Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Auch dieses traurige Thema braucht Platz. Wie geht es Euch, wenn Eure Pferde älter werden? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Hier ist auch Platz für Trauer.

Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon simley » 06.02.2010 20:55

Glinda-rip1.jpg
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Es fing alles ganz harmlos an. Am 13.11.2009 , ein "Freitag, der 13., sollte ich ein neues und noch junges Pferd bei uns im Stall reiten. Ich hätte es lieber lassen sollen. Ich war schon beim Trab überfordert und bin letzten Endes im Galopp auch runtergefallen. Wobei es eher ein gewolltes Absteigen war. Das Pferd hat nichts gemacht, außer ordentlich (und mit dementsprechendem Schwung) zu galoppieren. Danach wollte ich mich nicht nochmal raufsetzen, sondern habe mir mein Lieblingsstütchen - Glinda - ausm Stall geholt, um mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen. Es lieg alles super, Glinda lief gut, ich war wieder glücklich. Bin dann noch länger im Stall geblieben und hab bei den anderen Reitstunden noch zugesehen. Glinda musste abends nochmal gehen, was aber an sich kein Problem war, weil ich sie nicht wirklich gefordert hab und auch nur maximal 20 min geritten bin. Abends ging sie nochmal so gut wie immer - alles war gut....bis zum Ende der Stunde. Die Reiterin ist abgestiegen, hat den Bauchgurt gelockert und wollte zurück in den Stall gehen. Doch plötzlich knickte Glinda mit ihren Beinen ein. Ich stand zu der Zeit direkt daneben und war etwas geschockt: Glinda ging es die ganze Zeit gut, und dann knickte sie plötzlich ein? Da Glinda sowieso leicht Kolik anfällig war (die letzten Monate hatte sie keine gehabt), ahnten wir schon, dass sie wieder eine Kolik hatte. Aber warum ging es ihr die ganze Zeit vorher noch gut? Sie hat auch normal gefressen und getrunken. Für mich war es das erste mal, dass ich eine Kolik miterlebt hab. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl, schob es aber noch darauf, dass es für mich das erste Mal war. Wir (Reitlehrerin, Reiterin und ich) haben den Tierarzt angerufen und sind mit Glinda zurück zur Halle gegangen um sie dort zu führen, bis der TA da war.Die Zeit verging gar nicht. Wir mussten fast eine Stunde auf den TA warten. Als er da war, bestätigte er, dass es eine leichte Kolik ist. Er gab ihr Öl und meinte, das wird schon wieder. Ich war beruhigt, aber der Tag war für mich ein richtiger Freitag, der 13. geworden.
Am Wochenende ging es ihr auch wieder besser. Sie hatte Mash bekommen und ein wenig Heu. Am Montag sollte ich sie leicht bewegen. Alles war ok, sie kam mir nur trieber vor. Machte mir aber auch nich weiter Sorgen. Dienstag hatte ich aber schon ein seltsameres Gefühl. Glinda war richtig lieb beim Putzen und Sattel (normalerweise ist sie eine richtige Zicke). Beim Reiten war erst alles ok, aber das seltsame Gefühl wollte einfach nich gehen. Ich empfand sie als aufgeblasen. War mir aber komplett unsicher. Nach dem Reiten in der Box knickte sie dann wieder ein und wollte sich hinlegen. Ich hab sie sofort aus der Box gezogen, hab gezittert und würde jetzt im Nachhinein sagen, dass ich richtig unter Schock stand. Die Reitlehrerin hat wieder den TA gerufen, ich bin wieder mit ihr in die Halle gegangen. Der Ta kam, hat ihr wieder Öl gegeben. Meinte er könne hinten nichts fühlen. Glinda ging es schlechter. Aber noch nicht so schlecht, dass jemand hätte erwarten können, was dann passierte. Eine Freundin ist in der Nacht im Stall geblieben, falls es schlimmer werden sollte. Ich bin beunruhigt nach Hause gefahren.
Am nächsten Tag hatte ich mit zwei anderen Stalldienst (u. a. die, die nachts im Stall geblieben ist). Schon als ich angekommen bin, wusste ich, dass es schlimmer geworden ist. Glinda "stand" nassgeschwitzt in ihrer Box, meine Freundin hatte nachts nochmal den TA gerufen, der nochmal Öl und diesmal auch Schmerzmittel gegeben hat. Wir haben erstmal angefangen Heu zu füttern. Aber als ich nach ein paar Minuten nochmal in Glindas Box geguckt hab, lag sie fast regungslos in ihrer Box. Ich war total verzweifelt und hilflos. Soetwas hatte ich ja noch nie miterlebt! Sofort holte ich meine Freundinnen, wieder haben wir Glinda aus ihrer Box geholt. Das war der schrecklichste Anblick...Sie konnte sich fast nicht mehr auf ihren Beinen halten, hatte einen dicken Bauch und war komplett nass. Wieder haben wir den TA angerufen, gesagt, wie schlimm es dem Pferd geht. Der TA meinte, er komme gleich. Aus dem gleich wurden 2h!! Ich hab es nervlich nicht geschafft in der Halle zu sein und hab mich durchs Misten abgelenkt...Als endlich der TA kam, konnte er eigentlich nicht mehr viel machen. Er hatte von meiner Freundin die Anweisung, sie einzuschläfern, wenn keine Chance mehr besteht. Er hat versucht ihren Kreislauf zu stabilisieren (Glinda ist immer wieder zusammengeklappt), hat ihr noch mehr Schmerzmittel gegeben. Am Ende hat er ihr nochmal Öl gegeben. Ich konnte nur hilflos und schockiert dabei zusehen. Nach 2h Behandlung haben wir mit der Stallbesitzerin (=Pferdebesitzerin) telefoniert, der es auch seit Freitag nicht gut ging und im Krankenhaus war. Sie hat ihr OK gegeben. Der TA wollte Glinda noch eine letzte Chance geben, hat noch ein paar Minuten gewartet...Aber es hat nichts genützt. Meine Freundinnen haben Glinda zum Misthaufen geführt, der etwas abseits liegt. Ich konnte nicht mitgehen. Erst dann hab ich begriffen, was passiert. Ich war unsicher, was ich machen sollte...aber ich war in diesem Moment einfach zu schockiert, zu überfordert und bin nicht mitgegangen.
Ich werde diesen Tag und auch die Tage davor NIE vergessen. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl...Der Ta meinte, es sei zum Schluss wohl eine Darmverschlingung gewesen. Aber warum kam er so spät? Warum hat er sie nicht früher erlöst? Warum konnte er nicht schon an den Tagen davor sehen, wie schlecht es um sie steht?
Durch den Schock hab ich es erstmal von mir geschoben. Mein Kopf sagte mir, ich müsse ja noch den ganzen Tag überstehen. Aber Glinda lag da am Misthaufen, bedeckt mit einer Plane und würde erst am nächsten Tag abgeholt werden. Abends kam alles hoch, sobald ich an Glinda gedacht hab, es meinen Freunden, meiner Schwester erzählt hab, kam es wieder hoch. Dazu kam, dass ich in der Woche alleine zu Hause war....

Aber es sollte noch nicht ganz zu Ende sein...Am nächsten Tag war ich wieder im Stall, es war komisch für mich, aber äußerlich hatte ich mich etwas gefasst (Verdrängung). Nachmittags kam der nächste Schock: unser Pony-Opa (35-40 Jahre alt) lag auf der Koppel. Wir waren sofort alamiert, haben ihn hochgescheucht, aber er legte sich sofort wieder hin. Wir haben ihn dann erstmal in eine Box gestellt und gewartet. Aber sein Zustand besserte sich nicht. Diesmal hat meine Freundin (stellvertretend für die Stallbesitzerin, die immer noch im Krankenhaus lag) gleich gesagt, der TA solle das Pony einschläfern.
Seltsamerweise konnte ich damit friedlicher abschließen. Das Pony war alt, es hatte noch einige schöne Rentnerjahre auf der Koppel verbracht. Aber Glinda war, abgesehen davon, dass es mein Lieblingspferd war, das beste Pferd im Stall. Noch dazu eines der Jüngsten. Wir haben ein paar wirklich alte, die zeitweise wirklich nicht mehr gut auf den Beinen waren. Ich wäre natürlich auch traurig gewesen, hätte es sie getroffen...aber bei ihnen hätte ich es z. T. verstanden.....

Ruht in Frieden Glinda und Benno! Ich werde vor allem Glinda NIE vergessen!!! Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben...
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Re: Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon Mini-Mary » 09.02.2010 11:52

Das ist wirklich ein ganz schreckliches Erlebnis, sowas geht einem sehr lange sehr nahe!
Behalte sie in deinem Herzen in guter Erinnerung, dann bleibt sie auch!!! Nun wird sie auf einer grünen Wiese hinter dem Regenbogen nie wieder solche Schmerzen erleiden!!

Was ich nicht verstehe ist, das der TA Öl gegeben hat???? Bei einer Kolik?? Was ist das denn für ein TA, der sich dann noch so viel zeit lässt, wenn es dem tier so schlecht geht? Und warum hat er das Pferd nicht in eine Klinik überwiesen als klar wurde, dass es keine Besserung gab?
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Re: Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon Silke » 09.02.2010 12:52

Da hat es Dich aber ganz dick getroffen. :? Schrecklich, der Moment, in dem man realisiert, was passieren wird. Oder auch nicht, denn sterben und Tod sind so unwirklich. Wenn man nichts mehr machen kann, aber sooo gerne will. Nee, gar nicht schön. :cry:
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Re: Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon simley » 09.02.2010 13:24

Danke ihr beiden!

@Mini-Mary: Warum er noch Öl gegeben hat, find ich (im Nachhinein) auch unverständlich. In dem Moment wusste ich einfach nicht was richtig und was falsch ist. Und die anderen beiden Mädels, die da waren, auch nicht :(. Klinik kam leider nicht in Frage, weil der Reitbetrieb sich grade so über Wasser halten kann und es dann einfach für ein Schulpferd zu teuer ist. Das ist hart, aber es ist mir auch klar, dass die Stallbesitzerin auf die Kosten achten muss. Abgesehen davon, war es uns, vor allem weil der TA etwas unkompetent war, zu spät bewusst, wie ernst es um sie stand. Sie hätte wahrscheinlich schon nach dem 2. spätestens 3. Kolikanfall in die Klinik gehen müssen.
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Re: Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon Mini-Mary » 09.02.2010 15:33

Das mit den Kosten verstehe ich, nur das mit dem Öl nicht so richtig, aber egal.

Ich finde am schrecklichsten immer, wenn man daneben steht und weiß, dass man nichts mehr tun kann. Diese Hilflosigkeit schlägt dann irgendwann in Fassungslosigkeit um. Die Frage nach dem Warum bleibt dann auch nicht aus und das alles macht es so entsetzlich schwer zu begreifen.
Es klingt zwar doof, aber die Zeit heilt Wunden, da ist was dran. Man trauert nicht mehr so sehr, aber vergessen wird man diese Freunde nie und so soll es ja auch sein!
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Re: Eine Woche, die sich in mein Herz gebrannt hat

Beitragvon halsringfreak » 10.07.2011 16:44

Auf "meinem" Reiterhof haben wir in den letzten 4 Jahren sieben Pferde für immer verloren....

Es fing damit an, dass Fenya sich im 11. Trächtigkeitsmonat verletzt hat (also kurz vor der Geburt). Sie hat dann in der Klinik ihr Fohlen bekommen ( Lanzelot), ist aber kurz darauf gestorben. Lanzelot wurde nicht älter als zwei Wochen...
Der nächste war Presto, 26 Jahre alt. Das erste eigene Pferd unserer Reitlehrerin, ihr alter Freund. Er stand morgens nicht mehr auf und musste eingeschläfert werden. Ich hab mir die Augen ausgeheult...ich war es gewesen, die ihn abends in seine Box gebracht hatte.
Dann verließ uns Whodini, ein Einstell-Rentner. Er war zwei Wochen in der Klinik (weshalb weiß ich nicht so ganz...wollte nicht fragen)
Ende 2010 musste Albert eingeschläfert werden. Er hatte sich mit Goodie angelegt und war aus der Keilerei (selbst schuld, in der Reithalle!) mit 2 gebrochenen Röhrbeinen hervorgegangen.
Dann starb Mogli an einer Kolik mit schweren Komplikationen. Eine Operation konnte ihm nicht mehr helfen.
Im Juni verloren wir Ree, unsern geliebten Schatzi, der trotz eines nicht immer einfachen Lebens (bei Umzug zurückgelassen etc.) der Freund aller Kinder war. Egal, wie ängstlich die Kinder waren, zu Ree hatten alle vollstes Vertrauen (Ich habe ihn in 6 Jahren nur ein einziges Mal eine unerwartete Bewegung machen sehen- mit einem Gummiball zwischen den Hufen). Er starb an einer Kolik mit Darmverschlingung im geschätzten Alter von 30 Jahren.
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