Therapeutisches Reiten –Freiheit auf dem Pferderücken

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Therapeutisches Reiten –Freiheit auf dem Pferderücken

Beitragvon Silke » 31.07.2007 10:54

Das eigene Handicap vergessen, sich dem Rhythmus des Pferdes hingeben, die Natur genießen. Mit Hilfe des Pferdes entsteht eine Form der Freizeitbeschäftigung für behinderte Menschen, die es ihnen ermöglicht, den Alltag für einige Stunden zu vergessen.

Zwischen dem Sport Reiten und der Therapie Reiten gibt es wesentliche Unterschiede, z.B. in den Zielsetzungen und den Trainingsreizen. Beim Sport werden bewusst Reize gesetzt, die an die Grenze der physiologischen Belastbarkeit gehen. Beim Therapeutischen Reiten spielen diese Art von Trainingsreizen keine Rolle. Die Gewebebelastbarkeit soll nicht überschritten werden und es ist auch keine Leistungssteigerung im sportlichen Sinn Ziel des Reitens als Therapie.

Nach der Definition des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten (DKThR) beinhaltet das Therapeutische Reiten drei Teilbereiche: den medizinischen Bereich der Hippotherapie, den pädagogisch/psychologischen Bereich des Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens (HPV/R) und den sportlich / rehabilitativen Bereich des Reiten und Fahren als Sport für Behinderte.

Die drei Bereiche sind streng voneinander zu trennen, auch wenn die Übergänge fließend sind. So enthält die Hippotherapie Elemente der Pädagogik und das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten hat sportlichen und gesundheitlichen Charakter. Jeder, der auf dem Gebiet des Therapeutischen Reitens arbeitet, sollte daher auch immer offen sein für die Arbeit der Fachleute auf den anderen Gebieten.

In der Arbeit mit Menschen und Tieren trägt der Ausbilder / Trainer immer eine besonders hohe Verantwortung. Das gilt umso mehr für die Arbeit mit behinderten Menschen. Eine qualifizierte Ausbildung ist daher für das therapeutische Reiten unerlässlich.

Mehr Infos über die verschiedenen Arten des Therapeutischen Reitens sowie die Indikationen und Kontraindikationen findet Ihr hier!.
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Beitragvon Silke » 02.09.2008 18:10

Lieber spät als nie: 8)

Carina-Stiftung ermöglicht wegweisende Studie in der Hippotherapie

Aachen/Warendorf (fn-press 09.07.2008). Was Therapeuten, Eltern und Patienten seit Jahrzehnten in der praktischen Arbeit erleben, die zahlreichen positiven Auswirkungen der Hippotherapie auf Menschen mit spastischen Lähmungen, soll jetzt bundesweit durch eine in ihrer Konzeption einmalige und breit angelegte wissenschaftliche Studie belegt werden. Dank der finanziellen Unterstützung durch die in Herford ansässige Carina-Stiftung werden unter Federführung des Universitätsklinikums Aachen die Effekte der Hippotherapie bei Jugendlichen mit spastischen Lähmungen untersucht. Dies gab das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) anlässlich des CHIO in Aachen bekannt. Cornelia von Rüxleben-Plöger (Greven), Vorsitzende des DKThR ist begeistert: „Ich erhoffe mir endlich den wissenschaftlich belegten Nachweis des vielfältigen Nutzens der Hippotherapie. Ich hoffe, dass diese dadurch auch von den Krankenkassen endlich als Heil- und Hilfsmittel anerkannt wird. Verdient hätte die Hippotherapie diese Anerkennung schon längst.“

Etwa eines von 1.000 Kindern entwickelt bis zum Schulalter eine Zerebralparese, eine spastische Lähmung beruhend auf einer Schädigung des Gehirns, so Dr. Martin Häusler (Aachen) von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Aachen und wissenschaftlicher Leiter der Studie. In den meisten Fällen entsteht der zugrunde liegende Schaden während oder kurz nach der Geburt (Infantile Crebralparese). Oft sind Frühgeborene betroffen, da ihr Gehirn hochempfindlich für verschiedenste Stressfaktoren ist. Spastik zeichnet sich durch eine übermäßige Anspannung einzelner Muskelgruppen, einen falschen Muskeltonus, eine verminderte aktive Beweglichkeit und das Auftreten schwerer Fehlhaltungen aus. Dies kann bis zur Versteifung einzelner Gelenke oder zu schweren Verkrümmungen der Wirbelsäule (Skoliosen) führen.

Physiotherapie ist von zentraler Bedeutung für die Behandlung dieser Kinder. Sie zielt darauf ab eine möglichst große Beweglichkeit zu erhalten und Versteifungen sowie Fehlhaltungen des Skelettsystems zu verhindern beziehungsweise hinauszuzögern. Sie muss lebenslang erfolgen, da auch die Spastik lebenslang persistiert und ihren negativen Folgen nur durch kontinuierliche Anstrengung entgegengearbeitet werden kann. Diese lebenslange Behandlung erfordert vom Patienten und von den betroffenen Familien eine große Motivation und Ausdauer. Die Therapeuten müssen die Wirkprinzipien verschiedener Therapieverfahren kennen, um diese effektiv einsetzen zu können und um den erforderlichen Zeitaufwand zu begrenzen.

Die Hippotherapie ist ein spezielles Therapiekonzept, welches im Gegensatz zu Basistherapien zusätzlich auf das Hilfsmittel Pferd zurückgreift. Dadurch wird das Erlernen verbesserter motorischer Fähigkeiten in einen deutlich größeren Erfahrungshorizont eingebunden und verstärkt. In der Folge wird nicht nur die Funktion und Kraft einzelner Muskelgruppen, die Grob- und Feinmotorik, sondern auch das komplexe Zusammenspiel verschiedenster Muskeln und der Gleichgewichtssinn gefördert. Darüber hinaus werden am Pferd nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch psychosoziale Faktoren und das Selbstvertrauen geschult. Das Pferd wirkt zudem motivationssteigernd, was die langfristige Durchführung der Behandlung unterstützt.

Für alle physiotherapeutischen Therapiekonzepte existiert eine große Erfahrungskompetenz. Wissenschaftliche Studien zu den Stärken einzelner Verfahren sind jedoch rar. Die geplante Untersuchung soll dazu beitragen, diese Wissenslücken zu schließen. Es soll die Effektivität von Hippotherapie, die Kinder und Jugendliche mit spastischen Lähmungen zusätzlich zu einer basalen krankengymnastischen Behandlung erhalten, untersucht werden. Studienschwerpunkte sind der Einfluss von Hippotherapie auf die motorischen Fähigkeiten, auf die Lebensqualität, die allgemeine Motivation und auf Begleitmedikationen der Patienten. In zwei Gruppen sollen über einen Zeitraum von 16 Monaten wenigstens 60, maximal 120 Kinder, aufgeteilt in eine Therapie- und Kontrollgruppe untersucht werden.

Nach aktuellem Planungsstand sind neben dem Universitätsklinikum Aachen auch das Universitätsklinikum Tübingen, das evangelische Krankenhaus Bielefeld und die Kinderklinik München beteiligt. Ein weiteres Studienzentrum kann noch eingeschlossen werden.

Jedem der maximal fünf Studienzentren werden bis zu fünf Reitbetriebe zugeordnet. Dort erfolgt die Hippotherapie nach einheitlichen Richtlinien. Klinische Untersuchungen der Patienten erfolgen engmaschig vor, während und nach der eigentlichen Therapiephase durch speziell geschulte ärztliche und physiotherapeutische Mitarbeiter.

Die Finanzierung der ersten Stufe der Studie (zwei mal 30 Probanden) ist aufgrund einer großzügigen Finanzierungszusage durch die Carina-Stiftung (Herford) gesichert. Daher soll bereits im Herbst 2008 mit der Studie begonnen werden. Durch Einwerbung weiterer Drittmittel ist geplant, die Studie letztlich in der Maximalform mit zwei mal 60 Probanden durchführen zu können.

Weitere Informationen:
PD. Dr. M. Häusler, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Universitätsklinikum Aachen, E-Mail haeusler@rwth-aachen.de, Telefon 0241/800 oder Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR), Telefon 02581/9279190, E-Mail dkthr@fn-dokr.de; Internet http://www.dkthr.de.
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