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 Gnadenhöfe für Pferde (1. Teil)

Was ist ein Gnadenhof und wie stirbt ein Pferd?

von Silke Schön


Unser Bericht besteht aus mehreren Teilen:

  • 2. Teil: Der Weg zum Gnadenhof und Verträge, die geschlossen werden können

  • 3. Teil: Wie wird ein Gnadenhof finanziert und Entscheidungen, die getroffen werden müssen

  • 4. Teil: Wo beginnt der Tierschutz?



Was ist ein Gnadenhof?


Es gibt keine exakte Definition für diesen Begriff. Er ist nicht rechtlich geschützt. Jeder kann also etwas anderes darunter verstehen. Die landläufige Meinung bezeichnet einen Gnadenhof als "eine Einrichtung, in der Haustiere, Wildtiere oder Nutztiere von Menschen für einen unbegrenzten Zeitraum versorgt werden. Im Gegensatz zu einem Tierheim vermittelt ein Gnadenhof aufgenommene Tiere nicht weiter, sondern versteht sich als endgültige Auffangstation. Gnadenhöfe dienen keinem kommerziellen Zweck. Ihrem Selbstverständnis liegen Tierschutz- oder Tierrechtspositionen zugrunde." (Quelle: Wikipedia).


Hier geht es mir gut.
Foto: © elen31 - Fotolia.com


Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. nimmt zu unserer Anfrage wie folgt Stellung:

"Eine Auskunft zu Anzahl und Typen von Gnadenhöfen können wir Ihnen leider nicht liefern, da dies nirgendwo zentral erfasst wird. Als Gnadenhöfe bezeichnen sich in der Regel Einrichtungen, die Tiere aufnehmen und nicht mehr weitervermitteln. Sehr häufig handelt sich bei den Tieren um Pferde, aber auch um andere Tiere, wie Schweine oder Ziegen. In selteneren Fällen sind es Hunde oder Katzen, die meist aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorschichte keine/kaum Vermittlungschancen haben. Diese Tiere leben dann i.d.R. bis zu ihrem Lebensende auf dem so genannten Gnadenhof.

Nach § 11 des Tierschutzgesetzes müssen solche Einrichtungen einen entsprechenden Sachkundenachweis haben. Damit soll gewährleistet sein, dass die Tiere sachkundig gehalten und versorgt werden.

Gut geführte Gnadenhöfe leisten einen Beitrag zum karitativen Tierschutz. Sie zeigen, dass jedes Tier einen Eigenwert als Individuum sein ganzes Leben lang besitzt. Sie stehen stellvertretend für die viele andere Tiere, die nicht das Glück hatten gerettet zu werden.

Beispiel Pferde:
Insbesondere unter den Pferden oder anderen Nutztieren findet man viele Tiere, die für den Schlachthof bestimmt waren. Gnadenhöfe kaufen diese Tiere ab um ihnen einerseits vielstündige Transporte zu ersparen und andererseits, weil sie das "Abschieben" der Tiere, weil der Besitzer keine Verwendung mehr für sie sieht, als ethisch nicht gerechtfertigt finden. Andere Pferde auf Gnadenhöfen sind beispielsweise aus tierschutzwidrigen Haltungen befreit worden."


Ein Gnadenhof kann also ein Platz sein, an dem alte und ausgediente Pferde das wohlverdiente friedliche Ende finden. Es gibt jedoch auch Menschen, die den Begriff "Gnadenhof" missbrauchen, um kostengünstig oder kostenlos an Pferde zu kommen. Sie verkaufen diese, u.U. mit gefälschten Papieren und medizinisch aufgepuscht, weiter. Das ist illegaler Pferdehandel.


Ich brauche Deine Hilfe, auch, wenn ich Dir nicht mehr dienen kann.
Foto: © philippe Devanne - Fotolia.com


Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass eine Einrichtung sowohl Gnadentiere hat als auch Tiere aufnimmt, um diese weiter zu vermitteln. Oft sind solche Einrichtungen Schnittstellen mit vielen Kontakten, sowohl zu ehemaligen Besitzern als auch Interessenten und auch anderen Tierheimen oder Gnadenhöfen. Voraussetzung sollte sein, dass bei Abgabe des Tieres sichergestellt ist, dass es in gute Hände kommt. Doch auch hier greift wieder die rechtliche Seite. Ist das Pferd in das Eigentum eines anderen übergegangen, hat dieser keine Auskunftspflicht mehr.

Moralisch gesehen ist es nachvollziehbar, wenn ehemalige Eigentümer wissen möchten, was mit ihren Pferden geschehen ist. VOR der Abgabe sollte sich jeder Pferdebesitzer fragen:

  • Möchte ich das Pferd behalten und komme weiterhin für alle Kosten auf, ändere also nur den Ort des Tieres?

  • Möchte ich das Pferd mit allen Rechten und Pflichten abgeben? Wenn ja, habe ich keinen Anspruch auf Information über den weiteren Werdegang des Pferdes. Ich habe jedoch auch keine finanziellen Verpflichtungen mehr.


Gibt ein Gnadenhof-Betreiber Infos über das Pferd an den ehemaligen Eigentümer weiter, ist dies also eher eine soziale Komponente. Verpflichtet ist er dazu nicht, nett ist es trotzdem! Denn auch, wenn ein Pferd vor dem Gesetz eine Sache ist - die Herzen vieler Pferdeliebhaber fühlen das anders. Es gibt auch Situationen, in denen man seine Meinung ändern muss (z.B. finanzieller Druck und die Notwendigkeit, das Pferd sofort abzugeben. Nach Entspannung der Situation möchte man das Pferd aber am liebsten zurück haben oder zumindest wissen, dass es ihm gut geht). Information kann bei persönlichen Besuchen passieren, über das Handy oder auch im Internet mit Bildern. Jedoch bewegt sich auch der Gnadenhof auf dünnem Eis, denn kommt er dieser sozialen Komponente nicht oder nicht ausreichend nach, kann er sehr schnell, vor allem im Internet, abgestempelt werden. Selbst, wenn rechtlich alles in Ordnung ist, leidet der Ruf und damit die Möglichkeit, weiteren Tieren zu helfen. Es kann sein, dass Spenden oder Einnahmequellen ausbleiben. Lückenlose Dokumentation dient der Transparenz und schafft Vertrauen. Sie kostet aber auch Zeit - Zeit, die den Tieren zugute kommen könnte.

Egal wie, aber gehen Sie den letzten Weg zusammen: einschläfern oder schlachten


Kaum jemand, der sich ein Pferd anschafft, denkt über die Zeit nach, in der das Pferd alt, krank und nicht mehr nutzbar ist, sondern im Gegenteil sehr hohe Kosten verschlingt.


Irgendwann sind gemeinsame Ausritte nicht mehr möglich. Doch was dann?
Foto: © Nadine Haase - Fotolia.com


Es ist ein unangenehmes Thema, das viele ausblenden. Wie stirbt ein Pferd eigentlich?

Einschläfern
Die Kosten dafür betragen ca. 300 €, je nach Arzt und Region. Danach muss der Pferdekörper vom Abdecker abgeholt werden, das kostet auch nochmal zwischen 20-50 €. Pferde dürfen in Deutschland nicht beerdigt werden. Die Entscheidung, WANN dies passiert, muss der Eigentümer treffen. Für viele Pferdehalter ist die Methode des Einschläferns in der Vorstellung angenehmer. Die Risiken sind gering, außer die Medikamente für die Narkose werden durch fehlerhafte Berechnung zu niedrig dosiert. Hier muss zum Beispiel das Gewicht geschätzt und der Gesundheitszustand und gegebenenfalls auch der Charakter betrachtet werden. Die Berechnung der korrekten Dosis ist wichtig, da es sonst zu sehr unschönen Szenen kommt, in denen das Pferd krampft, sich wieder hochrappelt, umfällt und Panik bekommt. Der dann entstehende Kampf mit dem Pferd kann dann unter Umständen 1-2 Stunden dauern, bis eine zweite Dosis gesetzt werden kann.


Um die richtige Dosis für die Medikation zu finden, sollte das Pferd vorher untersucht werden.
Foto: © Anita Zander - Fotolia.com


Schlachtung
Mit dem Bolzenschussgerät wird das Tier betäubt und ist dann hirntot, getötet (das Herz hört auf zu schlagen) wird es letztendlich durch Blutentzug. Dies geschieht entweder schon in einer mobilen Schlachtbox (das erspart dem Pferd den Weg zum Schlachthof) oder eben auf dem Schlachthof. Diese Methode sieht brutaler aus, weil viel Blut fließt. Auch hier können Fehler passieren. Auf dem Schlachthof wird der Körper dann beseitigt. Die Entscheidung, WANN dies passiert, muss der Eigentümer treffen. Was nachher mit dem Körper des Pferdes passiert, kann der Eigentümer selbst zu Lebzeiten des Pferdes festlegen. Er muss sein Pferd im Equidenpass als Schlachttier oder Nichtschlachttier kennzeichnen. Schlachttiere können zur Weiterverarbeitung genutzt werden, sofern alle Medikationen im Equidenpass/Bestandsbuch vermerkt sind.

Natürlicher Tod
Das Pferd stirbt eines natürlichen Todes. Der Zeitpunkt und die Umstände sind jedoch nicht kalkulierbar.

Für das Pferd ist es letztendlich egal - jede manuelle Methode, ordentlich ausgeführt, ist soweit ersichtlich nahezu schmerzfrei. Vermutlich angenehmer für fühlende Wesen, die in sozialen Strukturen leben (wie das Pferd), ist es, wenn die Tötung an einem vertrauten Ort geschieht mit Personen oder Tieren in der Nähe, die es lieben. Das nimmt die Angst. Viele Menschen, die ihre Pferde auf dem letzten Weg begleitet haben, berichten über friedliche Erlebnisse. Auch für die Bezugsperson ist ein persönliches Abschiednehmen wichtig.


Ich bleibe bei Dir bis zum Schluss. Diese Verpflichtung geht man ein, wenn man ein Pferd besitzt.
Foto: © JM Fotografie - Fotolia.com


Andere legale Möglichkeiten gibt es nicht. Jedes Pferd, egal, wem es gehört oder vom wem es gepflegt und geritten wird, wird einen dieser Wege gehen.




 

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