Wir waren ja noch am Anfang, hatten aber bereits vier supersüße Fohlen gezogen und freuten uns auf das Frühjahr, in dem wir nun zwei Fohlen erwarteten. Aber leider meinte es das Schicksal nicht besonders gut mit uns, oder besser mit unserer kleinen Hanne, denn im 6. Monat verlor sie ihr Fohlen durch eine Bakterieninfektion. Eine traurige Zeit für die Stute, denn neben dem Verlust und der Trauer um ihr Fohlen, standen auch endlosen tierärztlichen Behandlungen und Untersuchungen an. Als dann die andere Stute im Frühjar ihr Fohlen bekam war Hannes Trauer wieder da und noch größer. Den ganzen Tag stand sie vor dem Tor zur Nachbarweide und schaute traurig auf das kleine Fohlen.
Als Hanne endlich wieder ganz gesund war, was immerhin fast ein Jahr lang gedauert hatte, sollte sie nun auch wieder gedeckt werden. Sie stand Monate mit dem Hengst auf der Weide (die beiden waren ein Herz und eine Seele), aber es sollte nicht klappen. Regelmäßig wurde Hanne wieder rossig!
Die Natur wirds schon machen, dachten wir, und ließen die beiden einfach zusammen.
Irgendwann im Winter, der TA war gerade da, fragte uns dieser, ob es denn nun geklappt hatte. Wir wussten es natürlich nicht, und ließen einfach eine Blutprobe machen.
Hanne war wieder tragend, endlich, und wir freuten uns alle sehr.
Da wir nicht genau wussten, wann denn nun das Fohlen kommen sollte, waren wir natürlich immer aufmerksam und beobachteten Hanne unentwegt. Es kam das Frühjahr, es kam der Sommer, es kam der Spätsommer. Hanne wurde kugeliger, sie bekam Milch, aber keine Anzeichen für ein Fohlen!
Sie war doch wohl nicht scheinträchtig?
Es kam der Herbst und nun schien es doch bald soweit zu sein. vorsichtshalber holten wir Hanne nun nachts in die Box, erstens war es empfindlich kalt geworden und außerdem hatte sie dort ihre Ruhe.
Wie viele Nächte wir uns abwechselten, um nach der Stute zu sehen, wissen wir heute nicht mehr.
Aber dann war auf einmal ein süßes kleines Stutfohlen da und wir, und natürlich auch Hanne, waren überglücklich.
Gleich am Morgen war auch der TA bei uns, machte die übliche Fohlenprophylaxe und erklärte alles für in Ordnung.
Wir wären ja am liebsten gar nicht weggegangen, aber es war erst Freitag und Schule und Arbeit war angesagt.
Zum Glück war es Freitag,( denn da waren wir schon mittags zu Hause) und als wir mittags endlich zu Hause waren, war unser erster Weg natürlich zu Hannes Box.
Wie süß, das Kleine lag flach im Stroh und Hanne wachte davor. Aber das Fohlen rührte sich irgendwie nicht und Hanne stuppste es immerwieder mit dem Huf an und quikte dabei. Hilfesuchend blickte sie zu uns und wir waren sofort in de Box. Das Fohlen war zwar am Leben, aber völlig bewusstlos. Wir schüttelten das Kleine, versuchten es wachzurütteln aber es gelang uns nicht wirklich. Was sollten wir nur tun?
In einem kleinen Becher nahmen wir erst einmal etwas Milch aus Hannes Euter ab und versuchten diese dem kleinen Fohlen einzuflößen. Inzwischen war auch der TA benachrichtigt. Wo blieb der denn nur.
Immerwieder tröpfelten wir etwas Mich ins Maul des noch immer bewusstlosen Fohlens und ganz, ganz langsam wurde es wacher. Dann, in einem etwas wacheren Augenblick kippten wir einen ganzen Schluck Milch ins Maul und annimierten das Fohlen zum Schlucken, was uns dann auch endlich gelang. Noch ein Schluck und noch ein Schluck!
Endlich wurde das Fohlen aktiver, konnte bald wieder auf seinen kleinen Beinchen stehen und noch etwas später konnten wir es zu Hanne ans Euter heben und das Kleine begann zu trinken! Ganz lange und ganz viel trank es und konnte dann wieder selbständig stehen und gehen.
In diesem Augenblick kam auch der TA auf den Hof und gab gleich Entwarnung. Alles war wieder ok.
Das kleine Fohlen hatte wohl in der Nacht nicht genügend getrunken und war dann derart unterzuckert und bewusstlos geworden. Da hatten wir ganz instinktiv genau richtig gehandelt.
Am tollsten hatte sich auch Hanne verhalten, die alles über sich und über ihr Fohlen hatte ergehen lassen, als ob sie wusste, das nur wir helfen konnten. Umso glücklicher war sie seither mit ihrem Fohlen, das den Namen "Anisya" dann auch ganz zurecht bekam!
Diese ganze Aufregung steckte uns noch tage- und vor allem nächtelang in den Knochen. Jede freie Minute, jede wache Stunde in der Nacht ging einer von uns zur Box und sah nach dem Rechten. Aber Hanne und Anisya waren und blieben gesund und munter!