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 Vorstellung der verschiedenen Gebiss-Varianten

Gebisse - die Qual der Wahl oder die Wahl der Qual?

Die Einwirkung des Gebisses ist immer in Form von Druck in unterschiedlicher Stärke und Dauer




Der Reiter hat es selbst in der Hand, wie fein sein Pferd ist. Da kommt es nur in zweiter Linie auf die Wahl des Gebisses an! / Bild: AK_Hevonen


Text und Fotos: Marion Wiesmann


In diesem Beitrag geht es um Gebisse, die wir für unsere Pferde zur Kontrolle, als Signalhilfe oder einige auch als Dauerhilfe mit nie oder wenig nachlassendem Druck verwenden. Auch eine Nutzungsmöglichkeit vieler ungeübter und unausbalancierter Reiter ist das Festhalten mittels der Zügel und des daran befindlichen Gebisses um sich auszubalancieren.

Die allgemeine Wirkung von Gebissen


Über die wirkliche Wirkung von Gebissen, direkt auf den Pferdekörper, wird in der Literatur zum Teil nur eingeschränkt eingegangen. Sie basieren meist auf Erfahrungswerten oder weitergegebenem Wissen anderer Reiter bzw. Autoren. Wissenschaftliche Studien liegen bis jetzt nur wenige vor. Diese zeigen zum Teil neue Erkenntnisse als das bisher Geschriebene. Aber auch hier gehen die Meinungen und Ergebnisse auseinander.

Das Gebiss ist über die seitlichen Backenstücke, die auf beiden Seiten des Pferdekopfes entlanglaufen, am Kopfstück befestigt. Es übt Druck auf verschiedene Stellen im Pferdemaul und über den Trensenzaum auch am Kopf des Pferdes aus. Über die angebrachten Zügel „steuern“ wir die Signale unserer Zügelhilfen. Die Einwirkung des Gebisses ist immer in Form von Druck in unterschiedlicher Stärke und Dauer. Dabei gilt: je feiner und kürzer, desto besser die Ausbildung von Pferd und Reiter. Eine kurzes und diskretes Signal muss das Ziel von Beginn der Ausbildung sein. Warum dem Pferd erst starke Signale und viel Druck beibringen? Das Pferd ist ein sensibles und aufmerksames Lebewesen, in dessen Maul diese Signale auch schon in extrem geringem Maße wahrgenommen werden. Das spätere Korrigieren der starken Signale gelingt den wenigsten Reitern. Vielmehr „gewöhnen“ sich mit der Zeit beide an die zu starken Zügelhilfen und es wird zum normalen Alltag.

Auf folgende Teile des Pferdemauls üben Gebisse Druck aus:

  • die Laden – die freien Bereiche zwischen den Schneide- und Backenzähnen

  • den Gaumen auf der unteren Seite des Oberkiefers

  • die Zunge – besonders auf den empfindlichen Zungenrand

  • die Lippen und Maulwinkel

Außerhalb des Pferdemauls erzeugen sie direkt oder indirekt Druck auf:

  • die seitliche Genickregion, in der die Backenstücke des Kopfstückes verlaufen

  • die Kinnfalte, in der der Sperrriemen verläuft

Auch wird über Teile des Kopfstückes, wie dem Reithalfter, noch an anderen Stellen des Pferdekopfes, z. B. dem Nasenrücken, unwillkürlich eingewirkt.

Genau diese Druckkräfte sind bei einer deutlichen bis starken Verbindung enorm und zum Teil brutal. Dies ist der Grund, weshalb in den Reitvorschriften nur eine ganz leichte und feine Verbindung gefordert wird. Die Realität sieht leider überwiegend anders aus. Die geforderte Kraft, mit der über die Zügel eingewirkt werden muss, darf nur wenige "Gramm" betragen. Eine Studie mit Berechnungen von Preuschoft (1990) ergab, dass, je nach Passform der Trense, auf die Zunge das 1,5 fache bis 4 fache der angewandten Zugkraft pro Zügel ankommen. Das ist schon erheblich. Bei Hebelgebissen kann das zu Frakturen oder Haarrissen im Kiefer führen. Auch die Zunge kann hierdurch erheblich verletzt werden. Die Zunge ist sehr empfindlich. Hier enden viele Nerven.

Wie passen Maul und Gebiss zusammen?


Die Größe und Passform des Gebisses ist enorm wichtig! Man kann dies mit passenden und nicht passenden Schuhen beim Menschen vergleichen. Jedes Pferd hat eine andere Maulform. Im Wesentlichen senden Gebisse direkte Signale an das Pferdemaul über Druck. Ein dünneres Gebiss übt mehr punktuellen Druck auf die Laden aus, während ein dickeres Gebiss den Druck auf die Laden etwas mehr verteilt. Eine Gebissstange übt mehr Druck auf die Zunge des Pferdes aus. Je fleischiger die Zunge dabei ist, desto mehr Druck wird von den Laden genommen und von der Zunge aufgefangen.

Bei der Größe des Gebisses sind hauptsächlich folgende Faktoren wichtig:

  • Breite des Pferdemauls – Länge des Gebiss

  • Länge der Maulspalte – Länge des Gebiss bei gebrochenen Gebissformen

  • Breite des Unterkiefer - bei doppelt gebrochenen Gebissen

  • Wulstigkeit von Zunge und Lippen – Dicke des Gebiss

  • Höhe der Gaumenkuppel (Unterseite des Oberkiefer)

  • Alter des Pferdes (je älter, desto flacher die Schneidezähne und dadurch flachere Maulhöhle) – bei Zungenfreiheit und Dicke des Gebisses zu beachten

Das Gebiss soll so im Pferdemaul liegen, dass:

  • die Hengstzähne nicht berührt werden - ACHTUNG: auch Stuten haben häufig kleine Hengstzähne!

  • weder Backen- noch Schneidezähne berührt werden

  • die Gebissringe die Maulwinkel frei lassen und nicht quetschen sowie keine Haare oder Haut einklemmen. Die Löcher, durch die die Gebissringe gleiten, dürfen nicht von Haut oder Haaren bedeckt sein und müssen auf beiden Seiten komplett sichtbar sein

  • die Gelenke bei doppelt gebrochenen Gebissen nicht auf den Unterkieferladen bei leicht einseitigem Zügelzug rubbeln. Fast jeder Reiter neigt allein schon durch seine Rechts- oder Linkshändigkeit zu etwas ungleichmäßiger Einwirkung.


Dieser Artikel enthält folgende Kapitel:
  1. Die Einwirkung des Gebisses ist immer in Form von Druck in unterschiedlicher Stärke und Dauer
  2. Die Wahl des richtigen Gebisses
  3. Hebelgebisse
  4. Die verschiedenen Gebissmaterialien mit Vor- und Nachteilen
  5. Einfluss der Zähne und Zusammenfassung
 

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