Osteopathische Läsionen - Einfluss auf Bewegungsablauf und Gesundheit des Pferdes Am 17. Oktober 2007 wurden die Teilnehmer des Vortrags zum Thema „Osteopathische Läsionen – Einfluss auf Bewegungsablauf und Gesundheit des Pferdes am Beispiel der Vorhand“ umfassend über die Entstehung von Blockaden, die „Problemzone Vorhand“ und über die Biomechanik bzw. Anatomie beim Pferd aufgeklärt. Dieser Vortrag war Bestandteil der Veranstaltungsreihe „Thementag!“, die regelmässig jeden dritten Mittwoch im Monat auf der Reitanlage Buocher Höhe in Remshalden bei Stuttgart stattfindet.
Michaela Wieland ist Physio- und Manualtherapeutin in der Humanmedizin. 2005 beendete sie eine zweijährige Weiterbildung am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) zur Pferdeosteo- und –physiotherapeutin FN. Seit zwei Jahren hat sie sich ausschliesslich auf die Behandlung von Pferden spezialisiert. Michaela Wieland ist aktive Reiterin mit dem Schwerpunkt Dressur. Verspannungen und Verkürzungen der Muskulatur sowie Gelenkblockaden können Folgen für den Bewegungsablauf und die Gesundheit des Pferdes haben. Michaela Wieland erklärte in ihrem Vortrag am Beispiel der Vorhand, welche Läsionen häufig vorkommen, wie sie entstehen und welche Auswirkungen sie auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des betroffenen Pferdes haben.
Läsionen gehen immer mit Bewegungsverlusten einher. Läsionen aufgrund von Muskelverspannungen, -verkürzungen und Gelenkblockaden sind – da bspw. auf Röntgenbildern nicht erkennbar – nur durch andere diagnostische Massnahmen zu lokalisieren – bspw. der Therapeutenhand in der Osteopathie.
Blockaden können entstehen durch die Erhöhung des Tonus’ zum Schutz der verletzten Gliedmasse, durch Stress aufgrund vermehrter Hormonausschüttung und/oder Muskelverkrampfung oder auch durch mechanische Einwirkung, wie bspw. Festliegen, Sturz oder die falsche Anwendung von Hilfszügeln.
Ein schmerzhafter KreislaufVerspannungen führen im Regelfall zu (erhöhten) Schmerzen, welche nachvollziehbar das Wohlbefinden des Pferdes schmälern und damit die Leistungsbereitschaft reduzieren. In der Folge kann die Durchlässigkeit des Pferdes abnehmen und – durch die Muskelanspannung – ein Sauerstoffmangel auftreten. Eine Fehlbelastung der betroffenen oder auch benachbarten Gelenke als Ausweichreaktion auf die Verspannung sind ebenfalls zu beobachten. In schwerwiegenden Fällen ist neben dem Bewegungsverlust eine Einschränkung der Organfunktionen durch die Beeinträchtigung der Nervenbahnen durchaus keine Seltenheit.
Eine Korrektur dieser Blockaden im Rahmen der Osteopathie kann durch sanfte Mobilisation und/oder Manipulation erfolgen, aber auch durch Muskeldehnung.
Besondere Problemzonen der VorhandDas Hinterhaupt des Pferdes stellt eine sehr sensible Körperregion dar. Verletzungen dieser Problemzone können bspw. durch ein Aufhängen im Halfter, ein zu enges Halfter oder Genickstück oder ein zu enges Stirnband der Trense verursacht werden. Aber auch das Anschlagen des Kopfes, Störungen im Kiefer oder die Führung der Longe über das Genick des Pferdes können ursächlich für eine Läsion am Hinterhaupt sein.
Mögliche Folgen können sein: Das Pferd geht schlecht „durch’s Genick“, die Rückenlinie ist verspannt, es lässt sich nur (noch) schwer trensen und reagiert auf taktile Reize im Genick sensibel. Auch hier sind bereits Störungen im Organbereich denkbar – die sich bspw. durch unvorhergesehene Reaktionen des Pferdes äussern -, da Nerven vom Genick in verschiedene Bereiche des Pferderumpfes führen.
Eine falsche Beizäumung, aber auch eine falsche Aufrichtung oder das Reiten hinter der Senkrechten können die obere Halswirbelsäule beeinflussen. Dies kann sich u.a. äussern durch schwankende Bewegungen oder Kopfschlagen (gestörte Kiefermechanik). Evtl. ist auch das Biegen und Stellen des Pferdes nach rechts oder links nur eingeschränkt oder schlecht möglich.
Die untere Halswirbelsäule kann durch eine schlechte Hufstellung oder ein Reiten auf der Vorhand negativ beeinflusst werden. Die Folgen sind mögliche Verspannungen der Unterhalsmuskulatur (im Brustbereich). Dies kann aber auch durch den falschen Einsatz von Hilfszügeln und ein „zu eng machen“ im Hals, der sog. „Rollkur“ verursacht werden.
Wird bei einem Pferd Kurzatmigkeit, ein Leistungsabfall in der Ausdauerbelastung oder auch Rückenverspannungen festgestellt, ist auch eine Verletzung der fünften bis siebten Halswirbel denkbar. Als Folge sind bspw. Taubheit im Vorderbein, ein „Hängebein“ über dem Sprung oder auch Taktunreinheiten zu beobachten.
Bei einem empfindlichen Widerrist ist vor allem der Sattel auf Passgenauigkeit zu überprüfen. Aber auch ein Longiergurt kann Druckstellen und Verspannungen am Widerrist verursachen. Sog. „aufgekröpfte“ Pferde zeigen ebenfalls häufig Verspannungen im Widerristbereich. Früher häufig in den Pferdeställen zu sehen, heute glücklicherweise nur noch selten, sind die hoch an der Wand montierten Heuraufen. Auch diese Art der Futteraufnahme kann zu Schmerzen im Widerristbereich führen. Die Folge dieser Verletzungsart: Ein Aufwölben des Rückens ist schlicht nicht möglich, das Pferd kann aufgrund der Schmerzhaftigkeit nicht über den Rücken gehen.
Diese und weitere Themen waren Inhalt des Vortrags von Michaela Wieland. Der Vortrag wird voraussichtlich im nächsten Jahr auf der Reitanlage des Ausbildungsstall Grafenberg wiederholt.
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