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 Gnadenhöfe für Pferde (2. Teil)

Der Weg zum Gnadenhof und Verträge, die geschlossen werden können

von Silke Schön


Unser Bericht besteht aus mehreren Teilen:

  • 1. Teil: Was ist ein Gnadenhof? Wie stirbt ein Pferd?

  • 3. Teil: Wie wird ein Gnadenhof finanziert und Entscheidungen, die getroffen werden müssen

  • 4. Teil: Wo beginnt der Tierschutz?



Der Weg zum Gnadenhof


Einige Pferdebesitzer geben ihr altes Pferd an einen Gnadenhof ab. Dafür gibt es vielfältige Gründe:

  • keine Bereitschaft mehr, sich um das alte Pferd zu kümmern

  • keine (finanziellen) Möglichkeiten mehr, das Pferd zu halten

  • der Wunsch, ein nutzbares Pferd zu haben, aber nicht zwei Pferde zu halten

  • keine Bereitschaft, sich mit dem Tod des Pferdes auseinanderzusetzen und eine Entscheidung über den Zeitpunkt zu treffen



Nicht jeder hat die Möglichkeiten, zwei Pferde durchzufüttern.
© SibylleMohn - Fotolia.com


In der Hoffnung, das unangenehme Thema Tod hinauszuschieben oder auch, dem Pferd noch einen schönen Lebensabend nach einem pflichtbewussten Leben zu ermöglichen, wird dann ein Gnadenhof gesucht.


Verträge


Es gibt viele Möglichkeiten, Verträge zu schließen: Kaufverträge, Schutzverträge, Überlassungsverträge. Stephan Pahl, Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Pferderecht (www.pferde-recht.de): "Es gibt nicht DEN „Schutzvertrag“. Das Gesetz kennt solch einen Vertrag nicht. Im Regelfall ist ein „Schutzvertrag“ ein typengemischter Vertrag, häufig mit Elementen eines Kaufvertrags, Verwahrvertrags, Dienstleistungsvertrags etc. Mindestbestandteile eines Kaufvertrags ist die Einigung von mind. 2 Rechtssubjekten darüber, dass eine Sache zu einem festgelegten Preis verkauft (und übereignet) werden soll. Wenn sich so etwas im „Schutzvertrag“ findet, hat der Vertrag zumindest insoweit kaufvertraglichen Inhalt. Darüber hinaus können sich die Parteien auch noch über fast alles einigen, was ihnen so auf dem Herzen liegt. Wenn die Parteien das so wollen, spricht nichts dagegen. Eine andere Sache ist es, ob man das überprüfen kann und welche Rechtsfolgen an den Verstoß geknüpft werden können."

Darüber sind sich viele Menschen in einer solchen Situation nicht bewusst. Grundsätzlich kann man also alles vertraglich vereinbaren, solange es nicht sittenwidrig ist. Doch gerade in so einem Moment, in dem man sein Pferd abgeben muss oder will, spielen Emotionen in das Handlungsgeschehen. Rechtsanwalt Stephan Pahl: "Rechtssichere Schutzverträge gibt es natürlich. Erforderlich sind nur klare Vereinbarungen mit klaren Vorgaben und klar definierten juristisch möglichen Rechtsfolgen. Das allerdings ist zumeist bei „Schutzverträgen“ nicht der Fall, da sie oft vor emotionalem Hintergrund von juristischen Laien entworfen oder „überarbeitet“ werden. Seriöse Gnadenhöfe werden bereit sein, alle vorformulierten Vertragsbedingungen auf den Prüfstand zu stellen, solange die Betriebsabläufe hierfür eine Möglichkeit lassen."

Egal, wie man die Verträge nennt, unterscheiden sie sich in den Eigentumsverhältnissen. Entweder bleibt der Eigentümer eben Eigentümer, und der Gnadenhof wird (nur) Tierhalter oder Tierhüter. Dann wird der Eigentümer in der Regel auch für die Haltungskosten aufkommen (müssen), kann aber weiterhin über das Pferd entscheiden. Der Gnadenhof bekommt für die Unterbringung des Pferdes eine Aufwandsentschädigung. Dabei handelt es sich dann eher um einen Einstell- oder Pensionsvertrag.

Die andere Möglichkeit: der Eigentümer verkauft und übereignet das Pferd an den Gnadenhof, der damit sämtliche Rechten und Pflichten übernimmt. Zusätze in den Schutzverträgen, an die sich der neue Eigentümer halten soll, sind rechtlich nicht haltbar, da das Eigentum übergegangen ist (beliebtes Beispiel: man kann einem neuen Autobesitzer ja auch nicht vorschreiben, was er in den Kofferraum packen darf). Wer sichergehen will, dass der Gnadenhof in bestimmter, verabredeter Weise mit dem Pferd verfährt, sollte dies in den Vertrag hineinschreiben und sich im Vertrag ein Rücktritts- oder Rückkaufrecht für den Fall gewähren lassen, dass der Gnadenhof gegen die Verabredung verstößt.


Ist das Eigentum am Pferd erstmal an jemand anderen übertragen, kann es schwierig sein, es zurück zu bekommen.
© franzgustincich - Fotolia.com


Im Internet gibt es zahlreiche Vertragsvorlagen. Nicht jede davon ist rechtlich einwandfrei.

Unsere Empfehlung ist daher: beide Seiten sollten einen Vertrag individuell prüfen, am besten mit einem Anwalt, und dann unterschreiben. Alles, was den Parteien wichtig erscheint, kann in den Vertrag aufgenommen werden. Vor der Unterschrift müssen sich nur beide Parteien darüber im Klaren sein, welche Konsequenzen oder rechtlichen Folgen der Vertrag haben kann und muss. Es ist für beide Seiten hilfreich, den Zustand des Pferdes und die Übergabe schriftlich oder fotografisch zu dokumentieren.

"Das Problem ist , dass gerade in diesem Bereich viele absolut unseriöse Betriebe arbeiten, die versuchen, mit Betrug und Tierquälerei Geld zu machen." so Stephan Pahl. Es kann also sein, dass man trotz rechtssicherem Vertrag und Dokumentation nichts in der Hand hat, weil der Vertrags-Gegenstand (das Pferd) eben verschwunden ist. Wenn es vereinbart wurde, kann Schadensersatz oder Schmerzensgeld eingeklagt werden. Je klarer und eindeutiger der Vertrag, desto leichter. Jedoch kann sich so eine Klage über lange Zeit hin ziehen. Nicht wenige scheuen, auch aufgrund des unsicheren Ausgangs, die Kosten. Zurück bleibt eine sehr schlechte Erfahrung und weiterhin die Unsicherheit, was ein Gnadenhof eigentlich ist und darf.



 

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