Normalerweise ist der Beschlag mit Hufeisen für Pferde in den unterschiedlichsten Sportarten sehr gut geeignet. Das Hufeisen lässt sich durch Schmieden gut umformen und in die gewünschte Position bringen, Stahl lässt sich gut Schweißen und Schleifen und ist außerdem preisgünstig. Entgegen der häufig verbreiteten Annahme, das Hufeisen schade dem Hufmechanismus ist das Gegenteil der Fall: Ein korrekt angepasstes Eisen verstärkt laut wissenschaftlicher Untersuchungen die Wirkung des Hufmechanismus. Vorraussetzung ist allerdings eine korrekte Nagelung, die im vorderen Bereich mit der Strahlspitze endet, sowie ein sorgsamer Umgang mit Seitenaufzügen (sog. Kappen), damit der Hufmechanismus nicht behindert wird. Der Beschlag mit stabilen Hufeisen bietet dem gesunden Huf die ideale Unterstützung und kann leicht und präzise sein. Er wird nach anatomisch-funktionellen Gegebenheiten des Pferdes und nach seinem Verwendungszweck ausgewählt. Für Pferde mit Problemen oder Krankheiten besteht die Möglichkeit, eine dämpfende Sohle, ein Hufpolster oder ähnliches zu verwenden. In der Praxis taucht die Frage nach Kunstoff-Beschlägen, auch oft im Zusammenhang mit Trittverletzungen, auf. Ich sehe die Lösung in geeigneten und gleich bleibenden Gruppenzusammenstellungen und ausreichend großen Flächen. Denn ein gezielter Tritt wird sicherlich auch ohne Eisen schlimme Folgen haben.
Hufeisen aus Aluminium-Legierungen
Alu-Beschläge haben verschiedene Vor-bzw. Nachteile gegenüber Stahl. Der wichtigste Vorteil ist das geringe Gewicht. Bei gleichen Abmessungen wiegen sie nur ein Drittel des Stahlgewichtes. Durch die weichere Materialbeschaffenheit sind Alu-Eisen nicht ganz so verschleißfest. Um dem höheren Abrieb entgegen zu wirken, sind oft kleine Stege aus Stahl eingearbeitet. Trotzdem kann mit kürzeren Beschlagsintervallen gerechnet werden. Alu-Beschläge werden meistens kalt verarbeitet und aufgeschlagen. Das genaue Anpassen ist bei speziellen Hufformen schwieriger als bei Stahl. Alu eignet sich für Reit- oder Rennpferde und wird bevorzugt für Orthopädische Beschläge eingesetzt.
Der Huf muss vorher immer in Form geschnitten werden.
Kunststoffbeschläge
Hier gibt es verschiedene Produkte aus unterschiedlich harten und dicken Kunststoffplatten in verschiedenen Größen. Ihre Form ist ähnlich der des Hufeisens, allerdings dicker und breiter. Im hinteren Teil sind die „Plastiks“ mit einem Steg oder einer Strahlunterstützung geschlossen, um die nötige Stabilität zu erreichen. Kunststoffbeschläge werden durch Zuschneiden und Raspeln an den Huf angepasst. Die Beschläge werden aufgenagelt, wobei zum Teil spezielles Werkzeug erforderlich ist. Die meisten Beschläge haben keine vorgefertigten Nagellöcher und müssen vorgebohrt werden. Es gibt Kunststoffbeschläge aus härterem Material, hier sind die Nagellöcher bereits vorgefertigt. Je nach Hersteller ist verschiedenes Zubehör, wie Stollen, Spikes, Sohlenplatten oder Snow Grips erhältlich. Die Preise für Kunststoffbeschläge variieren je nach Hersteller und Größe, liegen circa zwischen 3-10 Euro pro Stück. Der Vorteil des Kunststoffbeschlags, nämlich die weichere Beschaffenheit, ist zugleich sein Nachteil: Bei Stellungsfehlern oder Hufproblemen bietet der Kunststoff nicht genügend Unterstützung. Durch die Flexibilität des Kunststoffes „arbeiten“ die Nägel in der Wand, wodurch es zum Ausbrechen der Hornwand kommen kann. Bei empfindlichen Pferden kann es durch die Aufwölbung des Materials zu Druck in der Sohle kommen. Daher ist dieser Beschlag nicht für jedes Pferd geeignet.
Das Eisen muss nicht immer heiß geschmiedet werden. Es gibt einige Alternativen!
Beschläge aus Verbundwerkstoffen
Das sind Hufbeschläge aus Kombinationen der Materialien Kunstoff und Stahl. Zum Beispiel gibt es Gummibeschläge mit Stahlkern, die mit einer speziellen Biegevorrichtung angepasst werden. Oder Kunststoffbeschläge, die im Inneren, im Bereich der Nagelung, einen Stahlkern besitzen. Die Nägel können hier in vorgefertigten Schlitzen, wahlweise an verschiedenen Positionen eingeschlagen werden. Die Kunstoffbeschläge, die ich manchmal verwende, sind "Duplos". Hier ist eine Metallplatte eingearbeitet, die zur Aufnahme der Nägel und zur Stabilisierung dient. Duplos haben auf der Innenseite kleine Spitzen, die sich in den Tragerand drücken und dem Beschlag so Halt gegen Verrutschen geben.
Combi-Beschlag
Der so genannte Combi-Beschlag besteht aus einem halben Hufeisen, das nur den Zehenbereich schützt und einer Sohlenplatte aus Kunstoff, die den hinteren Hufbereich federnd unterstützt. Dieser Beschlag wirkt stoßdämpfend und eignet sich für Pferde mit bestimmten Krankheiten, z.B. Arthrose und Strahlbeinlahmheit. Außerdem können die elastischen Gummiplatten das Abtreten der Eisen verhindern. Combi-Beschlag
Geklebter Hufschutz
Hier wird die Hornwand nicht durch Nagellöcher beschädigt. Die Kräfte werden von der Beklebung aufgenommen und so auf eine größere Fläche verteilt. Beim Anbringen wird der Huf keinen Erschütterungen durch das Nageln ausgesetzt, dafür muss das Pferd aber länger ruhig halten, außerdem braucht man einen sauberen und trockenen Platz, um den Hufschutz anzufertigen. Das Vorbereiten der Hufe zum Bekleben ist relativ aufwendig, die Materialien sind kostenintensiv - deswegen wird Kleben besonders dann angewendet, wenn es medizinisch notwendig ist, etwa bei sehr kurzen Hufen, ausgebrochenen Hornwänden, bestimmten Hufkrankheiten oder bei Fohlenschuhen zur Stellungskorrektur. Es gibt Hufschuhe zum Kleben, die auch den Belastungen im Reitsport standhalten, hier können auch Stollen verwendet werden. Die meisten Schuhe haben Sollbruchstellen, damit der Schuh abreisst, falls das Pferd hängen bleibt. Vorsicht: es darf kein Öl oder Fett auf den Huf kommen, denn dadurch kann die Klebeverbindung zerstört werden.
Temporärer Hufschutz
Eine weitere Variante ist das Bekleben des Tragerandes oder der Sohle mit einem Zwei-Komponenten-Kleber. Der Tragerand wird mit dem Kunsthorn überzogen und anschließend glatt geraspelt. Hiermit lassen sich auch leichte Stellungsfehler bei Fohlen korrigieren. Bei einer anderen Variante wird nur die Sohle mit dem Material ausgefüllt und geschützt. Der Temporäre Hufschutz haftet je nach Hornwachstum für circa drei Wochen am Huf.
Hufschuhe zum Anschnallen
Die Hufschuhe können nur bei Bedarf gezielt zum Einsatz kommen, während das Pferd trotzdem barfuß bleibt. Allerdings benötigt man jedes mal die Zeit, um die Schuhe an- und auszuziehen. Das ist bei verschiedenen Herstellern unterschiedlich schwierig. Die Hufe müssen gereinigt werden und es sind eventuell Hilfsmittel erforderlich. Manche Modelle sind nicht zum Springen oder für schnelles Reiten geeignet. Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des richtigen Schuhs ist die Passform. links: Delta Huf Boots reichen über den Kronrand, sind leicht anzuziehen, aber nur für kürzere Ritte geeignet. // rechts: Easy Boot sind die Hufschuhe, die sich für längliche Hufformen eignen. Sie können sehr lange am Huf bleiben.
Hiervon hängt es ab, ob der Schuh auch in extremen Situationen am Huf bleibt. Es gibt rundere oder ovalere Formen, offene oder geschlossene Sohlen. Für sehr lange Ritte eignen sich Schuhe, die unterhalb des Kronsaums enden, denn durch eindringenden Sand und Erde können sonst Scheuerstellen entstehen. Die Lebensdauer von Hufschuhen ist in der Regel sehr gut, abgelaufene Schuhe können neu besohlt werden. Beim Umstellen auf Hufschuhe muss eine Eingewöhnungszeit eingerechnet werden.
Wenn der Beschlag zum Pferd passt - dann ist alles richtig gelaufen.
Unsere Autorin
Anna Koch war von klein auf fasziniert von Pferden. Sie setzte ihre Leidenschaft im Beruf um. Zunächst beendete sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin, dann studierte sie Maschinenbau und legte die Meisterprüfung für Feinwerkmechaniker ab. Es folgte die lang ersehnte Ausbildung zur Hufschmiedin. Anna Koch ist seit 2002 selbstständig und ist privat glücklich mit ihren beiden Söhnen und ihrem Lebensgefährten. Mehr Infos finden Sie unter www.hufbeschlag.net.
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