Ich möchte Euch gerne eine kleine Geschichte von meinen Pferden erzählen:
Ich bekam ich März 2007 mein erstes Pferd, Prima Vera, genannt Primel. Sie wurde im darauffolgenden April 17 Jahre. Sie war jahrelang eine super Zuchtstute mit super Fohlen. Sie hatte insgesamt 11 Fohlen. Leider hatte sie mit den letzten beiden Fohlen (2006 verfohlt, 2007 Schwierigkeiten bei der Geburt, Fohlen starb 5 Tage später) Schwierigkeiten. Deshalb entschieden die Züchter (gute Bekannte von mir, hatte bei ihnen zwei Jahre lang Reitunterricht), Primel aus der Zucht zu nehmen.
Sie war sehr mitgenommen von der Geburt und war einfach nicht schön. Aber ich nahm sie trotzdem. Und ich bereute es niemals!!!
Innerhalb von ca. 9 Monaten nahm sie 30kg zu und man sah die Rippen nicht mehr so deutlich. Ich päppelte sie auf und ritt mit ihr durch die Gegend. Allerdings war sie aufgrund ihres Zuchteinsatzes das Gelände nicht so gewöhnt. Deshalb war fast jeder Ausritt ein kleines Abenteuer. Aber es war schön und lustig mit ihr.
Ab und an hatte sie mal ein Weh-Wehchen, aber eigentlich nie was Schlimmeres.
Nur ließ sie sich von mal zu mal hinten links schlechter beschlagen. Es waren Tierarzt und Osteopath da, keiner fand was. Es wurde aber Spat vermutet, allerdings wurde nicht geröngt. Ich solle einfach weiterreiten, und wenn keine Lahmheit käme sei es nicht so schlimm. Und gelahmt hatte sie nie.
Dann ließ ich sie 16 Wochen hinten unbeschlagen - was leider in die Hose ging. Denn sie war sehr fühlig und knickte bei jedem Kieselsteinchen weg. Dann wurde sie wieder beschlagen und es ging sogar recht gut.
Und eben weil sie auf unebenen Flächen und im Gelände allgemein unsicher lief, baute ich einen Reitplatz. Einen schönen großen (20x40m) mit professionellem Aufbau.
Und dann legten wir los. Wir verstanden uns echt gut und innerhalb kürzester Zeit - Primel war sehr leistungs- und arbeitswillig - konnten wir locker L-Lektionen reiten.
Und wir machten wieder kleinere Ausritte ins Gelände - und es schien ihr zu gefallen.
Da ich immer noch in regem Kontakt zu den Züchtern stand, bot sich mir die Gelegenheit, dieses Jahr ein Fohlen zu kaufen. Amici war der Auserwählte. Er sollte mein Nachwuchspferd werden, damit sich Primel in einigen Jahren in den Ruhestand verabschieden konnte.
Amici sollte bis fast 3jährig nach dem Absetzen auf eine Fohlenweide, dann würde er angeritten werden und dann könnte ich ihn anfangen zu arbeiten. Bis er soweit wäre, täglich geritten zu werden, würde es ca. weitere zwei Jahre dauern. Bis dahin würde dann Primel weniger geritten werden und dann schließlich das Leben hauptsächlich auf der Weide genießen können! Das war meine eigentliche Vorstellung...
Ganz plötzlich wurde zwischendurch Primels Koppel-Gefährtin Sendi krank. Es wurde Morbus Cushing mit hochgradier Hufrehe diagnostiziert. Für Sendi bedeutete das entweder das Ende oder bei Überleben eine Zeit ausschließlich im Stall. Und so kam es jetzt leider auch. Die Besitzer versuchen sie wieder fit zu bekommen, aber sie will aufgrund der Rehe nicht mehr aus der Box.
Hieß: Meine Primel musste alleine auf die Weide. Es ging auch recht gut, sie tobte nicht blöd herum. Aber schön war es nicht für sie.
Und wie es der Zufall dann so will, gaben Primels Vorbesitzer Royal Flash, kurz Roya, ab. Sie ist eine 20jährige Stute und war auch lange Zuchtstute. Sie sollte auch aus der Zucht genommen werden und da griff ich doch gleich zu.
Roya kam in die Box neben Primel und die ersten drei Stunden zickten sie sich richtig an und imponierten sich gegenseitig. Als ich sie dann aber zusammen auf die Koppel ließ war alles okay und sie haben sich nicht einmal geschlagen.
Drei Wochen lang lebte die Freundschaft auf und die zwei zusammen zu sehen war einfach nur schön.
Aber dann geschah das Schreckliche:
Eines Abends holte ich meine zwei nach 4 Stundne Weide herein und wollte Primel eindecken. Da bekam ich die Kreuzbegurtung nicht mehr zu. Sie war total aufgebläht. Aber so merkte man ihr nichts an, sie hatte hunger und war munter. Trotzdem massierte ich ihren Bauch und Kot ging ab. Ein gutes Zeichen. Aber von der einen Minute auf die andere wollte sie sich hinlegen. Da führte ich sie herum und es schien ihr gut zu tun. Sie setzte weitere drei Mal Kot ab und ging recht flott.
Aber dann auch wieder ganz plötzlich: Sie zögerte immer mehr und wollte sich hinlegen. Dann rief ich beim Tierarzt an und ausgerechnet an diesem Wochenende war er mit der Bundeswehr im Einsatz.
Ich versuchte andere Tierärzte zu erreichen - keine Chance. Dann fuhr ich zu einem, der in der Nähe wohnte. Er kam mit und spritze Primel. Keine Besserung. Er machte einen Rektaluntersuchung und sagte, sie hätte einen mindestens fußballgroßen Tumor an den Eierstöcken. Ohne OP würde sie es wohl nicht schaffen. Er legte einen Nasen-Schlund-Sonde, die aber nichts bewirkte. Und dann punktierte er von außen den Blinddarm um Gas abzulassen.
Währenddessen hielt ich ständig zu den Vorbesitzern Kontakt. Und als ich ihnen das mit der Punktion erzählte fuhren sie sofort zu mir. Sie konnten nicht glauben, dass der Tierarzt das gemacht hätte. Alleine schon wegen den Infektionen die dadurch entstehen können...
Der Tierarzt sah sich in einer Zwickmühle und räumte schnell das Feld. Seine Rechnung kam jedoch sehr schnell...
Die Nacht überstand sie nicht gut. Mit einer Hau-Ruck-Aktion überstand sie den Sonntag und am Montag kam gleich mein Tierarzt. Er versorgte sie so, dass es ihr merklich besser ging. Allerdings vertrug sie irgendein Medikament nicht und bekam noch Nesselsucht. Mit Cortison stoppten wir auch das. Einige Tage später hätte man meinen können, Primel wäre über den Berg und hätte es fast schon geschafft, aber am nächsten Tag wurde ihr Zustand wieder rapide schlechter und wir schläferten sie ein.
Die Diagnose war nun die: Sie hatte tatsächlich einen riesigen Tumor auf den Eierstöcken. Der wuchs wohl in den letzten Tagen so stark, dass er den Darm abdrückte, dieser aufgaste und somit eine Kolik hervorrief. Und das war an diesem Tag auch wieder so. Und wir waren uns einig, das würde immer wieder kommen und machte keinen Sinn. Primel würde sich nur quälen.
Denn es war auch klar: Ein fast 19jähriges Pferd lasse ich nicht mehr operieren. Vor allem keinen solchen großen Eingriff vornehmen, bei dem von vorne herein schon so gut wie klar wäre, dass sie es nicht überleben würde...
Es tat mir schrecklich weg diesen Schritt zu gehen, aber rein vom Verstand her war es die richtige Entscheidung.
Nun mache ich einen Sprung über die ganze Trauer und schreibe, dass es schon kurz danach ein neues Pferd gab.
Bitte hier nicht denken, dass ich herzlos sei. Aber Roya war nun alleine und konnte damit nicht annähernd so gut umgehen wie Primel. Sie konnte man nicht alleine auf die Weide stellen. Sie fühlte sich nicht wohl und trauerte sehr.
Dann bekam ich die Chance einen 16jährigen Wallach namens Werano zu übernehmen. Nach einiger Bedenkzeit nahm ich ihn und nun sind Roya und er Freunde. Er will der Chef sein, Roya lässt ihn gewähren.
Werano ist kein gleichwertiger Ersatz für Primel - vom ideellen her. Primel war mein erstes eigenes Pferd und wird was Besonderes bleiben. Aber ich musste einfach so schnell ein neues Pferd haben, damit Roya nicht mehr allein ist und damit auch ich meinen Reitplatz weiterhin nutzen konnte. Denn den habe ich ja auch nicht umsonst gebaut. Und für mein Fohlen muss ich ja kräftig üben!!!
Das ist meine Pferdegeschichte bisher. Teilweise tragisch, aber voll von schönen Momenten. Und Primel wird immer ein Teil von mir sein!
Trotzdem steht mit der Geburt eines Lebewesens schon fest, dass der Tod irgendwann einmal kommt! Das ist leider so, aber wir können es nicht ändern. Wir müssen positiv in die Zukunft sehen und die Zukunft heißt bei mir Amici.
Drückt mir die Daumen!
Bis dahin, viele Grüße