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 Heilpädagogisches Begleiten mit dem Pferd (HBP) nach der Brossard-Methode

Warum Pferde wichtige Lehrer für die Menschen sind

von Silke Schön

Claudia Altmann ist psychotherapeutische Heilpraktikerin, Dozentin für Erwachsenenbildung, NLP-Practitioner und wendet aktiv die tiergestützte Heilpädagogik an. Sie ist eine von mehreren Therapeuten, die in HBP ausgebildet sind.

Die Begegnung von Mensch und Pferd kann auf vielen Ebenen stattfinden. Ob reiterlich, im Hochleistungssport, emotional oder therapeutisch. Im therapeutischen Bereich erfahren die Möglichkeiten, die Pferde bieten, immer größere Anerkennung. Gerade Kinder profitieren in hohem Maße davon. Der regelmäßige Umgang mit Pferden wirkt vor allem im emotional-geistigen wie auch sozialen Bereich auf die Menschen.


Eine Therapie mit Pferden ist für viele Bereiche förderlich. Die Motorik wird ebenso geschult. / Foto: Claudia Altmann

Kindern ist der Zugang zu ihrem Verstand lange Zeit nicht so möglich wie Erwachsenen. Sie spüren die Welt mit all ihren Sinnen: mit den Augen, mit den Ohren, mit den Händen und der Haut. Sie leben nur im Jetzt. Bei körperlich oder geistig beeinträchtigten Kindern sind die Sinneswahrnehmungen oft noch ausgeprägter. Jedoch können die Kinder damit nicht immer umgehen, es fehlen die Filterungsmöglichkeiten und die Erfahrung, das Erlebte einzuschätzen.


Versteckt, sicher und geborgen. Das wünscht sich jeder manchmal. Für Kinder ist dieses Gefühl ein absolutes Grundbedürfnis für eine gesunde Entwicklung. / Foto: Claudia Altmann

Doch auch Erwachsene sind mit der Vielzahl der Möglichkeiten in der heutigen schnellen Welt oft überfordert. Sie entwickeln Krankheiten wie Burn-Out oder andere psychosomatische Beschwerden.

Das heilpädagogische Begleiten mit dem Pferd (HBP) umschreibt die pädagogische, soziointegrative, psychologische und rehabilitative Einflussnahme mit Hilfe von Pferden. Sie ist damit für alle Menschen sehr gut geeignet, die sich hier wiederfinden:

  • psychosomatische Krankheitsbilder

  • drohende oder akute seelische Behinderung

  • geistige Behinderung

  • körperliche Behindung

  • Verhaltsauffälligkeiten

  • Veränderungswünsche in kritischen Lebensphasen oder neuen Lebensabschnitten

  • zur lösungsorientierten Kurzzeittherapie

  • soziale Wiedereingliederung in der Gesellschaft


Dieses erfahrene Therapiepferd nutzt das Vertrauen nicht aus. / Foto: Claudia Altmann

Für vielen kleine und große Menschen ist es schwierig bis unmöglich geworden, stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie haben nur wenig positive Erfahrungen gemacht, wie unterstützend, hilfreich, aber auch anstrengend eine Beziehung sein kann. Damit sind auch Beziehungen zu Freunden oder den Eltern gemeint. Geprägt von Ängsten oder unschönen Erinnerungen ziehen sich diese Menschen zurück und verlernen, Vertrauen zu genießen, fair zu kommunizieren und Liebe zu empfangen. Auch das Lesen von Körpersprache fällt immer schwerer. Ohne positive Kontakte und Unterstützung aus der Umwelt kann ein Mensch sein Leben kaum gesund meistern. Folgen können ein Verlust des Selbstwertgefühles ("Niemand mag mich."), Aggressivität oder tiefe Verzweiflung bis hin zur Depression sein.


Harmonie und Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd. Alles ist möglich. / Foto: Claudia Altmann

Darum sind Pferde perfekte Therapeuten


Das HBP bedient einen ganzheitlichen Ansatz. Claudia Altmann ist überzeugt: "Unabhängig von allen Diagnosen oder Symptomen ist der Mensch erstmal vollkommen in Ordnung und wird, von den Pferden und Therapeuten, auch so angenommen." Jede Symptomatik oder sogar Behinderung impliziert, dass jemand krank oder anders ist, was als sehr belastend empfunden wird. Das Selbstbild ändert sich zum Negativen.


Therapiepferd Phoebie legt ganz vorsichtig ihren Kopf auf die Schulter des Kindes. Was für eine schöne Erfahrung! / Foto: Claudia Altmann

Ziel von HBP ist es, dieses Selbstbild wieder ins Positive zu rücken. Beeindruckend für die Klienten ist dann das Zusammensein mit den großen, warmen und freundlichen Pferden jedes Mal. Viele positive, vielleicht nie gekannte oder vergessene Gefühle entstehen, vor allem zu sich selbst. Alle Reaktionen des eigenen Körpers können bewusst werden und mit etwas Übung kontrolliert werden. Da Pferde vor allem auf nonverbale Signale des Menschen achten, wird sich der Klient sicherer und setzt seine Signale gezielt ein. Als unheimlich entlastend empfinden die Klienten, dass Pferde weder auf Herkunft, persönliche Erlebnisse oder Aussehen achten. Pferde nehmen die Menschen, wie sie sind und sie reagieren auf die Menschen, wenn sich diese an die Pferdesprache anlehnen. Im Umgang mit Pferden erleben die Klienten Zuneigung und Vertrauen.


Auch die Pferde fühlen sich wohl. Sie wissen, dass ihnen nichts passiert. Das ist Vertrauen. / Foto: Claudia Altmann

Was kann man mit HBP erreichen?


Die eigene Individualität erkennen, mögliche Defizite ausgleichen, frühe emotionale Erfahrungen wiederholen: das alles ist möglich mit gezielter Pferde-Unterstützung.

Vertrauen, Ruhe und Geduld kann man mit dem Pferde-Partner üben. Die Grundlage der Arbeit ist der Beziehungsaufbau zwischen Klient und Pferd, der stets professionell aktiviert und unterstützt wird. Der Klient darf wieder Vertrauen und einen tragenden Bezug zu dem Pferd und damit zu sich aufbauen. "Das Finden und Erfahren der eigenen Mitte erzeugen Freude, Lebensmut und neue Energien." sagt Claudia Altmann. Das weiß sie aus langjähriger Erfahrung.


Begleitet durch Eltern und Therapeuten wird das Pferd wahrgenommen. / Foto: Claudia Altmann

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Vom Boden aus kann der Klient das Pferd putzen, führen, berühren und ansehen. Geführte Ritte können sitzend oder liegend ausgeführt werden. Ein wichtiger Aspekt besteht auch im Erleben der Pferde. Das Beobachten einer Pferdeherde mit ihrer Kommunikation und ihrer Dynamik hat eine große Wirkung.

In allen drei Bereichen helfen Meditationen, Phantasiereisen, Traumreisen auf dem Pferd oder im Heulager, mal mit und mal ohne Musik - aber immer im Beisein eines Pferdes.


Ich muss keine Angst haben! Eine wichtige Erfahrung. / Foto: Claudia Altmann

Diese und weitere Ziele können mit HBP angegangen werden:

  • Aufbau und Förderung sozialer Kompetenzen

  • Schulung des Wahrnehmungsvermögens

  • Förderung von Grob- und Feinmotorik

  • Körperkoordination

  • Erweiterung des Körperbewusstseins

  • Aufbau des Selbstbewusstseins, des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens

  • Ausbildung kooperativer Verhaltensstrukturen (Fair Play!)

  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit

  • Auflösung von Energieblockaden

  • Ausbalancieren von Verspannungen

  • Ermöglichen von innerem Loslassen, also Erholung, Seelenhygiene

  • Hinwendung zum Gefühlsbereich, Nähe erfahren und zulassen können

  • Raum geben zum Sein



Ab ins Heu! Ein Erlebnis mit Freunden, welches vorher vielleicht gar nicht möglich war. / Foto: Claudia Altmann

Wann ist das HBP kontraindiziert?


Dem Heilpädagogischen Begleiten mit dem Pferd sind jedoch auch Grenzen gesetzt. Individuelle Entscheidungen in Absprache mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten sind erforderlich, wenn der Klient unter folgenden Krankheiten leidet:

  • schwere Psychosen

  • schweren Traumatas

  • eigen- oder fremdgefährdendes Verhalten

  • schizoidem, unkontrollierbarem Verhalten

  • körperliche Einschränkungen (z.B. Tierhaarallergien, schwerer Heuallergie...)
  • bei Anfallsleiden (z.B. Tourette-Syndrom, Epileptische Anfälle...)



HBP ist bei jedem Wetter möglich. Ein Pferd im Schnee fühlt sich ganz anders an als im Stall. / Foto: Claudia Altmann

Wie soll ich das bezahlen?


Es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Förderung, damit kein Klient vom HBP ausgeschlossen bleiben muss.

Achtes Buch Sozialgesetzbuch - Kinder und Jugendhilfe:

Die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche nach § 35a SGB VIII

und

Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch (IX) - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen:

§ 55 Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft; 4.Satz: Die persönliche Entwicklung ganzheitlich zu fördern und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sowie eine möglichst selbständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Weitere mögliche Förderer können sein:


Ganz neue Horizonte öffnet eine pferdegestützte Therapie. / Foto: Claudia Altmann


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