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 Task Force Vielseitigkeit nimmt erneut Fahrt auf

Erste Sicherheitsmaßnahmen wurden bereits ergriffen

Warendorf (fn-press). Den Vielseitigkeitssport sicherer machen, das hat sich die Task Force Vielseitigkeit unter der Leitung von DOKR-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler zur Aufgabe gemacht. Bereits im vergangenen Jahr gegründet, hat die Arbeit der Expertenrunde aus Reitern, Trainern, Veranstaltern, Geländeaufbauern, Human- und Veterinärmedizinern nach dem tödlichen Unfall in Luhmühlen eine neue Dringlichkeit erhalten. „Es ist allen klar, dass sich einiges ändern muss. Dazu müssen wir alles auf den Prüfstand stellen“, so Dr. Peiler. Einige Neuerungen wurden in diesem Jahr auf nationaler oder internationaler Ebene bereits eingeführt. So sind die ersten Reiter bereits nach Mitteilung des Weltreiterverbandes durch die FN informiert worden, dass ihre Qualifikation zurückgestuft wurde. „Wer zwei Mal nacheinander ausgeschieden ist, muss sich zunächst wieder für dieses Niveau empfehlen“, erklärt FN-Vielseitigkeitskoordinatorin Philine Ganders-Meyer. Bereits seit Jahren reicht dafür das reine Beenden einer Prüfung nicht aus. Als Qualifikation gewertet werden nur Prüfungen, bei denen in den drei Teilprüfungen Dressur, Geländeritt und Springen jeweils ein bestimmtes Ergebnis – insbesondere mit einer fehlerfreien Geländerunde – erreicht wurde.

Neben der Reverse Qualifikation wurde national eine Beobachtungsliste „Watch List“ eingeführt. Reiter, deren Vorstellung von den Richtern beziehungsweise vom Technischen Delegierten (TD) im Gelände als bedenklich eingestuft wurde, kommen auf diese Liste und stehen bei ihrem nächsten Start unter besonderer Beobachtung. In der Regel wird ihnen empfohlen, ein Geländetraining bei einem erfahrenen Trainer zu besuchen oder erst einmal in der nächstniedrigeren Klasse zu starten. „Hier handelt es sich um Grenzfälle, bei denen kein sofortiges Einschreiten in Form von Strafpunkten oder Ausschluss geboten ist, jedoch um Reiter, die man im Auge behalten möchte. Es kann sein, dass es sich nur um einen einmaligen Eindruck gehandelt hat, aber auch, dass der TD bei der nächsten Prüfung zum selben Ergebnis kommt. Dann werden gegebenenfalls weitere Maßnahmen veranlasst“, erklärt Ganders-Meyer.

Für mehr Sicherheit beim Geländeaufbau soll auch das seit diesem Jahr vorgeschriebene „Debriefing“ sorgen. Dazu organisiert der Technische Delegierte im Anschluss an die Geländeprüfung verpflichtend eine Feedback-Runde mit dem Parcourschef, den verantwortlichen Richtern und ein bis zwei erfahrenen Reitervertretern, um noch einmal den Geländeaufbau und den Prüfungsablauf zu reflektieren. „Im Nachhinein stellt sich manchmal heraus, dass sich ein Hindernis oder eine Streckenpassage anders reiten ließ als erwartet. Dann kann man dies ansprechen und fürs kommende Jahr bereits Veränderungen überlegen. Das geht unmittelbar nach der Prüfung am besten und nicht erst nach einem Jahr“, erklärt Philine Ganders-Meyer. Unabhängig davon sind die Reiter schon immer aufgefordert, auch vor der Prüfung etwaige Bedenken bezüglich der Geländestrecke zu äußern. „Diese Chance sollten sie auch nutzen“, fordert Ganders-Meyer. „International wird für jede Prüfung ein Reitersprecher bestimmt und auch national wird ihre Stimme gewünscht.“ Die besten Sicherheitsmaßnahmen sind nach wie vor die solide Ausbildung und körperliche Fitness von Reiter und Pferd, darin sind sich alle Experten einig. Unterstützend wirkt die passende Ausrüstung, an deren Weiterentwicklung ständig gearbeitet wird. Ein Arbeitskreis aus Humanmedizinern und Ausbildungsfachleuten hat in diesem Jahr die gängigen Helme und Proktektoren untersucht und Empfehlungen für die korrekte Anpassung herausgegeben. „Das wichtigste ist die korrekte Passform, sonst nützt das beste Equipement nichts.

Der Reiter sollte zum Beispiel in der Lage sein, sich mit seinem Rückenschutz abzurollen, einen ‚Purzelbaum‘ zu machen. Der Helm muss korrekt verschnallt sein, insbesondere sollte der Riemen kurz genug sein, um ein Verrutschen des Helmes auszuschließen.“, sagt Ganders-Meyer. Nach Luhmühlen wurde insbesondere die Forderung nach „abwerfbaren“ Hindernissen laut. Offiziell vom Weltreiterverband zugelassen und bereits in Gebrauch sind sogenannte Sicherheits-Pins oder dieschwedischen MIM-Clips, die sich allerdings nur für bestimmte Hindernistypen eignen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat daher begonnen, zusammen mit Technikern und Ingenieuren weitere Konzepte zu entwickeln. „Das alles wird aber Zeit brauchen. Einen Schnellschuss kann und wird kann es nicht geben. Jede Neuerung muss ausreichend getestet werden, um nicht neue Risiken hervorzurufen. Bei der Entwicklung spielt aber nicht nur die Technik eine Rolle. Es müssen auch die Psyche des Reiters und das Verhalten der Pferde berücksichtigt werden“, sagt Bundestrainer Rüdiger Schwarz, internationaler Parcourschef und Mitglied der Expertenrunde Geländeaufbau.

Unabhängig davon konnten die Verantwortlichen schon immer eingreifen, wenn ein Hindernis sich nicht so „verhält“, wie erwartet. So entschlossen sich Richter, Parcourschef und TD beim CHIO Aachen nach einem glimpflich verlaufenen Sturz einer irischen Reiterin an Hindernis 18, diesen Sprung aus der Prüfung zu nehmen.

Hb

Eine Übersicht über sämtliche Sicherheitsmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren in der Vielseitigkeit unternommen wurden, sind auf der FN-Homepage unter www.pferd-aktuell.de/vielseitigkeit zusammengefasst.
 

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