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 Gnadenhöfe für Pferde (3. Teil)

Wie wird ein Gnadenhof finanziert und Entscheidungen, die getroffen werden müssen

von Silke Schön

Unser Bericht besteht aus mehreren Teilen:

  • 1. Teil: Was ist ein Gnadenhof? Wie stirbt ein Pferd?

  • 2. Teil: Der Weg zum Gnadenhof und Verträge, die geschlossen werden können

  • 4. Teil: Wo beginnt der Tierschutz?


Wie wird ein Gnadenhof finanziert?


Es gibt Höfe, die über genügend finanzielle Mittel verfügen, die Unkosten zu decken. Die meisten Gnadenhöfe aber sind auf Spenden und ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Gerade auf Gnadenhöfen wird hochwertiges Futter, viel Platz zum Auslauf und regelmäßige medizinische Versorgung benötigt, denn viele Gnadenpferde sind alt und auch krank. Einige Gnadenhöfe sind Mischbetriebe. Sie setzen Nicht-Gnadenbrotpferde im Reitunterricht ein. Das ist eine Einnahmequelle. Reiner Idealismus ernährt kein Pferd, denn fast jedes Pferd muss für sein Futter arbeiten.


Auf jedem Hof mit Pferden fällt viel Arbeit an. Viele Kinder freuen sich, wenn sie mehr tun dürfen, als nur aufzusteigen und ein paar Runden zu drehen. Ob putzen, füttern oder spazieren gehen. Jede Hilfe zählt. Die Pferde freuen sich über die zusätzlichen Streicheleinheiten.
© thierryplouchard - Fotolia.com


Auch werden manchmal Patenschaften für Tiere angeboten. Ein Spender kann das Tier dann besuchen und pflegen oder wird nur über das Leben des Tieres informiert, je nach räumlicher Nähe und Wunsch.

Geld-Spenden sind erfahrungsgemäß eine unsichere Einnahmequelle. So hangeln sich viele Einrichtungen gerade in den Wintermonaten von Monat zu Monat. Nicht selten müssen dann geplante oder auch notwendige medizinische Eingriffe verschoben werden. Das meiste Geld kommt von Stammspendern, die sich von den Abläufen auf dem Hof überzeugt oder gute Erfahrungen gemacht haben. Durch Aufrufe im Internet, falls ein Notfall vorliegt, können auch Spenden gesammelt werden. Jedoch ist es für den Spender schwer zu unterscheiden, welcher Aufruf echt ist und welcher nur benutzt wird, um an Geld zu kommen. Außerdem gibt es Spendenportale oder Shoppingwunschlisten im Internet, mit denen Spender einfach und schnell, mittels Geld- oder Sachspenden, helfen können. Einige nützliche Infos zum Thema Spenden im Tierschutz finden Sie hier. Auch das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen) klärt über grundsätzliche Spendenmöglichkeiten und konkrete unseriöse Organisationen auf.

Gewinn machen die wenigsten Höfe dieser Art (wenn sie mit echter Tierschutz-Absicht geführt werden!). Und auch das Sterben eines Pferdes kostet eben Geld. Dieses Geld sollte bei Abgabe eines Pferdes noch vom ehemaligen Eigentümer entrichtet werden. Das ist fair gegenüber dem Pferd und dem Gnadenhof. Auf jeden Fall sollte im Vertrag die gewünschte Tötungsmethode festgelegt werden (sofern der Hof keine freiwilligen Richtlinien hat, mit denen man konform geht).

Einige Höfe gründen einen Verein. Das hat eine große Öffentlichkeitswirkung. Vereine wirken vertrauensvoll, ein Ehrenamt macht sich gut im Lebenslauf, außerdem dürfen Spendenbescheinigungen ausgestellt werden, die der Empfänger beim Finanzamt geltend machen kann (sofern dieser Verein vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt wurde). Doch ohne die Hilfe von vielen kann ein Gnadenhof nicht unterhalten werden. Es werden viel Zeit und viele Sachspenden benötigt, um alle Tiere gut versorgen zu können. Einige meinen, man sollte nur dann Tiere aufnehmen, wenn man sie auch ohne Spenden und Hilfe versorgen kann. Einigen Gnadenhof-Betreibern war dies bestimmt ein Anliegen. Doch was tun, wenn ein Notfall vor der Tür steht? Dem Tier helfen oder es seinem Schicksal überlassen, nur weil man zur Zeit "eigentlich" keinen Platz und auch zu wenig Geld hat? Aus dem Wunsch zu helfen kann so ein Unterfangen werden, bei dem der Gnadenhof schnell überfordert ist.


Tierschutzvereine und Gnadenhöfe müssen heutzutage nicht nur viel Ahnung von den Tieren haben. Ihr Marketing-Know-How entscheidet mit darüber, ob ihre Hilfe ankommt oder nicht. Viele Einrichtungen können nur mit Spenden ihren Betrieb aufrecht erhalten.
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Entscheidungen


Ist ein Pferd krank oder nicht mehr lebensfähig, muss manchmal schnell und vor allem im Sinne des Pferdes entschieden werden. Den Zeitpunkt für den Tod eines Pferdes zu finden, ist mit die schwerste Entscheidung, die Betreiber eines Gnadenhofes fällen müssen. Aber dieser Aufgabe haben sie sich verschrieben und sie nehmen sie ernst. Das Pferd wird gepflegt und gemocht, hat einen schönen Lebensabend, doch irgendwann kommt der Tag. Diese Entscheidung ist unpopulär, aber notwendig. Eine gewisse emotionale Distanz zu den Pferden ist ebenfalls notwendig, denn sonst kann ein Gnadenhofbetreiber den Anforderungen nicht standhalten. Zuviele Tierschutzfälle kommen ihm unter, zuviele Tiere, denen er helfen möchte, aber nicht immer kann. Betreiber eines Gnadenhofes können ihre Arbeit nur mit Leidenschaft für die Tiere ausüben, die Arbeit ist anstrengend und erfordert viele persönliche Entbehrungen. Entscheidungen werden dann auch, und das ist nicht verwerflich oder unmoralisch, unter einem finanziellen Gesichtspunkt getroffen. Die schwer zu beantwortende Frage kommt auf: investiere ich noch in die maximale Gesundheit dieses Tieres und nutze alle medizinischen Möglichkeiten? Oder nutze ich das vorhandene Geld, um anderen/noch mehr Tieren ein gutes Leben zu ermöglichen? Wer mag entscheiden, welches Tier leben darf und wie - und welches nicht? Bei Tieren darf und muss das jemand entscheiden. In dem Fall der Eigentümer, und das ist bei besagtem Thema meistens der Gnadenhof.


Jedes Tier hat einen schönen Lebensabend mit guter Versorgung verdient. Für viele Pferde und auch Menschen jedoch nur ein Wunschtraum.
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Und doch gibt es oft Streit darüber. Kein Wunder, denn die Fragen sind ethisch zu diskutieren und da gibt es keine eindeutige Regel, solange es sich im Rahmen des Tierschutzgesetzes (siehe TierSchG) bewegt. Gerade ehemalige Eigentümer geraten in Rage über die Entscheidung, wann ein Tier getötet wird. Das ist verständlich und nachfühlbar. Und genau dort ist der Gnadenhof angreifbar: hätte man nicht noch viel mehr tun können für das einzelne Tier? Warum ist es so und nicht so gestorben? Für das einzelne Tier mag das oft stimmen. Ein Gnadenhof muss und sollte aber alle Tiere im Blick haben. Dies gilt auch für alle medizinischen Fälle, die eintreten können.

Hier entbrennt jedoch auch wieder Streit. Ist es überhaupt legitim, sein Pferd an einen Dritten abzugeben, aus welchem Grund auch immer? Oder geht man nicht mit der Aufnahme eines Pferdes eine lebenslange Partnerschaft und Verpflichtung ein? Allein die Tatsache, dass es vernachlässigte Pferde und auch Gnadenhöfe gibt, zeigt an, dass Pferde nicht allein aus Tierliebe gehalten werden. Solange es Pferdesport gibt, wird es aber immer dazu kommen, dass Pferde "übrig" sind. Sollte es nun Auffangplätze geben, damit die Tiere vor Vernachlässigung geschützt sind (wenn ein Pferdebesitzer sich entschließt, sein Pferd nicht mehr haben zu wollen und es dann töten lässt, ist das zumindest eine klare, wenn auch zu diskutierende Entscheidung) - oder beginnt der Schutz der Pferde ganz woanders?

Wir merken, je mehr wir darüber diskutieren, recherchieren und nachfragen: das Thema Gnadenhöfe (oder auch "Wohin mit den alten Gäulen?") ist ethisch, moralisch, finanziell und rechtlich nicht eindeutig darzustellen.

 

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