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 Longieren

Was einfach aussieht, ist auch einfach?!

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von Ariane Prehn

85 % aller Reitpferde in Deutschland haben Probleme an der Wirbelsäule oder dem Becken. Es sei dahin gestellt, ob sie auch Schmerzen haben. Aber man sollte sich überlegen, wenn uns nach langer einseitiger Belastung der Rücken weh tut… ob es den Pferden anders geht?

Zeigen Pferde Schmerzen und übermäßige Empfindlichkeit im Rücken an, sollte man:
  • Den Sattel kontrollieren/stellen/polstern lassen
  • Selbst Sattellage und Gurtlage nach Hautirritationen und Fremdkörpern absuchen
  • Den Tierarzt/Physiotherapeuten zu Rate ziehen
  • Einen Trainingsplan ohne Belastung und Reizung des Rückens mit Hilfe eines Therapeuten erarbeiten und auch strengstens einhalten

Hier wird mit Ausbindern longiert.
Foto: fotolia.de / Bettina Kuß


Bringen der Sattler und seine Arbeit nicht den gewünschten Erfolg, da der Sattel bereits optimal am Rücken angepasst ist, können trotzdem Muskelverspannungen und gereizte Knochenhäute an der Wirbelsäule von zu einseitiger Arbeit eine Ursache sein. Lässt man also zusätzlich den Sattel für eine Weile weg, so befindet sich rein gar keinen Störfaktor in der Nähe der Wirbelsäule.


Ohne Sattel und Ausbinder kann auch nichts drücken.
Foto: fotolia.de / Fotografiesbg


Es gibt auch ohne Rückenbelastung des Pferdes die Möglichkeit, es sinnvoll und schonend, schmerzfrei und doch effektiv wieder aufzubauen. Die Rede ist von Dehnung nach der Aufwärmphase und gymnastizierender Arbeit an der Longe. Sinnvolle Longenarbeit und dazugehörige Stangenarbeit und Hilfsmittel sollen daher heute mein Thema sein.

Zuerst sollte jedoch beim Putzen der Druck aus der Hand genommen werden. Blütige Pferde zeigen mehr Reaktion auf die Reflexbögen in der Sattellage und der Kruppe als z.B. Kaltblüter. Sie neigen zu Zappeligkeit, Schnappen, drücken den Rücken weg und sehr empfindliche Pferde gehen sogar in die Knie. Von geschulten Therapeuten kann man sich auch zusätzlich noch lösende Massagegriffe zeigen lassen.


Das Pferd wehrt sich gegen das Longieren. Die Longe sollte auch niemals im Trensenring eingehakt werden!
Foto: fotolia.de / hosphotos


Zum Longierzubehör zählt man mit Varianten Folgendes: Hufglocken und Gamaschen für den Schutz der Pferdebeine, Longe (auch 8-10 m Schotseil aus dem Baumarkt für einen großen Zirkel), Longierbrille, Trense , Longiergurt, Ausbindung, Peitsche, 6-8 Pelonen, 4-6 Stangen, 2-4 Cavaletti…

Ohne Sattel entsteht kein Druck, doch auch die Longiergurte sollten gut gepolstert sein. Am besten eignen sich welche mit dicker Unterlage - ob in Form von speziellen Longierpads oder einer mehrfach gefalteten Decke. Ein Gurtpolster ist ein Muss bei gurtempfindlichen Pferden, damit der Beklemmungsstress und die Abwehrreaktionen aus der Angstsituation genommen werden. Langsames Angurten ist auch hier oberstes Gebot. Ein mittiger Ring zwischen den Vorderbeinen ist ideal. Dort kann ein Karabiner befestigt und ein Gogue oder andere Hilfszügel verschnallt werden.

Normale Longenarbeit besteht, wie auch das Reiten, aus drei Phasen: der Aufwärmphase, der Arbeits- und Abkühlungsphase.

In der 1. Phase, der Aufwärmphase, ist das Pferd nicht ausgebunden und kann sich frei bewegen. Meine Faustregel ist: Je älter das Pferd, desto länger die Aufwärmphase. Muskeln, Bänder, Sehnen und der gesamte Kreislauf kommen langsamer in Schwung, brauchen mehr Zeit, um sich zu erwärmen. Minimum sind sechs Minuten Schritt auf beiden Händen! Stoppen Sie einmal die Zeit…-Sie werden überrascht sein!

Bereits nach der Schrittarbeit können Sie einzelne Stangen zum Übertreten anbieten. Danach arbeiten Sie in Trabpassagen mit Stangen und kurze Galoppepisoden ohne Stangen in ständigem Handwechsel mit ein. Handwechsel sind zwar lästig, doch beugen sie Sehnenüberlastungen in zu engen Zirkelrunden vor, deshalb auch Kaltstarts unbedingt vermeiden, es verringert das Verletzungsrisiko.


Auch ohne Hilfszügel kann eine vorwärts/abwärts-Dehnung erfolgen.
Foto: fotolia.de / Conny Hagen


In der 2., der Arbeitsphase, ist Ihrer Phantasie keine Grenze gesetzt. Gestalten Sie die Arbeit abwechslungsreich: 3-6 Trabstangen (Abstände gehen nach Körpergröße des Pferdes, mittlerer Abstand etwa 1,20 m), Cavaletti unterschiedlicher Höhe, Trabstangen mit anschließenden kleinen Sprüngen, eine Gasse aus Pelonen... Kennen Sie die Reaktionen Ihres Pferdes, so sind in der Trab- und Galopparbeit ohne Sprünge Ausbindungen erlaubt. Aus physiotherapeutischer Sicht sind Stoßzügel und laufendes Gogue am sinnvollsten, denn sie erlauben einen Blick nach vorwärts/abwärts und behindern nur in eine Richtung, die wir bei guter Dehnungsarbeit sowieso nicht bevorzugen – nach oben. ( Lesen Sie hierzu meinen Artikel über Hilfszügel.)

Eine tiefe Kopfhaltung (Nüstern unterhalb des Buggelenkes) löst die Dehnung der Oberlinie aus. Die Bauchmuskeln spannen sich an, um den Rücken zu tragen. Bis zum 18. Brustwirbel sind die Wirbelfortsätze nach schweifwärts und die anschließenden Lendenwirbel nach kopfwärts gerichtet. Das heißt also, wenn der Kopf tief getragen wird, werden die ersten 18 Dornfortsätze über das Nacken- und Rückenband aufgerichtet. Aktiviert man die Hinterhand des Pferdes nicht, so ziehen sich auch die Lendenwirbel zusammen. Das Risiko von Kissing spines erhöht sich. Bei aktiver Hinterhand richten sich die Lendenwirbel auf. Daher also vorn tief, hinten aktiv!

Bei der gesamten Stangenarbeit gilt:
  • langsam beginnen, unerfahrene Pferde erst an eine Stange und einen Sprung dann nach und nach an mehr gewöhnen
  • Natürlich wird erst lang verschnallt, dann allmählich kürzer werdend – proportional zur Erwärmung und dem Ausbildungsstand des Pferdes
  • Die Trainingseinheiten dürfen für ungeübte Pferde nicht länger als 15 Minuten betragen (plus Aufwärm- u. Abkühlungsphase), maximal 3x wöchentlich.
  • Beim Springen wird natürlich nicht ausgebunden! Auch nicht, um die Basqulierung zu erhöhen!!!

Das Pferd ist viel zu tief eingestellt, das Genick ist nicht der höchste Punkt. Da ist longieren kontraproduktiv.
Foto: fotolia.de / SaLe


Fortgeschrittene Longenführer, die mit ihren Pferden auch bereits mit der Doppellonge Umgang und Erfahrung haben, können auch ins Gelände gehen. Das bietet Abwechslung und kleine Hügel oder Berghänge können bestens mit in die Longenarbeit einfließen. Besonders Hänge sind gut, um den Gegenspieler der Rückenmuskeln – die Bauchmuskeln – zu trainieren. Ohne Bauch gibt`s keinen Rücken. Haben Pferde im Alter schlaffere Bauchmuskeln, neigen sie zu einem Senkrücken.

Hier ein Beispiel:
Ist das Ziel die Stärkung der Bauchmuskulatur und Wiederaufbau der Rückenmuskeln, würde ich longieren an einer Schrägen vorschlagen. Folgende Abmessungen haben sich als ideal erwiesen: 15-20 m Zirkeldurchmesser, 1-1,50 m Höhenunterschied zwischen tiefer und hoher Seite des Zirkels, an der tiefsten Stelle 1-4 Stangen/Cavaletti, auf halber Strecke zum hohen Teil des Zirkels ein Kreuz mit ca. 50 cm Höhe (je nach Gewöhnung und Fortschritt des Pferdes).

Da die Pferde beim Bergaufgehen den Hals von allein nach vorwärts/abwärts strecken und beim Bergabgehen zum Gleichgewichtsausgleich etwas höher tragen müssen, ist der Einsatz eines Hilfszügels nicht von Nöten. Bergab arbeiten die Hüft- und Bauchmuskulatur fallverhindernd, sie bremsen das Körpergewicht vor der Beschleunigung ab. Der Rücken wölbt sich durch die vermehrte Hankenbeugung auf (Untersetzen unter den Schwerpunkt). Beim Bergaufgehen arbeiten die Kruppenmuskulatur und die Muskelstränge seitlich der Wirbelsäule konzentrisch, d.h. sie ziehen sich zusammen und gewähren so den Vorwärtsschub. Durch leichtes Erklimmen von Hängen, wird die tragende und schiebende Hinterhandmuskulatur also aufgebaut. Sind die Nüstern auf Höhe des Buggelenkes und tiefer, ist die Oberlinie zusätzlich leicht geöffnet. Die Dornfortsätze der Brustwirbelsäule entfernen sich von einander, der vordere Teil der Wirbelsäule wird gedehnt.

Pferde, die an die Arbeit mit unterschiedlich hohen Stangen gewöhnt sind, kann man in der Mitte des ansteigenden Teils des Zirkels ein Kreuz von 40-60 cm Höhe anbieten. Diese Übung findet verstärkt Anwendung bei Pferden mit schwachem Rücken, da sie auf diese Weise Vorwärtsschub und Tragkraft verbessern und wunderbar zu einseitige Belastung ausgleichen. Möchten Sie ohne großes Stangenschleppen im Gelände an einer Schrägen arbeiten, trotzdem Ihr Pferd optimal gymnastizieren und dehnen, kommt Ihnen der nächste Übungsaufbau vielleicht mehr entgegen.

Anfänglich ängstliche Pferde können Sie schräg und nicht 90° zum Berg hinab führen. Bereits nach kurzer Zeit erweisen sich auch die Ängstlichsten unter ihnen als wahre Bergziegen. Nach der Erwärmung (6 Minuten Schritt auf jeder Hand ohne Hilfszügel), beginnen Sie mit langsamem Trab unter einbeziehen der Hügel, die sich in Ihrem Gelände bieten. Achten Sie dabei auf einen gleichmäßigen, langsamen Takt. Nach 5 Minuten Trab auf jeder Hand, richten Sie Ihr Pferd im Schritt mit tiefem Hals rückwärts bergauf, etwa 10-15 Schritte. Nach mehreren Volten (5-10 auf jeder Hand) um Sie herum, kehren Sie auf den ursprünglichen Zirkel zurück. Lassen Sie nun Ihr Pferd mehrere Runden mit gesenktem Hals galoppieren. Ideal wäre ein Angaloppieren aus dem Schritt. Auch hier sind langsames Tempo, Ruhe und Ausgeglichenheit zu bevorzugen. Das Beibehalten des Taktes in ruhigem Tempo ist unerlässlich.


Hier kann nichts im Maul ziehen und zerren.
Foto: fotolia.de / Sven Cramer


Danach abermals Rückwärtsrichten und Volten in Ruhe und ohne Eile abfordern. Mit dem Rückwärtsrichten und den engen Volten wird die Bauchmuskulatur aktiviert und gestärkt. Die Beugefähigkeit und Biegung der Wirbelsäule wird erhöht. Schritt und Galopp sind die Grundgangarten, die am meisten Geschmeidigkeit und Beweglichkeit in der Wirbelsäule fordern, daher sollte man, bevor man auf ein Pferd mit schmerzendem Rücken steigt (egal ob Bänder, Muskeln, Knochen…) diese Faktoren erhöhen. Durch lockeres Führen, longieren, Volten drehen lassen gymnastiziert man die Beugung und Drehung der Wirbelsäule. Zusätzlich öffnen sich die Zwischenwirbelbereiche und die am Wirbel anliegenden Bänder werden gedehnt und „aufgeweckt“. 2-3 Minuten vor dem Aufsitzen werden später pro Hand genügen, um dem Pferderücken keinen „Kaltstart“ zuzumuten, der oft die Ursache für Probleme im Brustwirbel- und Lendenwirbelübergang ist. Ein weiterer Vorteil des vorherigen Führens ist das Loswerden des Stallunmutes.

Wenn Sie noch mehr Gutes für Ihr Pferd tun möchten, dann fragen Sie einen Physiotherapeuten Ihres Vertrauens nach speziellen Griffen zur Dehnung der Gliedmaßen und zum Aufwölben der Wirbelsäule im Brust- und Lendenwirbelbereich.

Bitte fangen Sie an und werden Sie aktiv!



Herzlichst
Ihre Human- und Pferde-Physiotherapeutin
Ariane Prehn

Meine Leistungen: einfache Gesundheits-Checks, Ankaufuntersuchungen, Manuelle Therapie z.B. Akupressur, Lymphdrainage, osteopathische Techniken, verschiedene Massagen, Physikalische Therapie z.B. Thermo-/Kryo-, Hydrotherapie, Trainingstherapie z.B.(Doppel-) Longentraining, Gelenkstabilisation, beschleunigte und verbesserte Heilung bei Sehnen- und Gelenksproblemen, Lockerung und Aufbau der Rückenmuskulatur, Wintertraining ohne Muskel- und Konditionsverlust.

Mein Schwerpunkt: Behandlung von Alltags- und Sportverletzungen in Deutschland und Europa, Turnierbegleitung

Kontakt: www.pferde-physiotherapeutin.de
Telefon: 0172 / 38 44 112

Hier finden Sie ein ausführliches Autorenporträt von Ariane Prehn!





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