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 Chiropraktik, Osteopathie, Physiotherapie

Welcher Therapeut macht was?
Datum der Nachricht: 24.01.2015


Bild: Hand in Hand (oder Huf) für den besten Erfolg. / Foto: Alex Koch auf fotolia.de

Keine staatliche Regelung


von Tina Löffler

Vor kurzem haben wir im Kollegenkreis mal wieder über „den kleinen Unterschied“ gesprochen. Dabei ging es nicht um „Mann und Frau“ sondern um die Frage, wie sich Tierphysiotherapeut, Tierosteopath und Tierchiropraktiker voneinander abgrenzen bzw. auch ergänzen. Wir haben festgestellt, dass es Tierbesitzern sehr oft schwerfällt, sich im Dschungel der Begrifflichkeiten und Fachdisziplinen zurechtzufinden. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und kam zu folgendem Ergebnis:

Während im Humanbereich alles strengstens zum Wohle der Patienten geregelt ist, herrscht im Veterinärbereich leider nach wie vor weitestgehend Gesetzlosigkeit. Das heißt, es gibt keine staatliche Regelung dafür, wer therapeutische Maßnahmen an einem Tier durchführen darf und welche Ausbildung es dafür bedarf. Demnach gibt es auch keine Regelung für einheitliche Ausbildungsinhalte- und Prüfungsstandards. Ein Dilemma – denn streng genommen darf sich jeder Tierphysiotherapeut, -osteopath oder -chiropraktiker nennen, ohne dass er eine Ausbildung und/oder Prüfung dafür nachweisen muss.

Gemeinsam haben Tierphysiotherapie, -osteopathie und -chiropraktik, dass alle drei manuelle Heilmethoden sind, d. h. der Therapeut arbeitet mit seinen Händen. Bei allen drei Methoden steht die Gesunderhaltung der Tiere durch Erhalt und/oder Wiederherstellung der Beweglichkeit im Mittelpunkt der Therapie.

Aber nun zu den Unterschieden, bzw. unterschiedlichen Ansätzen der drei Fachdiszipline (in alphabetischer Reihenfolge):

Chiropraktik


Die moderne Chiropraktik hat ihre Ursprünge in den USA und wurde 1895 von Daniel D. Palmer begründet. Im Fokus der Chiropraktik steht das Nervensystem, bzw. das Verhältnis der Wirbelsäule zum Nervensystem.

Das Nervensystem ist das wichtigste Kontrollsystem des ganzen Körpers. Ohne Nervenfunktion kein Leben. Wir unterscheiden das zentrale und das periphere Nervensystem. Das zentrale Nervensystem befindet sich quasi in Form von Gehirn und Rückenmark geschützt in Schädel und Wirbelsäule. Das periphere Nervensystem beschreibt die Nerven, die durch so genannte Nervenaustrittslöcher aus den Wirbelkörpern austreten und den restlichen Körper, die Peripherie, mit nervalen Informationen versorgen.

Aufgrund der Lokation von zentralem und peripherem Nervensystem geht die Chiropraktik davon aus, dass kleinste Fehlstellungen und Blockaden von Wirbeln den Informationsfluss im Nervensystem verändern; die Informationen damit an den Ausführungsorganen „gestört“ ankommen. Muskeln, Bänder, Organe sowie Geist und Psyche können somit allesamt betroffen sein, wenn der Nerveninformationsfluss gestört ist.

Mit der chiropraktischen Rejustierung werden diese kleinsten Fehlstellungen gelöst und die Wirbelsäule wieder korrekt ausrichtet, so dass die Nerveninformationsfluss wieder ungehindert fließen kann. Der Körper ist dann wieder in der Lage, gestörte Funktionen zu harmonieren. Kurz übersetzt: Korrekte Information = korrekte Funktion.


Osteopathie


Die Ursprünge der Osteopathie sind dem amerikanischen Arzt Dr. Andrew T. Still zuzuschreiben. Still entdeckte 1874, dass der Verlust der Beweglichkeit zu Krankheit führt, was umgekehrt bedeutet, dass sich Störungen des Organismus durch die Behandlung des Bewegungsapparates beheben lassen. Wir sprechen heute von der parietalen Osteophatie (das Bindegewebe, die Muskulatur und die Gelenke betreffend) – einer von drei Bereichen der Osteopathie.

Ein weiterer Bereich ist die so genannte viszerale Osteopathie, die in die Betrachtung noch die inneren Organe und Eingeweide einbezieht. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit der so genannten Craniosacralen Therapie, die auf der Annahme beruht, dass sich die rhythmischen Pulsationen des Liquor (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit), die zwischen dem Schädel (Cranium) und dem Kreuzbein (Sacrum) fließt, auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen. Mithilfe von sehr einfühlsamen Handgriffen spürt der Therapeut diese Eigenbewegung und eventuelle Blockaden auf, hält sanft den Druck am Ende einer Bewegung und wartet, bis eine Entspannung, bzw. Lösung der Blockade eintritt. Die Stärke des Drucks kann man sich übrigens so vorstellen, als würde man versuchen, einen Schmetterling am Fortfliegen hindern zu wollen, ohne ihm die Flügel zu verletzen.


Mit minimalen Druckveränderungen erreicht der Osteopath große Wirkung. / Foto: Roland Grünewald auf fotolia.de

Zusammenfassend kann man sagen, dass Chiropraktik und Osteopathie beide alternative Heilverfahren und damit durchaus verwandte Verfahren sind. Im Kern der jeweiligen Behandlung steht nicht die Dysfunktion zu heilen, sondern die Selbstheilungskräfte des Körpers durch entsprechende Impulse zu aktivieren. Dies geschieht durch Lösen von Bewegungseinschränkungen. Die Chiropraktik hat dabei mehr den Fokus auf dem Nervensystem und arbeitet bei der Rejustierung mit lokalen Impulsen (kurze Hebel) auf das jeweilige Bewegungssegment. Die Osteopathie hat den Fokus auf Blut- und Liquor- und Lymphfluss und arbeitet, gerade in der strukturellen Osteopathie, mit langen Hebeln. Beide Techniken wirken manipulativ auf die Bewegungssegmente ein.

Dieser Artikel enthält folgende Kapitel:
  1. Keine staatliche Regelung
  2. Physiotherapie und Zusammenfassung
 
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