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 Ich bin es leid! Das Pferde-Burn-Out

Trageerschöpfung: der neue Trend

Das beste Heilmittel: vorbeugen!


Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss man ganz vorne anfangen. Die Basis-Ausbildung von Pferd und Reiter ist grundlegend für den weiteren gesunden Lebensverlauf. Der international tätige und erfolgreiche Ausbilder und Reitlehrer Andreas Werft weiß: "Jedes Pferd, das unter einem Reiter gehen soll -völlig egal, ob Sport- oder “nur” Freizeitpferd- muss von Anfang an korrekt ausgebildet werden!" Denn nur eine richtig verstandene und vielseitige Ausbildung trägt zur Gesunderhaltung und Sicherheit von Reiter und Pferd bei. Wer ein junges Pferd selbst ausbilden möchte, sollte viel Zeit und Geduld mitbringen und auf keinen Fall auf die Unterstützung von Fachleuten wie z.B. einen Ausbilder verzichten. Gerade zu Beginn wird der Grundstein gelegt für Gesundheit, Bewegungsfreude, Rittigkeit und Erfolg.

"Es ist ein sehr langer, aber auch schöner Weg zu einem vertrauensvollen und leichtrittigem Reitpferd. Die Grundausbildung des jungen Pferdes hat zum Ziel, unseren Partner Pferd durch systematisches Training schonend, artgerecht sowie sinnvoll vorzubereiten , so dass eine sichere Grundlage für kommende Aufgaben geschaffen werden kann. " erklärt Andreas Werft. Die Aufgabe besteht darin, die natürlichen Anlagen des jungen Pferdes umfassend zu entwickeln. Ziel ist, dass das junge Pferd mit der ungewohnten Reiterlast im Rücken zu seinem natürlichen Bewegungsablauf zurückfindet und sich in einer Form und Haltung bewegt, die Ausgangspunkt für die volle Entwicklung seiner Leistungsfähigkeit ist. Je sorgfältiger die Gymnastizierung, Muskelbildung/Muskelaufbau, Lockerung des Rückens und das "durchlässig machen für die Hilfen" durchgeführt wird, desto gesünder bleibt das Pferd.


Ein Pferd in Dehnungshaltung und guter Balance. Es geht aufwärts, die Reiterin lässt die Dehnung und Aufwölbung des Rückens zu. Dieses Pferd trägt mit gesunden und starken Muskeln.
Bild: AK_Hevonen


Voraussetzung ist aber auch, das sich der Pferdebesitzer oder Ausbilder mit dem Körperbau, den Muskeln und letztendlich dem gesamten Bewegungsapparat beschäftigt. Noch mehr fordert Andreas Werft: "Besitzer und Ausbilder sollten den Körperbau sogar genauestens studieren, denn nur wenn ich genau weiß, welcher Muskel welche Funktion hat oder welches Gelenk wie aufgebaut ist, dann kann ich mein Pferd entsprechend antrainieren und ausbilden." Die Ausbildung des Pferdes unter dem Sattel richtet sich nach der Natur des Pferdes. Sie gibt die Schritte in der Reitausbildung vor. Der gute Ausbilder wird sie so logisch aufbauen, dass das Pferd sie verstehen und erfüllen kann, so das nicht nur das Endergebnis geprägt ist von einem harmonischen Miteinander von Pferd und Mensch, sondern auch der gemeinsame Weg von Reiter und Pferd von Anfang an.

Ist das Pferd schonend und pferdegerecht ausgebildet, wird es sich auch eher gegen rohe Behandlung durch einen Reiter wehren. Weiß der Reiter um die Sensibilität des Pferdes und die Wichtigkeit von theoretischem Wissen, wird er das Pferd sanfter und sorgfältiger reiten. Der Reiter wird sich auch nicht zu schade sein, immer wieder zur Basisarbeit zurück zu kehren. Er kann z.B. Longenstunden bei einem guten Reitlehrer nehmen, um einen unabhängigen und nicht klemmenden Sitz zu behalten. Er lässt bessere Reiter sein Pferd Korrektur reiten und lernt dabei. Er kennt die Stress-Symptome seine Pferdes und achtet darauf.


Was hilft gegen eine bereits eingetretene Trageerschöpfung?


In erster Linie müssen die Ursachen möglichst sofort abgestellt werden. Doch diese zu erkennen ist nicht einfach. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Trageerschöpfung ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Block von Symptomen, die je nach Auslöser und Typ des Pferdes auch unterschiedliche Folgen haben. Wie das Burn Out beim Menschen ist die Trageerschöpfung beim Pferd auch eine beliebte Diagnose, wenn man nicht so recht weiter weiß. Es gibt keine definierte Trageerschöpfung. Vermutet man diesen Zustand, sollte man unverzüglich aufhören, das Pferd zu reiten. Das Pferd ist in diesem Zustand nicht mehr in der Lage, den Reiter zu tragen.


Oft ist professionelle Hilfe beim Erkennen und "heilen" der Trageerschöpfung notwendig. Nicht jeder Trainer oder Gesundheitsspezialist weiß, was eine Trageerschöpfung ist und kann sie daher auch nicht diagnostizieren. Oft wird dann monatelang an den Einzelsymptomen gedoktort, dabei aber fleißig weiter trainiert. So kann keine Besserung eintreten. Andere Krankheiten müssen zunächst ausgeschlossen werden. Das Zusammenspiel folgender Experten verspricht Besserung:


Noch sehen beide zufrieden aus. Aber wer dauerhaft zu viel trägt, wird irgendwann krank.
Foto: © dannywilde - Fotolia.com


  • der Hufschmied kann die Hufe oder den Beschlag auf Korrektheit und Sinngehalt überprüfen

  • der Physiotherapeut und der Osteopath können Blockaden lösen, damit die Muskulatur wieder korrekt arbeiten und aufgebaut werden kann

  • der Homöopath kann im Rahmen eine Konstitutionstherapie auch auf die angeschlagene Psyche des Pferdes eingehen

  • mit Akupunktur können die Stress-Punkte gefunden und positiv stimuliert werden

  • der Tierarzt kann genau untersuchen, eventuell ein Blutbild machen

  • der Pferde-Zahnarzt kann Fehlstellungen oder Krankheiten der Zähne feststellen und behandeln

  • der Reitleher oder Trainer kann einen vorsichtigen, durchdachten Trainingsplan für die nächsten Monate aufstellen, sowohl für das Pferd (gute Auslastung, Muskelaufbau) als auch für den Reiter (Sitzfehler korrigieren)

  • der Futterexperte kann die beste Fütterung vorschlagen

  • der Sattlermeister überprüft die Ausrüstung auf optimale Passform

  • der Horseman bietet Kurse an, um das Pferd besser lesen zu können

  • der Buchhändler hält gute Bücher für den Reiter bereit, mit denen er sein Wissen stetig vermehren kann


Allen voran ist der Besitzer oder Reiter gefragt, sein Verhalten und die Haltungsform des Pferdes genau zu überprüfen. Er muss Verantwortung für das Leben des Pferdes übernehmen. Auch, wenn Unangenehmes dabei herauskommt, auch, wenn ein neuer Stall gefunden werden muss oder die Behandlungen Geld kosten. Im bisherigen Umgang mit dem Pferd ist einiges schief gegangen, sonst wäre die Trageerschöpfung nicht aufgetreten. Es dauert lange, bis alle Symptome im Griff oder sogar verschwunden sind. Hier sind viel Geduld mit dem Pferd und Pausen gefragt.


Ein trageerschöpftes Pferd kann wieder gesund werden und weiterhin der Freund und Partner sein, den man eigentlich haben möchte.
Foto: © Martinan - Fotolia.com


Der Besitzer muss sich vor allem klar darüber werden, was und wofür er ein Pferd möchte. Artgerechte Pferdehaltung ist unabhängig von der Nutzung und fundiertes, ausgebildetes Reiten sollte es ebenfalls sein. Trageerschöpfung resultiert also vor allem aus einer falschen Nutzung und dem Wunsch, das perfekte Pferd zu haben - ohne Kosten und ganz bequem. Doch so funktioniert das nicht mit dem sensiblen Lebewesen "Pferd"!


Über Marion Wiesmann


Marion Wiesmann ist seit vielen Jahren in der Ausbildung von Pferd und Reiter tätig. Sie ist FN-Ausbilderin und hat viele offene Reitkurse mit Philippe Karl besucht. Außerdem ist sie ausgebildete Pferde-Osteopathin. Auf der Suche nach der geeigneten Ausbildungsmethode, die vor allem das Pferd sinnvoll und mit Respekt ausbildet, ist sie auf die Methode der klassischen französischen Reitkunst gestoßen - die Légèreté. Kraft und Zwangsmittel kommen dabei nicht zum Einsatz.

Mehr Infos:
www.marion-wiesmann.de und in ihrem Blog www.marion-wiesmann.blogspot.de

Andere Mitwirkende bei diesem Artikel


Caroline Maschnitza, Tierheilpraxis Kiel:
tierheilpraxiskiel.de

Anja Ruröde, Ganzheitlich mobile Reitschule:
www.facebook.com/G.m.R.Anja.Ruroede

AK_Hevonen - Painted Dreams - Autistic Arts. Die Bilder werden von einer sehr begabten Autistin gemalt. Ihre Leidenschaft sind Tiere:
www.facebook.com/pages/AK_Hevonen-The-Autistic-Art-Of-Life/227543180616478

Andreas Werft, Ausbilder und Trainer:
www.reiterfoerderung.eu


Buchtipps


Tanja Richter beschreibt in ihrem Buch "Illusion Pferdeosteopathie" nicht, warum Osteopathie nicht funktioniert (wie man beim Buchtitel glauben könnte). Osteopathie wirkt, aber sie ist kein Allheilmittel. Sie ist ein Baustein eines ganzen Konzeptes. Auch die Trageerschöpfung ist ein Thema.


Auch das Buch "Die Pferde sind nicht das Problem" von Maren Diehl enthält fundiertes Wissen über Pferde und den verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. Der Reiter ist das Zünglein an der Waage, nicht der Therapeut. Maren Diehl veranstaltet auch Seminare zum Thema Trageerschöpfung ( http://seminarreihe-pferdeausbildung.blogspot.de/p/seminar-trageerschopfung.html).



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  • Die Psyche des Pferdes verstehen

  • 15 Fragen, die Sie sich bei Problemen in der Ausbildung stellen sollten


  • Dieser Artikel enthält folgende Kapitel:
    1. Braucht das Kind einen Namen?
    2. Die Symptome der Trageerschöpfung
    3. Das beste Heilmittel: vorbeugen!
     

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