Mein Hund Berta oder Abschied auf Raten

Auch dieses traurige Thema braucht Platz. Wie geht es Euch, wenn Eure Pferde älter werden? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Hier ist auch Platz für Trauer.

Mein Hund Berta oder Abschied auf Raten

Beitragvon Silke » 30.04.2006 12:06

Liebe Foris,

ich habe lange überlegt, ob ich das aufschreiben soll. Aber um mich damit auseinanderzusetzen und auch, um eine Erinnerung zu haben, habe ich mich dafür entschieden.

Es geht um Berta, unsere 12-jährige Collie-Mischlingshündin. Sie ist eine ganz süße Maus. Fotos findet Ihr hier!

Wir haben Berta vor einem Jahr im Internet eines Tierheims gesehen. Seit 2 Monaten wohnte Coco bei uns, auch eine kleine Mischlingsdame, und wir wollten keinen 2. Hund. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! :wink:

Wir haben sie also gesehen und sind hingefahren. Nur gucken! (is klar oder :lol: ). So eine hübsche, vorsichtige und ängstliche Maus! Sie ist uns direkt in unser Herz gesprungen. War nix mehr zu machen. Die Tierheimmitarbeiterin erzählte uns, dass sie 11 Jahre ist (schon ziemlich alt für einen Hund im Tierheim), außerdem Geschwulste an der Gesäugeleiste hat und noch operiert werden muss, und dass sie von Amtswegen ins Tierheim gekommen ist. Ihr Vorbesitzer scheint sie zwar lange gut gepflegt zu haben (sie war fit, das Fell ganz gut, nicht zu dick und auch erzogen). Aber irgendwann hat er sie öfter mehrere Tage allein gelassen. :evil:

Das alles machte uns aber nix und wenn sich unser Ersthund mit Berta versteht, würden wir sie gern zu uns nehmen. Auch, wenn sie nur noch ein paar Jahre hat.

Berta zog bei uns ein. Anfänglich war es schwierig. Sie ist ein Einzelhund, eifersüchtig, anhänglich, beißt, wenn sie sich bedroht fühlt und ist sehr unsicher. Sie überspielt das mit Knurren und verteidigen. Coco hat es nicht leicht mit ihr und wir auch nicht immer.

Zwei Monate später wurde Berta operiert. Es war keine einfache OP, sie hat viel Blut verloren. Sie wurde kastriert und es wurde Geschwulste entfernt. Nach der OP hat sie sich trotz Schutzmaßnahmen zweimal die Fäden selbst gezogen, so dass sie mit offenem Bauch da lag. Also in zwei Nacht- und Nebelaktionen wieder zunähen.

Sowas schweisst zusammen und wir lieben Berta abgöttisch. Sie kann ja nichts dafür, dass sie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Auf der anderen Seite ist sie nämlich der kommunikativste und kuscheligste Hund, den wir kennen! Sie lacht oft, spricht mit uns, ist intelligent, lustig, verspielt, verschlafen und verfressen. Sie passt also zu uns. :wink:

Im August kam dann heraus, dass es neben gutartigen Tumoren auch bösartige gab. Ausserdem hat der Krebs schon Metastasen in Lunge und Herzen gebildet. :( Wir dachten, dass sie Weihnachten (2005) nicht mehr erlebt.

Eine Chemotherapie kam für uns nicht in Frage. Auch weitere OPs nicht. Wir beschlossen, ihr noch ein schönes Leben zu bieten und sie schmerzfrei halten zu wollen. Sie bekam ein Schmerzmittel, welches sie mehrere Monate gut vertragen hat. Dazu haben wir eine Tierheilpraktikerin um Rat gefragt und sie hat Berta gut unterstützt. Wir haben irgendwann sogar vergessen, dass sie sehr krank ist, weil sie schneller läuft als Coco (und die ist 3 und gesund), fröhlich ist und kaum Anzeichen einer Krankheit zeigt. :)

Irgendwann belam Berta allerdings Darmblutungen. Sie verträgt das Schmerzmittel nicht mehr. :shock: Aber mit Schmerzen leben geht auch nicht! Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen? :shock:
Wir stiegen erstmal auf homöopathische Mittel um.

In den letzten Tagen merken wir allerdings, dass sie nicht mehr auf dem aufsteigenden Ast ist. Sondern auf dem absteigenden. Es gab immer schlechtere Tage. Aber sie sieht öfter als sonst in sich gekehrt aus, traurig, leidend. Sie schläft viel. Sie ist auch noch fröhlich und freut sich, aber sie hält vieles nicht mehr so lange durch. Man merkt, dass ihre Lunge Probleme macht - ich schätze, sie wird irgendwann ersticken, wenn wir sie nicht vorher erlösen. :cry:

Ab heute bekommt sie wieder ("Schul-")Schmerzmittel. Wenn sie wieder Darmblutungen bekommt, steigen wir auf ein anderes um. Alles, nur keine Schmerzen!! Und dann lieber ein kürzeres, aber schmerzfreies Leben.

Sie ist krank, aber ich will es nicht wahrhaben. Für mich lebt sie ewig! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, sie nicht mehr bei uns zu haben. Ich habe wahnsinnige Angst vor DEM Tag, DER Stunde, wo es passiert. Zum Glück haben wir eine tolle Tierärztin, die auch nach Hause kommt, um einzuschläfern. Aber ich kann noch nicht mal daran denken, ohne dass mir die Tränen kommen. Sie wird uns so wahnsinnig fehlen, aber dennoch kann man es nicht verhindern, sondern nur geniessen, dass sie bei uns ist. :!:

Wir werden das auch schaffen und verarbeiten, auch wenn es mir jetzt noch ein Rätsel ist, wie das gehen soll. Wir haben sie erst seit einem Jahr, aber das Zusammenleben ist intensiv. Man sollte meinen, dass man sich auf den Abschied vorbereitet und dann besser damit klar kommt. Aber so ganz glaub ich nicht dran. :?

Ich halte Euch auf dem Laufenden, wie es mit Berta weitergeht. Vermutlich wird der Thread dann enden, wenn auch Bertas Leben bei uns endet. Aber vielleicht hilft es auch jemandem, dem ähnliches bevorsteht! Und wer ein Tier hat, wird irgendwann immer mit dem Thema konfrontiert.

Ich wünsche ihr, dass sie an einem sonnigen Tag beim Spaziergang einfach umkippt und stirbt. Wenn sie glücklich ist!

Aber ich schätze, den Gefallen wird uns die Krankheit nicht tun. :cry:

Viele Grüße
Silke
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Beitragvon Sailor » 30.04.2006 16:46

Das tut mir alles richtig Leid für euch, Silke.

Krebs is immer so 'ne Sache und nur selten hat man dabei die Chance, einfach so kurzum zu sterben. Leider. Auch wenn ich dir gerne anderes sagen würde. :(

Mein Onkel is innerhalb von wenigen Monaten an Krebs gestorben, wie ich das mitgekriegt hab, is er zum Schluss nur noch dahin gesiecht, wenn man so will. Auch wenn es sich krass anhört, aber ich kenn keinen andren Ausdruck dafür.

Ich denk das Einzige was ihr tun könnt, Silke, is ihr entweder einen schönen Lebensabend zu bereiten oder sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Ich versteh völlig, dass du es nich' wahrhaben wills', dass sie sehr krank is, aber leider is das keine Lösung. :(

Große Töne spucken kann jeder, klar und ich würd's dir auch nich' übel nehmen, wenn du sauer wirs' :oops: , wenn du das hier liest, ich versteh dich nur zu gut. :?
Ich glaub, für deine Berta wär es wirklich das Beste, wenn sie eingeschläfert werden würd. Sie hat Damrbluten und ihre Lunge macht ihr schon Schwierigkeiten. Schmerzmittel hin oder her, aber das macht das Ganze nich' besser.

Ihr hattet 'ne schöne Zeit und - auch wenn das jetzt wieder sehr menschlich wird - vielleicht is es besser für sie, wenn das "in Erinnerung behält" und nich' die Schmerzen, die sie zum Schluss hatt'. Und ihr behaltet sie dann auch als die freche Hündin in Erinnerung, die gerne spielt und läuft und euch so viel Freude gemacht hat.

Ich möchte die Entscheidung nich' treffen, ich hätt' da genauso Probleme mit und vielleicht geh ich dir auch zu rational an das Alles, aber ich wollt dir nur schreiben, wie ich da drüber denk.

Streichel sie trotzdem mal - unbekannterweise :wink: - von mir.
Sailor
 

Beitragvon Silke » 30.04.2006 17:05

Mach ich, Katha. :-)

Nee, ich bin nicht sauer. Ich habe mir viele Gedanken über die Wahl des richtigen Zeitpunktes gemacht. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass Berta ihn uns geben wird. Wir werden es irgendwann in ihren Augen sehen, dass sie zwar gerne bei uns bleiben würde, aber viel lieber in Frieden und ohne Schmerzen einschlafen.

Der Zeitpunkt ist trotz der schlechten medizinischen Diagnose noch nicht da. :!:

Sie hat noch Lebenslust und zum Glück siecht sie noch nicht, wie Dein armer Onkel. Es wird zwar schwieriger, aber sie ist, abgesehen vom Krebs, ein für ihr Alter extrem gesunder Hund.

Letztes Jahr mussten wir den Hund meiner Eltern einschläfern lassen. Sie war 12, blind, taub und schwer krank. Meine Eltern haben den richtigen Zeitpunkt verpasst. Wir als Aussenstehende haben ihn gesehen. Das hat uns gezeigt, dass wir nicht egoistisch sein dürfen. Sondern nur auf Berta schauen.

Und weisst Du was? Als die Diagnose kam, hab ich auch gesagt: nee, ein Leben, das nur mit Schmerzmitteln geführt werden kann, ist nicht mehr lebenswert. Das bringt doch alles nichts. :roll:

Aber es ist anders. Man greift nach vielen Strohhalmen. Man beendet kein Leben, wenn noch echte Freude, Bewegungsdrang und Appetit vorhanden ist. Auch, wenn die Diagnose schlecht ist. Aber man lebt in der Gegenwart.

Sie wird uns zeigen, wann der Zeitpunkt da ist.

Gruß, Silke
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Beitragvon Sailor » 30.04.2006 18:23

Den richigen Zeitpunkt wählen is das Schwierige, kann ich mir gut vorstellen. Aber ich denk mal, dass ihr das gut schaffen werdet nach den Erfahrungen die ihr mit euren Eltern gemacht habt.

Wenn Berta noch läuft und wie immer frisst, dann sollt sie weiterleben, ja, denk ich auch. Richtig Sorgen und Gedanken muss man sich ja eigentlich ers' machen, wenn Hunde nich' mehr richtig fressen. :wink:

Ich denk auch, dass Berta euch zeigen wird wann der Zeitpunkt da is. Und bis dahin werdet ihr ihr garantiert noch 'ne schöne Zeit machen.
Sailor
 

Beitragvon Silke » 04.05.2006 03:53

Uah, gähn, es ist mitten in der Nacht und wir können nicht mehr schlafen. Berta weiss nicht, wie sie sich hinlegen soll. Sie hat Schmerzen, wenn man sie berührt. Letztes Jahr hat sie sich so verhalten, als sie eine Prellung hatte. Aber das ist viel schlimmer. Habe ihr zwei Schmerztabletten gegeben und wir wollen so schnell wie möglich zum Tierarzt. Ach menno.... :(
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Beitragvon Sailor » 04.05.2006 11:30

Prellungen sind 'ne üble Sache, allerdings. :(

Was sagt der Tierarzt, wart ihr schon da??
Sailor
 

Beitragvon Silke » 04.05.2006 15:26

Ja, sind wieder da. Die TÄ hat kein größeres Tumorwachstum festgestellt, allerdings ist die Herzfunktion zurückgegangen. Bertas Herz schlägt nicht mehr so stark und so regelmäßig. :( Aber damit mussten wir rechnen.

Wir versuchen, ihr mit Schmerzmitteln zu helfen. Vielleicht ist es doch nur eine vorübergehende Sache. Wenn nicht, bleibt uns mittelfristig nicht viel übrig... :cry:
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Beitragvon Sailor » 04.05.2006 17:27

Ihr tut mir Leid, Silke.

Hoffe, dass 's eurer Berta den Umständen entsprechend bald wieder gut geht.
Sailor
 

Beitragvon Jalna » 05.05.2006 09:01

Hey! Ich hab das Thread eben erst gelesen, tut mir Leid für euch! :( Ich weis, wie es dir geht, der eine Hund meiner Tante ist Dienstagabend gestorben, auch Krebs! Sie wäre im Juli 10 Jahre geworden. :cry:
Nach der Diagnose hatte sie noch fast zwei Monate gelebt. Sie bekam auch Schmerzmittel und hat sich am Dienstag in ihren Korb gelegt und ist einfach "weg"geschlafen. Vielleicht habt ihr auch so viel Glück mit eurer Berta, ich wünsche es euch! :(
lg Fabienne
Jalna
 

Beitragvon Silke » 05.05.2006 17:03

Das wäre wirklich schön, Fabienne. Deiner Tante geht es jetzt bestimmt nicht so gut, was... Mitfühlende Grüße...! :?

Wir waren nochmal bei der TÄ. Trotz Schmerzmitteln hat sie weiter gefipst und man durfte sie nicht berühren. Ich dachte echt, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen. Mann, war ich aufgeregt. :shock: :shock:

Die TÄ hat herausgefunden, dass sie Schmerzen in der Hüfte hat und am Bein, also rein orthopädisch. :D Nicht über den Smilie wundern, ich freue mich nicht, dass Berta Schmerzen hat, sondern darüber, dass es NICHT am Krebs liegt. Und eine leichte Prellung bekommt man ja normalerweise in den Griff.

Sie wird jetzt gequaddelt, d.h. ein paar kleine Spritzen entlang der Wirbelsäule, um die verhärtete Muskulatur zu lockern, die meistens die größten Schmerzen verursacht.

Ich schätze, da haben wir nochmal Glück gehabt. :D

Trotzdem, das Thema bleibt....sie ist kein gesunder Hund. *schnief*

LG, Silke
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Beitragvon Sailor » 05.05.2006 18:31

Denk mal, dein Smile werden alle richtig verstehn, die den Thread gelesen haben. Würd mich an eurer Stelle auch freun, wenn die Schmerzen meines Hundes nich' am Krebs, sondern 'ner "harmlosen" Prellungen liegen würden.

Ich hoff, dass 's Berta bald wieder so weit gut geht. Steichel sie noch mal von mir - undbekannterweise :wink: - und gib ihr 'n kleines Leckerchen - wenn erlaubt. :wink:
Sailor
 

Beitragvon Silke » 05.05.2006 19:38

Berta hat den Krebs-Bonus, die darf fast alles. :lol:
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Beitragvon Sailor » 06.05.2006 19:04

Hab's mir fast gedacht, also gib ihr 'n paar Leckerchen mit "Gute-Besserungs-Wünschen" :wink: von mir, vielleicht hilft's. :)
Sailor
 

Beitragvon Silke » 16.05.2006 19:02

Berta geht es wieder richtig gut. Ist quietschfidel, hat keine Schmerzen mehr und frißt wie ein Scheunendrescher. Okay, sie bekommt Schmerzmittel. Aber wat tut man nich alles für´s liebe Tier.... Geimpft worden ist sie auch, hat sie aber gut verkraftet.

Hat nur ein wenig Langeweile, die Gute. Morgen werden wir aber wegfahren, da gibt es viel zu sehen und zu staunen. Und außerdem tut sie ja immer nur so, in Wirklichkeit ist sie nach 1-2 Stunden Action kaputt. :wink: Der Sommer ist ihr auch zu warm, da braucht sie viel Kraft. Deswegen müssen wir von körperlicher Action eh mehr umsteigen auf geistige Action.

Hier ein paar neuere Bilder:

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Liebe Grüße
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Beitragvon Sailor » 16.05.2006 20:11

Der Urlaub tut ihr garantiert gut. Kriegt sie was andres zu sehn und kann sich ganz auf andre Sachen konzentieren.

Wenn's ihr gut geht, dann is gegen die Schmerzmittel absolut nix einzuwenden.

Süß is sie, wie sie da liegt und in der Tür steht. Die sieht aus, als könnt man ihr nix abschlagen, kann das sein??
Sailor
 

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