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 Kriterien einer professionellen und erfolgreichen Turnierteilnahme
Was der Richter sehen will!
Datum der Nachricht: 10.01.2008
Am Montag, den 03. Dezember 2007 konnten knapp dreissig Teilnehmer auf der Reitanlage des Ausbildungsstall Grafenberg bei Metzingen einen sehr interessanten und informativen Vortrag und auch eine ebenso spannende Demonstration zum Thema „Was der Richter sehen will! Kriterien einer professionellen und erfolgreichen Turnierteilnahme“ von Dr. Dietrich Plewa erleben.

Dr. Dietrich Plewa ist Rechtsanwalt und ehemaliger Landestrainer der Dressurreiter in Baden – Württemberg, erfolgreicher Turnierreiter, Inhaber des Goldenen Reitabzeichens und international tätiger Dressurrichter. Er reitet seit 50 Jahren. In seiner reiterlichen Laufbahn hat er, neben der Ausbildung zahlreicher Grand Prix Pferde, bisher mehr als 150 S-Siege zu verzeichnen. Er ist bekannt durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu vielfältigen Themen, u.a. aus den Bereichen Pferdesport und Pferderecht.

Fokus dieser Veranstaltung war es vor allem, die Anforderungen an Pferd und Reiter für eine erfolgreiche Teilnahme an Dressurprüfungen der Klassen L – S vorzustellen. Weil Defizite in der Ausbildung deutlich schwerer wiegen in der Bewertung einer Dressurlektion als technische Fehler, wurden typische Probleme im Rahmen einer Vorführung demonstriert, kommentiert und Korrekturansätze aufgezeigt. Aber nicht nur die Durchführung des eigentlichen Rittes, sondern auch die professionelle Vor- und Nachbereitung einer Turnierteilnahme zählen zu den wichtigen Kriterien, soll die Turniersaison erfolgreich sein. Nach dem Grundsatz „Nach dem Turnier ist vor dem Turnier!“ sind die Erfordernisse einer selbstkritischen und umfassenden Analyse notwendige Voraussetzung für die Optimierung des zukünftigen Trainings und des damit verbundenen Turnierauftritts.

Laut LPO sind Richter Sachverständige – inwieweit dies Wunsch oder Wirklichkeit ist, sei vorerst dahin gestellt. Der Anspruch an den Richter lässt sich auf drei Aussagen reduzieren:
  • Das Vorhandensein einer definierten Kompetenz des Richters muss gewährleistet sein.
  • Richte das, was Du siehst – nicht das, was Du gesehen oder gehört hast!
  • Der Richter muss dem Vertrauen in eine objektive und sachgerechte Benotung entsprechen.
In L- und M-Dressuren sind Wertnoten von 5,5 bis 7,5 gängige Praxis. Dabei ist zu beobachten, dass – so selbstverständlich sich das im Moment auch anhört – der Durchschnitt deutlich stärker vertreten ist als die überragende Leistung. Die Note hat dabei ausschliesslich eine Aussagekraft für den tagesaktuellen Leistungsstandard. Das Training und die Leistung zu Hause oder auf dem Abreiteplatz kann selbstverständlich nicht berücksichtigt werden. Dies wird jedoch gerne übersehen, wenn die Einsichtnahme der Prüfungsprotokolle bzw. eine Kommentierung der Richterbewertung erfolgt. Die Basis für eine akzeptable Benotung in dieser Grössenordnung ist die Grundlagenarbeit. Deshalb können einzelne technische Fehler eher ausgeglichen werden im Rahmen einer Prüfung als Grundlagendefizite. Wird beispielsweise „nur“ eine Grundgangart als „nicht befriedigend“ vom Richter im Aufgabenprotokoll bewertet, kann die Gesamtnote der Prüfung max. 6.0 betragen. Werden bereits zwei Grundgarten als „nicht befriedigend“ eingestuft, so liegt die Wertnote unter 5.0.

Schritt ist bis in die höchsten Klassen die schlechteste Grundgangart. Diese Entwicklung wird noch bestärkt in der Beobachtung, dass dem korrekten Schrittreiten inzwischen immer weniger Aufmerksamkeit gezollt wird – und somit auch im Trainingsfokus den geringsten Anteil aufweist. Und: Neben dem Galopp ist der Schritt die am schlechtesten zu korrigierende Grundgangart!

Knirschende, Zähne, Zungenspiel oder auch klappernde Lippen werden – nach subjektiver Einschätzung von Dr. Dietrich Plewa – nicht immer als negativ bewertet. Begründung: Besonders hoch im Blut stehende Pferde verfallen manchmal aufgrund ihrer hohen Nervosität in solche Verhaltensweisen, um die Anspannung zu kompensieren. Ob sich daraus Anlehnungsdefizite interpretieren lassen, ist jeweils von der aktuellen Situation bzw. dem Reiter – Pferd – Paar abhängig.

Immer wieder auffällig ist die offenbar fehlende Kenntnis der Prüfungsteilnehmer über die Anforderungen der jeweiligen Klasse. Dies beginnt bereits in den Jungpferdeprüfungen, in denen junge Pferde ohne Tragkraft Mittel- oder Starken Trab zeigen trotz offensichtlich fehlender Rückenmuskulatur. Auch, dass Versammlung üblicherweise durch Kadenz gekennzeichnet ist, sollte allgemein bekannt sein – wird aber offenbar häufig mit „langsam reiten“ verwechselt. Takt und Losgelassenheit bleiben dabei häufig auf der Strecke.

„Die Mutter aller Seitengänge ist das (!) Schulterherein“

Bei den Seitengängen wird im Rahmen der Grundausbildung häufig mit den schwereren Lektionen begonnen. Das Schulterherein als Grundlektion sollte sicher beherrscht werden, bevor die anderen Seitengänge trainiert werden. Hierbei gilt grundsätzlich: Takt geht vor Biegung! Taktstörungen in den Seitengängen müssen nicht identisch sein mit Taktunreinheit in den Grundgangarten – dies sollte in der Bewertung durch den Richter berücksichtigt werden. Um Taktstörungen in den Seitengängen zu vermeiden, werden für die tägliche Arbeit als Mittel der Wahl möglichst kurze Trainingsreprisen empfohlen. Auf diese Weise wird dem Pferd das Erhalten des Gleichgewicht erleichtert. Neben dem Takt ist aber auch das Mass der Abstellung sowie das Mass der Biegung (Längsbiegung) wichtig: 4-6 Grad lässt sich die Rückenwirbelsäule maximal biegen, während die Halsbiegung maximal 35 Grad betragen kann.

Dies und weitere Ausführungen wurden in Theorie und Praxis erklärt. Bei der praktischen Demonstration in der Reithalle wurden sechs Pferde der unterschiedlichsten Rassen und mit unterschiedlichem Ausbildungsniveau den Zuschauern vorgestellt. Dr. Dietrich Plewa nahm sich für jeden Teilnehmer ausreichend Zeit, betreute sowohl die Aufwärm- als auch die Arbeitsphase jedes einzelnen Teilnehmers. Auf diese Weise konnte er für jedes Reiter–Pferd–Paar eine entsprechende, auch für den Zuschauer gut sichtbare Leistungskurve erarbeiten, auf deren Basis er Empfehlungen und Ratschläge für die zukünftige Arbeit zu Hause bzw. auf den Turnierplätzen mit auf den Weg gab.

Kontakt:
Anke Klabunde • Hauffstr. 36 • 71093 Weil im Schönbuch
Tel.: 07031/46 64 81 • mobil: 0177 268 39 51 • Fax: 0721/151 - 26 81 42
Email: info@seminarreiter.de • www.seminarreiter.de
 
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