bin hier neu und möchte mich gerne vorstellen. Ich bin schon etwas älter und erst spät aufs Pferd gekommen. Tierlieb war ich von Kindheit an, aber zu Pferden habe ich nie einen Draht entwickelt. Ich habe sie zwar wahrgenommen, aber das war es denn auch. Die sind was für Mädchen. Dachte ich jedenfalls. Damals. Bis mir dann im zarten Alter von Ende 30 ein Pferd das Leben rettete. Das war die Lotte, ein Schulpferd, wie ich später erfuhr. Seitdem habe ich die Lotte jeden Abend besucht. Eines Abends jedoch, war sie nicht mehr da. In ihrer Box stand ein anderes Pferd, Mit Lottes Decke drauf. Ich konnte mir da keinen Reim drauf machen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass die Lotte entbehrlich geworden war und ihr Weg sie zum Schlachter führte. Ich war verzweifelt. Was sollte ich tun? Was sollte ich mit einem Pferd? Einem unreitbaren noch dazu!? Doch ich fasste den bis dato folgenschwersten Entschluss meines Lebens und fuhr ihr hinterher. Und holte sie ein.
Und so kam ich zu meinem ersten Pferd. Geritten sind wir nie, auch wenn ich ihre Alters-Wehwehchen in nur wenigen Wochen im Griff hatte. Die Lotte dankte es mir mit purer Lebensfreude. Ich habe damals versucht, das Reiten zu lernen. Eineinhalb Jahre lang habe ich Unterricht gehabt, zumeist Einzelstunden. Aber es war vergeblich.
Später kreuzte ein weiteres Pferd meinen Weg: Lironja, eine ausgediente Zuchtstute. Nach zehn Fohlen war Schluss, ihre Linie nicht mehr gefragt und im Zuge der Wirtschaftskrise musste der Zuchtstutenbestand verkleinert werden. Ihre Zukunft war absehbar. Wie Lotte war sie ein Schimmel und ich dachte mir, das passt. Tat es auch. Sie vertrugen sich von der ersten Minute an, als hätten sie niemals andere Weidepartner gehabt. Natürlich war Lotte der Chef und nicht, wie alle anderen dachten, die wesentlich größere und kräftigere Lironja.
So lernte ich die Vorzüge von zwei Pferden kennen, denn ich konnte eine eigene Weidegruppe bilden und war unabhängig. Jetzt allerdings wurde ich am Stall erstrecht belächelt. Zwei Pferde und keins davon reitbar. Aber ich war glücklich und verbringe jede freie Sekunde mit meinen Pferden. Oder den Schafen – aber das ist eine andere Geschichte.
Lotte’s Geschichte jedenfalls habe ich irgendwann recherchiert und aufgeschrieben. Ich empfand das als so unfair, was ihr wiederfuhr. Später dachte ich, dass es schön wär, auch Bilder dazu zu haben und habe versucht, mich malerisch zu betätigen. Obwohl nicht gänzlich talentfrei, war das doch ziemlich … (bescheiden) und ich ließ es wieder. Aber die Idee blieb. Und wie es der Zufall wollte, kreuzte in dieser Zeit eine Kinderbuchillustratorin meinen Weg und ich erzählte ihr von meinem Vorhaben. Sie war sofort Feuer und Flamme und bald schon hatte ich eine Lottegeschichte mit bunten professionellen Bildern. Ein Fotobuchhersteller druckte davon einige (sündhaft teure) Bücher, die zu Weihnachten an Freunde und Verwandte verschenkte. Das Echo kam prompt: ich solle mehr davon herstellen. Aber wie? Als Fotobuch war‘s viel zu teuer. Und so begann ich, nach einem Verlag zu suchen, der das Buch vielleicht verlegen mochte. Und fand ihn im Wu Wei Verlag. Und so kam es, dass es Lottes abwechslungsreiche Lebensgeschichte nun als richtiges Buch gibt. Es folgte ein zweites Buch und, gerade aktuell, ein drittes. Alle mit der tierischen Heldin Lotte und den Abenteuern, die sie erlebte. Nun ist aber erst mal Schluss.
Lotte musste ich im vergangenen Jahr nach 7 wunderbaren Jahren gehen lassen. Die Gelenke, die im harten Schulpferdebetrieb so gelitten hatten, wollten nicht mehr. Eine lange Geschichte. Vielleicht schrieb ich mal was dazu im Trauerforum, was es hier zum Glück ja auch gibt. Finde ich schön. Lotte hat jedenfalls auch eine (öffentlich zugängliche) Seite auf Facebook. Falls Ihr mal schauen wollt: http://www.facebook.com/schulpferd
Ich versuche immer, mich kurz zu halten, aber ich sehe, dass es jetzt schon wieder lang geworden ist. Darum fürs erste soviel von mir. Wir lesen uns bestimmt wieder.
Viele liebe Grüße an alle,
Konstantin