
Bild: Kristian Jovi - Hare-Hill-ShireAutor: Kristian Jovi -
Hare Hill Shire Reiterhof
Wie schwer sollte ein Shire Horse oder Clydesdale sein, wie vom Futterzustand her aussehen ? Hier sind die Fakten:
Ein Pferd ist im
korrekten Futterzustand, wenn die Rippen gedeckt, aber bereits mit leichtem Druck zu fühlen sind. Eine 1 cm und mehr umfassende „Isolierschicht“ ist hier schon des Guten zuviel. Die Wirbelsäule muss glatt abgedeckt sein. Bildet sich auf dem Rücken eine Rinne, ist das Pferd bereits fett. Die Kruppe als Fortführung des Rückens darf nur bei Kaltblütern gespalten sein. Dies ist im Übrigen bei der Beurteilung des gewichtsbezogenen Futterzustandes die einzige für Kaltblüter geltende Ausnahme. Die Kruppe muss trotz des Spaltes aber fest bleiben. Ist sie weich und nachgiebig, so ist dies keine kaltbluttypische Bemuskelung, sondern ein Fettdepot, welches im Gang am Hin- und Herwabbeln der Kruppe zu erkennen ist.
Auf dem Hals darf kein Fettkamm vorhanden sein. Für Hengste gilt beim Halskamm eine Ausnahme. Diese können einen leichten Fettkamm als geschlechtsspezifisches Merkmal tragen. Ist dieser aber eine Hand breit und/oder wirft Falten, so hat man es bereits mit einem übergewichtigen Hengst zu tun.
(vgl. : Pferdegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW, "Eckdaten zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter gesundheitlichen Aspekten", 1998)
Viele werden jetzt meinen, dass das wohl so nicht stimmen könne,
schließlich sehen sehr viele Pferde doch so aus, wie es grade als übergewichtig beschrieben wurde. Sie haben halb Recht. Es ist zutreffend, dass in Deutschland weit über 50 % aller Pferde so aussehen. Das liegt aber schlicht daran, dass sie überfüttert, unterbeschäftigt oder beides und folglich leider übergewichtig bis fett sind.
Hier gibt es wunderschöne Bilder von Clydesdales
Ist ein Pferd fett, hat der Halter etwas falsch gemacht. Ein Pferd frisst soviel wie es nur kann und bewegt sich soviel wie es ihm haltungsbedingt möglich ist. Für das passende Maß ist ausschließlich der Halter verantwortlich. Legt ein Halter zuviel Futter vor und/oder verschafft seinem Pferd zuwenig Bewegung, dann schadet er diesem langfristig.
Übergewicht ist bei Menschen allgegenwärtig. Die vielen gesundheitlichen Folgeerscheinungen sind ein ernstes Problem unserer Gesellschaft. All die vielen Erkrankungen und Überbelastungen des menschlichen Körpers durch Übergewicht stellen sich entsprechend auch bei Pferden ein.
Zur Shire Hore Fotogalerie
Exemplarisch seien hier nur die abnehmende allgemeine Fitness, Stoffwechselprobleme und deutlich gesteigerter Verschleiss des Bewegungsapparates genannt. So bekommen oft schon junge Pferde Gelenkprobleme in Form von Arthrosen oder Verknöcherungen. Wenn dann als Erklärung folgt, dass sei halt typisch bei Kaltblutpferden, so muss or „Kaltblutpferden“ das Adjektiv "übergewichtigen" eingefügt werden, um eine annehmbare Regel zu formulieren. Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht, dass Kaltblüter ab 10 Jahren oft schon als alt gelten und entsprechende Werteinbußen erleben können. Rein rechnerisch zeigen schließlich weit über 50 % der Pferde Folgesymptome des Übergewichtes.
Im Zusammenhang mit dem Gewicht ist auch interessant zu betrachten, was es mit der Aussage auf sich hat, Kaltblüter wären reine Schrittpferde und Galopp wäre Gift für Ihre Gelenke. Zutreffend ist diese Aussage sicher für fette Kaltblüter, wenn auch schon der Schritt bei deutlichem Übergewicht zum Gift wird. Zutreffend ist die Schrittregel auch im schweren Zug, der richtig ausgeführt stets nur im Schritt erfolgen sollte.
Anders sieht es allerdings bei normalgewichtigen Kaltblütern im leichten Zug oder beim Reiten aus.
Sie können im leichten Zug auch gut und gerne traben. Unter dem Sattel können und wollen sie oft sogar galoppieren. Dem steht auch nicht entgegen, dass das Herzvolumen in Relation zur Körpermasse um ca. 10% unter dem warm- oder vollblütiger Pferde liegt. Allerdings verändert sich dieses Verhältnis durch Massenzunahme sehr nachteilig bei übergewichtigen Kaltblutpferden. So hat beispielsweise ein mit 700 kg normalgewichtiges Kaltblutpferd bei 100 kg Übergewicht bereits ein Herzvolumendefizit von 24 %. Allein deshalb sind schnellere Gangarten dann tatsächlich ein Problem.
Für die mögliche Leistung eines Kaltblutpferdes im Galopp ergibt sich aus den normalen 10 % Volumendefizit lediglich ein Abschlag, nicht aber ein Wegfall der Möglichkeit dieser Gangart per se.
Es ist wie beim Menschen; während sich der Dicke beim Rennen im Sport quält, kann es dem fitten Normalgewichtigen durchaus Freude bereiten.
Eine besondere Situation besteht bei den Shire Horses und Clydesdales im Hinblick auf den
Körperumfang. Sie wurden als Arbeitspferde gezüchtet und waren berühmt für ihre Zugkraft. Diese ergab sich aber nicht wie bei den meisten Kaltblutrassen aus der ausladenden Muskelmasse, sondern aus der physikalischen Hebelwirkung der auffallend langen Gliedmaßen. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb das Shire Horse und das Clydesdale die aufs Höhenwachstum bezogen größten Pferderassen der Welt wurden – lange Gliedmaßen ergeben ein großes Pferd.
Im Vergleich mit einem konventionellen Arbeitspferd wie z.B. dem Rheinisch Deutschen Kaltblut war das Shire Horse und auch das Clydesdale rassetypisch schwächer bemuskelt, aber eben wegen seiner lange Hebel formenden Gliedmaßen oft zugkräftiger. Es war und ist in Folge der geringeren Masse trotz seiner Größe und dank des Hebelprinzips eher leichter als vergleichbar zugstarke Kaltblüter und folglich für schnellere Gangarten entsprechend geeigneter.
Mit Wegfall der Pferdearbeit wandelte sich das Zuchtziel hin zum Showpferd. Die auffallende Größe der Pferde machte sich gut im Rampenlicht. Aber durch die showzuchtbedingt verringerte Arbeitseignung sowie die fehlende Arbeit mangelte es an Muskelmasse. Vielen Ausstellern entging aber nicht, dass ein fülliges Pferd mit viel Umfang mächtiger und so imposanter wirkte. Der durchschnittliche Betrachter unterscheidet Fett und Muskelmasse nicht und schließlich war es doch für Kaltblutpferde im Allgemeinen üblich kräftig auszusehen.
Also tauschten viele schlicht die Muskelmasse gegen Körperfülle und hatten so „imposante Riesenpferde“. Viele Halter gingen sogar soweit, die Pferde mit Steroiden und Ähnlichem für verstärkte Zunahme zu dopen. Rassetypisch ist weder für ein Shire Horse noch für ein Clydesdale Muskeln zu haben wie z.B. ein Belgier und obendrein noch fett zu sein.
Erfreulich ist, dass in den letzten Jahren das Doping schärfer überwacht wird und viele sich bei der Bewertung des Kalibers nicht mehr von fetten Pferden blenden lassen. Shire Horses und Clydesdales werden überwiegend als Freizeitpferde genutzt und es kommen auch durchaus normalgewichtig dastehende Pferde zu Komplimenten und Preisen. Dass diese auch fitter sind und weit jenseits der 10-Jahresmarke auf gesunden Beinen daherkommen, ist ein weiterer Grund zur Freude und zum Umdenken.