professionelle Vor- und Nachbereitung
einer Turnierteilnahme zählen zu den
wichtigen Kriterien, soll die Turniersaison
erfolgreich sein. Nach dem Grundsatz
„Nach dem Turnier ist vor dem Turnier!“
sind die Erfordernisse einer selbstkritischen
und umfassenden Analyse notwendige
Voraussetzung für die Optimierung
des zukünftigen Trainings und
des damit verbundenen Turnierauftritts.
Laut LPO sind Richter Sachverständige –
inwieweit dies Wunsch oder Wirklichkeit
ist, sei vorerst dahin gestellt.
Der
Anspruch an den Richter lässt sich auf
drei Aussagen reduzieren:-
Das Vorhandensein einer definierten
Kompetenz des Richters muss gewährleistet sein.
-
Richte das, was Du siehst – nicht das, was Du gesehen oder gehört hast!
-
Der Richter muss dem Vertrauen in eine objektive und sachgerechte Benotung entsprechen.
In L- und M-Dressuren sind Wertnoten
von 5,5 bis 7,5 gängige Praxis. Dabei ist
zu beobachten, dass – so selbstverständlich
sich das im Moment auch anhört
– der Durchschnitt deutlich stärker
vertreten ist als die überragende Leistung.
Die Note hat dabei ausschliesslich
eine Aussagekraft für den tagesaktuellen
Leistungsstandard. Das Training und die
Leistung zu Hause oder auf dem Abreiteplatz
kann selbstverständlich nicht berücksichtigt
werden. Dies wird jedoch gerne übersehen, wenn die Einsichtnahme der Prüfungsprotokolle bzw. eine Kommentierung der Richterbewertung
erfolgt. Die Basis für eine akzeptable Benotung in dieser Grössenordnung ist die
Grundlagenarbeit. Deshalb können
einzelne technische Fehler eher ausgeglichen
werden im Rahmen einer Prüfung
als Grundlagendefizite. Wird beispielsweise
„nur“ eine Grundgangart als „nicht
befriedigend“ vom Richter im Aufgabenprotokoll
bewertet, kann die Gesamtnote
der Prüfung max. 6.0 betragen. Werden
bereits zwei Grundgarten als „nicht befriedigend“ eingestuft, so liegt die Wertnote unter 5.0.
Schritt ist bis in die höchsten Klassen die
schlechteste Grundgangart. Diese Entwicklung wird noch bestärkt in der Beobachtung, dass dem korrekten Schrittreiten inzwischen immer weniger Aufmerksamkeit gezollt wird – und somit auch im Trainingsfokus den geringsten Anteil aufweist. Und: Neben dem Galopp ist der Schritt die am schlechtesten zu
korrigierende Grundgangart!
Knirschende, Zähne, Zungenspiel oder
auch klappernde Lippen werden – nach
subjektiver Einschätzung von Dr. Dietrich Plewa – nicht immer als negativ
bewertet. Begründung: Besonders hoch im Blut stehende Pferde verfallen manchmal aufgrund ihrer hohen Nervosität in solche Verhaltensweisen,
um die Anspannung zu kompensieren. Ob sich daraus Anlehnungsdefizite interpretieren lassen, ist jeweils von der aktuellen Situation bzw. dem Reiter – Pferd – Paar abhängig.
Immer wieder auffällig ist die offenbar
fehlende Kenntnis der Prüfungsteilnehmer
über die Anforderungen der
jeweiligen Klasse. Dies beginnt bereits in
den Jungpferdeprüfungen, in denen
junge Pferde ohne Tragkraft Mittel- oder
Starken Trab zeigen trotz offensichtlich
fehlender Rückenmuskulatur. Auch, dass
Versammlung üblicherweise durch
Kadenz gekennzeichnet ist, sollte
allgemein bekannt sein – wird aber
offenbar häufig mit „langsam reiten“
verwechselt. Takt und Losgelassenheit
bleiben dabei häufig auf der Strecke.
„Die Mutter aller Seitengänge ist das
(!) Schulterherein“
Bei den Seitengängen wird im Rahmen
der Grundausbildung häufig mit den
schwereren Lektionen begonnen. Das
Schulterherein als Grundlektion sollte
sicher beherrscht werden, bevor die
anderen Seitengänge trainiert werden.
Hierbei gilt grundsätzlich: Takt geht vor
Biegung! Taktstörungen in den Seitengängen
müssen nicht identisch sein mit Taktunreinheit in den Grundgangarten –
dies sollte in der Bewertung durch den
Richter berücksichtigt werden. Um Taktstörungen in den Seitengängen zu vermeiden, werden für die tägliche Arbeit
als Mittel der Wahl möglichst kurze
Trainingsreprisen empfohlen. Auf diese
Weise wird dem Pferd das Erhalten des
Gleichgewicht erleichtert. Neben dem Takt ist aber auch das Mass der Abstellung sowie das Mass der Biegung (Längsbiegung) wichtig: 4-6 Grad lässt sich die Rückenwirbelsäule maximal
biegen, während die Halsbiegung maximal 35 Grad betragen kann.
Dies und weitere Ausführungen wurden
in Theorie und Praxis erklärt. Bei der
praktischen Demonstration in der Reithalle
wurden sechs Pferde der unterschiedlichsten
Rassen und mit unterschiedlichem
Ausbildungsniveau den Zuschauern
vorgestellt. Dr. Dietrich Plewa
nahm sich für jeden Teilnehmer ausreichend
Zeit, betreute sowohl die Aufwärm-
als auch die Arbeitsphase jedes
einzelnen Teilnehmers. Auf diese Weise
konnte er für jedes Reiter–Pferd–Paar
eine entsprechende, auch für den
Zuschauer gut sichtbare Leistungskurve
erarbeiten, auf deren Basis er Empfehlungen
und Ratschläge für die zukünftige
Arbeit zu Hause bzw. auf den Turnierplätzen
mit auf den Weg gab.
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