Sitzschulung & Bewegungslernen für Reiter

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Sitzschulung & Bewegungslernen für Reiter

Beitragvon Silke » 29.09.2007 10:01

Am Mittwoch, den 19. September 2007 konnten knapp 30 Teilnehmer auf der Reitanlage „Buocher Höhe“ in Remshalden einen sehr interessanten und informativen Vortrag zum Thema „Bewegt Euch, Ihr Reiter!“ von Isabelle von Neumann – Cosel erleben. Isabelle von Neumann – Cosel ist Journalistin, Buchautorin, aktive Reiterin, Amateurausbilderin und Richterin. Sie interessiert sich seit vielen Jahren für die Basisausbildung von Pferd und Reiter. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Themen „Unterrichtserteilung“ und „Sitzschulung“.

"Fehlergucken können wir alle besonders gut!“


Mit diesen Worten beginnt Isabelle von Neumann – Cosel ihren Vortrag zum Thema Sitzschulung und Bewegungslernen. Für das Erlernen von Bewegungen gibt es allgemeine Grundlagen, die sportwissenschaftlich belegt sind - und gegen die im Reitunterricht landauf, landab eklatant verstoßen wird. Das grösste Missverständnis ist das Idealbild eines Sitzes, das durch starre Linien (etwa die Geraden Ohr-Schulter-Hüfte-Knöchel oder Ellbogen-Hand-Pferdemaul) und festgelegte Positionen einzelner Körperteile (Der Absatz ist der tiefste Punkt des Reiters) gekennzeichnet ist. Isabelle von Neumann - Cosel möchte sensibilisieren und aufzeigen, wie wichtig die positive Verstärkung bei der Vermittlung von Lerninhalten ist und wie wenig sinnvoll die Korrektur einer Lektion durch einen Abgleich mit dem Idealbild ist: Jede Abweichung gilt als so genannter Sitzfehler. Allerdings ist das Aufzeigen von Fehlern ein denkbar ungeeigneter Weg, um Bewegung zu lernen und zu lehren.

„Reiten kann man tatsächlich lernen!“,

es benötigt „nur“ eines gut ausgeprägten Gleichgewichtssinns. Balance bedeutet, sich richtig zu bewegen – nicht, sich nicht zu bewegen! Diese Aussagen zeigen, dass die Balance und die Stabilität des Oberkörpers das „A“ und „O“ beim Erlernen des Reitsports sind!

„Reiten ist nicht besonders schwierig, solange man nichts davon versteht.“
(Udo Bürger)


Die Vorstellung über das „Reitenlernen“ relativiert sich über die Zeit: Zu Beginn sind Reitanfänger der Meinung, dass der Reitsport eine (schnell) zu erlernende Sportart wäre. Im Laufe der Zeit wird man jedoch feststellen, dass der Vorgang des Reitenlernens nie abgeschlossen sein wird. Durch die Zusammenarbeit von Mensch und Pferd ergeben sich tagtäglich neue Herausforderungen, die im Zweifel mit dem bisherigen Wissen oder den bisher erlernten Fähigkeiten nicht zu lösen sind.

Ein weiterer Aspekt des Vortrags von Isabelle von Neumann – Cosel ist der eher statische Sitz, der in der klassischen Reitlehre vermittelt wird. Sobald der Reitersitz im Rahmen der Bewegung mit dem Pferd umgesetzt werden soll, ergeben sich häufig Koordinationsschwierigkeiten. Vernachlässigt wird hierbei jedoch recht häufig, dass der Reiter auch einen „Platz zum Sitzen“ finden muss, besser noch, dass das Pferd dem Reiter diesen förmlich anbieten sollte. Kommt der Reiter nicht zum Sitzen – bspw. aufgrund extrem schwungvoller Bewegungen – dann kann auch der motivierteste und fähigste Reiter keinen harmonischen Ritt zeigen.

Ein statischer Sitz in möglichst stiller Haltung bewirkt eine beständige Muskelanspannung. Wie ermüdend die Aufrechterhaltung einer solchen Sitzposition ist, ist leicht nachvollziehbar. Ein Wechsel von Muskelan- und –entspannung erleichtert hingegen die Einhaltung einer Grundposition. Die Durchführung grosser Bewegungen erleichtert das Bewegungslernen ebenfalls. Durch die zunehmende Anzahl an Übungen verfeinert sich die jeweilige Bewegung automatisch.

Die kognitive Beteiligung des Gehirns an den Bewegungsabläufen ist stärker als bisher angenommen. D.h. das Unterbewusstsein speichert den Ablauf einer Bewegung, die wir unbewusst und reflexartig bei Bedarf abfragen. Dies verdeutlicht auch, warum die Vorstellung über den korrekten Ablauf einer Bewegung zu besserem Reiten führen kann – mentales Training ist also ein weiterer wichtiger Aspekt für das Erlernen des korrekten Bewegungsmusters.

Aber auch die sog. „Bewegungserfahrung“ ist ein zwingend erforderlicher Baustein im Konzept des Bewegungslernens. Nicht ohne Grund wird der altbewährte Spruch so häufig strapaziert, dass ein junger bzw. unerfahrener Reiter auf ein erfahrenes Pferd gehört. Nur ein gut ausgebildetes Pferd vermittelt die Bewegungserfahrung in Form korrekter Lektionen und Übungen. Aber nicht nur junge Reiter verfügen über weniger Reiterfahrung, auch Spät- oder Wiedereinsteiger zeigen Defizite in der Bewegungserfahrung. Bewegungen zu automatisieren ist jedoch kein Problem des Alters des betreffenden Reiters, sondern nur eine Frage der erforderlichen Wiederholungsfrequenz, mit der die Übungen durchgeführt werden. Hier sind bei Bedarf mehrere Wiederholungen nötig, wo junge Reiter wenige Übungseinheiten bedürfen. Die positive Verstärkung erleichtert hierbei die Vermittlung von Lerninhalten.

Darüber hinaus gilt: Kein Körper ist genau wie der andere, und jede Bewegung ist individuell geprägt – auch der Sitz des Reiters. Das einzigartige Bewegungssystem eines jeden Reiters gilt es zu verstehen, um sinnvolle Anleitungen zur Verbesserung zu geben.

Mehr Infos:
Kontakt: Anke Klabunde • Hauffstr. 36 • 71093 Weil im Schönbuch
Tel.: 07031/46 64 81 • mobil: 0177 268 39 51
info@seminarreiter.dehttp://www.seminarreiter.de


Was haltet Ihr davon?
Ich persönlich finde, dass ich völlig falsch reiten gelernt hab. Es war halt alte Schule, mit Gebrüll, ohne Erklärungen und Hauptsache, die Ecken wurden ausgeritten. :roll: Ich habe nun einen miserablen Sitz, knicke häufig in der Hüfte ein und habe nicht gelernt, auf die Bewegungen des Pferdes zu achten, weil ich ständig auf meine Hände, Absätze oder sonstwas achte. :roll:

Ich glaub, wenn ich wieder regelmäßig reiten sollte, werde ich erstmal eine gute Sitzschule machen, an der Longe. Jawoll.

LG, Silke
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