Kaposvar/HUN (fn-press). Vom 6. bis 12. August finden die Europameisterschaften und Junioren-Europameisterschaften Voltigieren im ungarischen Kaposvar statt. Unter der Leitung von Bundestrainerin Ulla Ramge (Warendorf) und Equipechefin Barbara Weckermann (Lüdinghausen) sowie Mannschaftstierarzt Dr. Arnold Hülsey (Wachtendonk) gehen folgende Einzelvoltigierer und Einzelvoltigierinnen und Teams an den Start:
EINZEL DAMENInes Jückstock (34) aus Hamburg: Sie zählt zu den erfahrensten Sportlern in der Voltigierszene und voltigiert bereits seit 30 Jahren. „Begonnen hat alles im Stall meines Onkels“, erinnert sich die Steuerfachangestellte an ihre Anfänge zurück. 1982 kam sie dann zum Reitverein Hoisbüttel, für den sie bis heute voltigiert. Zunächst sammelte Jückstock ihre Voltigiererfahrungen in einer Gruppe der zweithöchsten Leistungsklasse B, bis sie 1987 mit dieser Gruppe den Aufstieg in die höchste Leistungsklasse A schaffte. Ein Jahr später begann sie mit dem Einzelvoltigieren, wobei der erste große Erfolg, die Bronzemedaille 1995 bei der EM, sieben Jahre auf sich warten ließ. „Es ist deutlich schwerer, sich in Deutschland für ein Championat zu qualifizieren, als dort vorne platziert zu sein“, hebt Jückstock das hohe Leistungsniveau deutscher Voltigierer hervor. Vier Bronzemedaillen hat die 33-Jährige bei Welt- und Europameisterschaften bisher gewonnen. Das Jahr 2007 verlief für die Hamburgerin, die stets von Longenführerin und Schwester Ruth vorgestellt wird, mit vielen Top-Platzierungen bislang erfolgreich. Einem dritten Platz bei der Bundessichtung in Krumke, folgten auf dem Sichtungsweg ein fünfter Platz im tschechischen Brno und Platz sieben beim CHIO in Aachen. In Kaposvar geht Ines Jückstock mit Dallmers Little Foot und Longenführerin Ruth Jückstock (Hamburg) an den Start.
Sarah Starck (23) aus Köln. Sarah Sarck, hat im Alter von neun Jahren zum Voltigiersport gefunden. „Meine Schwester Judith hat damals Reitunterricht bekommen und ich bin zum Zuschauen mitgefahren. Im Anschluss an die Reitstunde habe ich noch beim Voltigieren zugeguckt und das hat mir so gut gefallen, dass ich damit angefangen habe.“ Die nötigen körperlichen Grundvoraussetzungen brachte sie schon mit, denn sie turnte bereits seit vielen Jahren im Verein. Die gebürtige Badenerin sammelte in Durlach bei Karlsruhe ihre ersten Voltigiererfahrungen und voltigierte anschließend in der A-Gruppe des VRV Mühlacker, mit der sie auch zweimal an Deutschen Meisterschaften teilnahm. „Nach der DM 2004 habe ich erst einmal mit dem Voltigieren aufgehört und bin unter anderem nach Los Angeles geflogen“, erläutert die 23-Jährige ihren weiteren Werdegang. Über das Studium in Köln fand sie 2005 zur Jugendreitergruppe Köln, wo sie wieder mit dem Voltigieren begann. Köln sollte in ihrer sportlichen Laufbahn auch nicht die letzte Station sein, denn mittlerweile wird sie von der mehrfachen Weltmeisterin Nadia Zülow in Neuss trainiert. „Ich kannte Nadia bereits von vielen Lehrgängen und die sportliche Zusammenarbeit hat sich dann irgendwann ergeben“. Mit Platz sieben bei der Bundessichtung in Krumke, Platz elf beim internationalen Turnier im tschechischen Brno und dem fünften Rang beim CHIO Aachen konnte sie sich für die Europameisterschaften in Ungarn empfehlen. In Kaposvar startet Sarah Starck mit Rubin´s Universe und Longenführerin Annika Speck (Neuss).
Nicola Ströh (25) aus Hamburg: Bereits auf ihrer Hompage
http://www.nicolastroeh.de fällt dem Besucher ein Foto mit einem Handstandmotiv von Nicola Ströh auf. Der Handstand ist das Markenzeichen auch in dem aktuellen Kürprogramm der Sportwissenschaftlerin. Ströh, die über Vater Klaus Ströh, selbst früher im Dressur- und Springsattel aktiv, zum Pferd gefúnden hat, zählt in Kaposvar zum engen Kreis der Medaillenanwärterinnen. Nachdem die vergangene Saison für Ströh durch Verletzungspech gekennzeichnet war – sie zog sich einen Kreuzbandriss im Knie zu – hat sie bereits mit der Bronzemedaille bei der WM in Aachen 2006, den Weg zurück an die Spitze gefunden. Die Weltmeisterin von 2004 wurde beim diesjährigen CHIO nachträglich mit der WM-Bronzemedaille 2006 ausgezeichnet. Die ursprüngliche Gewinnerin der Bronzemedaille, Sissi Jarz (Österreich), war durch die Internationale Reiterliche Vereinigung (Fédération Equestre Internationale, FEI) im Nachgang der WM disqualifiziert worden, weil eine Medikationskontrolle ihres Pferdes Escudo Fox Abbaustoffe des im Wettkampfs verbotenen Beruhigungsmittel Acepromazin enthalten hatte. In diesem Jahr hat Nicola Ströh bereits eine erfolgreiche Saison hinter sich: Sie gewann die Bundessichtung in Krumke und erzielte im tschechischen Brno und beim CHIO Aachen jeweils Platz zwei. Besser war bei den internationalen Voltigierturnieren nur Sissi Jarz, die im Kampf um EM-Gold wohl die stärkste Konkurrentin für Ströh ist. In Kaposvar startet Nicola Ströh mit Lanson und Longenführerin Jennifer Trampler (Hamburg).
EINZEL HERRENGero Meyer (28 ) aus Hildesheim. Zunächst über seine Mutter, selbst einst leidenschaftliche Reiterin, zum Pferdesport gekommen, begann er im Alter von sechs Jahren mit dem Voltigieren. Anfangs voltigierte er in der Cloppenburger Mannschaft, bevor er 15-jährig mit dem Einzelvoltigieren startete. Zwei Dinge bestimmen das Leben des Studenten. Auf der einen Seite ist das der Sport, auf der anderen Seite ist es die Faszination für Holz. Meyer absolvierte nach dem Abitur eine Tischlerlehre und studiert momentan Holzingenieurwesen in Hildesheim. Zwischendurch gönnte sich der Hobbyjäger eine mehrmonatige Auszeit in Neuseeland und finanzierte sein Auslandsaufenthalt mit dem Bau von Bootshäusern, natürlich aus Holz. „Ich habe mir bereits 1998 einen Reiserucksack gekauft, um mir irgendwann den Traum Neuseeland zu erfüllen.“ Der 28-Jährige gewann 1999 die Europameisterschaften sowie bei Weltmeisterschaften 2000, 2002 und im vergangenen Jahr dreimal die Silbermedaille. Nach einer Voltigierpause 2003 feierte er 2005 mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Italien erfolgreich seine Rückkehr in den Spitzensport. 2007 kann der Hildesheimer dritte Plätze bei der Bundessichtung in Krumke und beim CHIO Aachen vorweisen. Gero Meyer-Nutteln geht in Kaposvar mit Zeit für Robinson und Longenführerin Susanne Wahl (Kassel) an den Start.
Dennis Peiler (28 ) aus Hamm. Im Alter von acht Jahren machte der „Hammer“ seine ersten Voltigierübungen. „Mein Vater sagte damals, dass es in der Nähe ein Verein gebe, der Voltigieren anbiete. Meine Geschwister und ich probierten diesen Sport aus und sind bis heute dabei geblieben“, erinnert sich Peiler an die Anfänge zurück. Gemeinsam mit seinem Bruder Christian und seiner Schwester Jennifer voltigierte er unter der Leitung seines Vaters acht Jahre in der A-Gruppe. „Das war eine tolle Zeit“, schwärmt der 28-Jährige. Bei Familie Peiler dreht sich fast alles um den Voltigiersport. „Wir sind wahrscheinlich die einzige Familie in der Welt, die fünf Voltigierrichter in ihren Reihen hat“. Der Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Medien und Kommunikation arbeitet als Redakteur in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Während er 2006 nur als Reserve zu den Weltreiterspielen fahren durfte, hat er sich 2007 erstmals für ein Championat qualifiziert. Der Deutsche Meister von 1999 und Deutsche Vizemeister 2006 wurde in seiner Voltigierlaufbahn immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Auch in dieser Saison blieb er nicht verschont, denn eine schwere Sprungelenksverletzung zwang ihn zu Beginn des Jahres zu einer viermonatigen Pause. Dennis Peiler schaffte dennoch mit Platz fünf im tschechischen Brno und Platz vier in Aachen den Sprung ins deutsche EM-Team. In Kaposvar startet er mit Massimo und seiner Schwester Jennifer Peiler (Hamm) an der Longe.
Kai Vorberg (24) aus Köln. Er hat im Voltigiersport beinahe alles gewonnen und reist als amtierender Weltmeister nach Kaposvar. Sieben Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften, fünf Deutsche Meistertitel pflastern den Weg seines Erfolges. Über seine Mutter zum Voltigieren gekommen, wurde er 1992, als er zum Zuschauen zur DM nach Schutterwald mitreiste, mit dem Voltigiervirus infiziert. „Eigentlich wollte ich mir das Reiten anschauen, da ich leidenschaftlicher Reiter war“, erinnert er sich. „Voltigieren hat im Vergleich zu den anderen Pferdesportarten eine größere athletische Komponente. Die Kombination von Pferdesport und Bewegung, das hat mich fasziniert.“ 1992 war Kai Ersatzmann für die erste Mannschaft der Jugendreitergruppe Köln, 1994 schaffte er den Sprung in die Stammformation und nahm 1995 an seiner ersten Deutschen Meisterschaft in Balve teil. Der Doppelweltmeister war nach seinem Abitur und seinem Wehrdienst als Sportsoldat, der erste Voltigierer als Zeitsoldat. Der angehende Pferdewirt (Schwerpunkt Reiten) gibt auch 2007 den Ton an. Vorberg gewann in diesem Jahr alle Turniere, unter anderem die Bundessichtung in Krumke, das CVI im tschechischen Brno und das CHIO Aachen. Der Weg zum Europameistertitel geht über den 24-Jährigen, der in Kaposvar mit Picasso und Longenführerin Kirsten Graf (Bergisch-Gladbach) startet.
T E A M SVV Ingelsberg Seniorteam. Das gab es noch nie im Voltigieren, dass ein Verein mit zwei Teams an Europameisterschaften teilgenommen hat. Der VV Ingelsberg vertritt mit dem Junior- und Seniorteam die deutschen Farben in Ungarn. Nach der vergangenen Saison, als das bayerische Seniorteam für die WM im eigenen Land nicht nominiert wurde, ist es diesem Jahr wieder dabei. Der Doppelweltmeister von 2002 und 2004 sowie EM-Silbermedaillengewinner von 2005 möchte bei den Europameisterschaften ganz oben auf dem Siegerpodest stehen. Dafür hat sich die Gruppe um Longenführer und Trainer Alexander Hartl (Gauting) einiges einfallen lassen: Technisch und gestalterisch verbessert, greifen die Ingelsberger das Thema „Tanz der Vampire“ aus dem vergangenen Jahr wieder auf und transportieren das Musical auf das Pferd. Um auch Musical-Laien das Thema verständlich überzubringen, hat das Team eine Broschüre erstellt, in der Thema und Rollen der Voltigierer genau erklärt sind. Obwohl der Weltmeister 2006, der RSV Neuss-Grimlinghausen, bedingt durch Erkrankungen beim Pferd und Verletzungen bei den Voltigierern am EM-Sichtungsweg nicht teilnehmen konnten, mussten die Ingelsberger um die Nominierung kämpfen. Nachdem sie bei der Bundessichtung in Krumke noch dem Team Wintermühle der JRG Köln unterlegen waren, konnten sie beim internationalen Voltigierturnier im österreichischen Stadl Paura, vor allem durch die Pflicht, punkten und mit dem Sieg das EM-Ticket lösen. In Kaposvar geht das Seniorteam mit Adlon und Longenführer Alexander Hartl an den Start.
VV Ingelsberg Juniorteam. Das ist für Longenführer und Trainer Alexander Hartl eine neue Situation. Der Erfolgstrainer aus Ingelsberg muss beim Championat im ungarischen Kaposvar gleich zwei Teams vorstellen. „Die Nominierung mit dem Juniorteam hatten wir ursprünglich gar nicht auf dem Plan. Die Konzentration galt überwiegend dem Seniorteam“, so Hartl. Mit insgesamt 14 Voltigierern – jeweils sieben pro Team – reisen die Ingelsberger mit dem größten Aufgebot in der deutschen Equipe zu den Europameisterschaften. Das Ticket nach Kaposvar lösten die Ingelsberger Junioren beim Nachwuchschampionat in Norderstedt, der wichtigsten bundesweiten Veranstaltung für Teams mit Mitgliedern im Alter von 16 Jahren und jünger. Hier lieferte sich das Ingelsberger Juniorteam einen packenden Wettstreit mit den Junioren des TPZ Peiler aus Hamm. Vor allem mit einer guten Pflicht und hohen Bewertungen für das Pferd Adlon wussten die Bayern in Norderstedt zu überzeugen, sicherten sich erstmals den Titel beim Nachwuchschampionat und wurden mit der Nominierung für die Europameisterschaften belohnt. In Kaposvar geht das Juniorteam mit Arador und Longenführer Alexander Hartl an den Start.