
...Nun gebärt jede Epoche die Reiterei, die sie verdient. Als von Sponsoren finanziertes, globalisiertes Spezialgebiet hat die moderne Dressur die Reitkunst den sportlichen und ökonomischen Imperativen professionellen Reitens geopfert. Bewährte klassische Methoden genießen wenig Bedeutung, was zählt, ist das Ergebnis: Nötigung und Beritt mit Gewalt sind heute die Norm, grobe Fehler werden ins System integriert. Insgesamt verhält sich die kompetitiv geprägte Dressur zur wahren Reitkultur wie McDonald`s und Coca Cola zur Noblen Gastronomie und Gesundheitsküche.
Die Pferde sind natürlich die ersten Opfer dieses florierenden Business’. "Der Zyniker ist der, der den Preis von allem, jedoch den Wert von nichts kennt" (Oskar Wilde).
Zahlreich sind die Liebhaber (im nobelsten Sinne von "jene, die lieben"), die sich entrüsten und von diesen Auswüchsen abwenden. Aber nur wenige finden sich, die den Mut aufbringen, diese mit Nachdruck und Klarheit zu benennen - wer schwimmt schon gern gegen den Strom.
Mit jener "Eleganz der Verzweiflung", welche sich Humor nennt, macht Daniela Piolini auf die verheerenden, karikaturhaften Auswüchse der offiziellen Dressur aufmerksam. In ihren von großem Talent zeugenden Illustrationen zeigt sie - unterlegt von Zitaten großer Meister - mit den Mitteln eines vermeintlich unschuldigen Bilderbuches für Kinder auf ironische Weise gerade das, was besser gemieden werden sollte. "In Sitten und Gebräuchen ist es ehrenhafter zu übertreten als zu folgen" (William Shakepeare).
Eingedenk der ihr gesetzten Grenzen schließt sie ihr Buch mit offenem Ende: der Vorschlag einer authentischen Alternative sei "...eine andere Geschichte". Doch könnte sie in der Zwischenzeit einen wesentlichen Beitrag zum Wandel des Bewusstseins geleistet haben.
Als leidenschaftlicher Ecuyer möchte auch Isabella Sonntag vom Wu Wie Verlag letztendlich meinen Beitrag leisten. Tatsächlich gibt es in der Dressur bereits eine zuverlässige Alternative, welche der Natur des Pferdes respektvoll Rechnung trägt. Diese Alternative hat den schönen Namen "Légèreté" - eine Philosophie, die ihren Ruf als Reiterei “à la franςaise" den alten Meistern La Guérinière, Baucher und General L"Hotte verdankt.
Bedauerlicherweise lassen hohe Funktionäre aus Gründen geistiger Trägheit und eines weit verbreiteten Konformismus" bis heute nicht davon ab, diese Philosophie zu leugnen, um sie wie ein Fähnlein im Winde unentwegt wechselnden Moden zu opfern.
Die "Légèreté" wieder in den Mittelpunkt zu rücken - für das Wohlbefinden des Pferdes, zur Wahrung der Reitkunst -, dies wäre eine noble Herausforderung, die es anzupacken gilt!
Philippe Karl
Ecuyer du Cadre Noir von 1985 bis 1998
Die Meinung der hallo-pferd.de-Redaktion:
Ein schlankes Buch, welches farbenfroh und lustig aussieht, hinter dem aber eindeutig mehr steckt. Endlich wird pferdegerechtes Reiten ansprechend dargestellt. Fakten werden durch Auszüge aus Büchern von Pferdemeistern untermauert und dargelegt und trotzdem hat man Spaß, dieses Buch zu lesen. Denn die Lösung liegt erschreckend nah: einfach mal den Kopf einschalten und NEIN zum „Richtigen, weil Althergebrachten“ sagen. Wir hätten begrüßt, dass noch mindestens ein weiteres Bild von Theodor gezeigt wird, auf dem es ihm gut geht, aber am Ende sieht er auch so glücklich aus.“
SDressur oder wie man ein gutes Pferd unreitbar macht
Autorin: Daniela Piolini
ISBN: 978-3-930953-23-3
Preis: 19,90 Euro
www.wu-wei-verlag.com