...wann ist ein Leben nicht mehr lebenswert????

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...wann ist ein Leben nicht mehr lebenswert????

Beitragvon Blue » 16.05.2008 22:29

Wann ist ein Leben nicht mehr lebenswert?
Muss ein Pony „erlöst“ werden - nur weil es alt ist?

Peters Oma ist im letzten Jahr 2 Tage nachdem sie 99 wurde friedlich eingeschlafen. Sie lebte bis zu ihrem letztem Tag allein. Natürlich war sie nicht mehr taufrisch und das sie als Model nicht mehr arbeiten konnte, versteht sich von selbst. Auch das ihre Knochen in dem Alter nicht mehr die gesündesten waren, dürfte jedem klar sein.

Aber das Oma deshalb keine Lebensqualität mehr hatte, darf man deshalb nicht voraussetzen - oder doch?

Unsere Oma war immer froh wenn die Familie zu Besuch war. Wenn sie für ihre Kinder, Enkel und Urenkel kochen konnte. Meinem Sohn hat sie Mau Mau beigebracht, war mit ihm im Garten und hat ihm erklärt welche Pflanzen er essen darf und welche giftig sind. Sie hat ihm erklärt wie, welcher Volgel heißt, welche Vögel in den Süden ziehen und welche den Winter hier verbringen.
Als Pascal in der Schule häkeln musste, brachte sie ihm dies bei.
Wollte Oma spazieren gehen, schob Pascal sie in ihrem Rolli. Und wenn Oma besonders gut drauf war, schob sie Pascal.

Kein Sonntag verging ohne das Oma die Messe besuchte. Natürlich immer wie aus dem Ei gepellt - schließlich gehört sich das so...
Die Haare wurden aufgedreht und es musste immer das schönste Kleid angezogen werden. - Man war schließlich Dame!!!

Unsere Oma war 45 Jahre Witwe - hat ihre Rente genossen und sich in jungen Jahren (bis zu ihrem 93 Lebensjahr) die Welt angesehen.
Uns hat sie stundenlang von ihren Reisen, dem Krieg und dem Aufbau ihrer Wohnsiedlung erzählt.
Leider musste Oma mit den Jahren ihre Geschwister u. Freunde zu Grabe tragen. So das ihre Erzählungen immer damit endeten, das sie wohl die nächste sein wird....
Sie aber täglich dem Herrgott dankte, das er sie hat so lange leben lassen...

Einmal nur habe ich sie „klagen“ gehört. Als meine Diagnose gestellt wurde, weinte sie und betete das sie anstatt ich krank werden soll...

Oma ging es immer gut, auch wenn man sie hin und wieder schimpfen hörte, das der „ verdammte , alte Körper“ nicht mehr mitspielte und wenn sie doch nur 10 Jahre jünger wäre, was sie dann noch bewegen könnte, im Haus, im Garten....

Kein Mensch ist je auf den Gedanken gekommen, unsere Oma müsste von ihren Altersleiden erlöst werden und wollte sie einschläfern!

Warum ich euch das erzähle?!? Nun, weil ich immer wieder auf Menschen treffe, die diese Geschichte anders sehen, wenn es um alte Pferde geht!

Wie einige wissen, gehört zu meiner Fellbande auch Lisa.
Lisa wurde am 01. Mai 32Jahre alt. Sie ist nicht mehr taufrisch und sieht keinesfalls mehr, wie ein gesundes, stolzes Reitpferd aus.
Sie „leidet“ unter dem Cushingsyndrom, ist recht mager und hat dicke, verformte Vorderfußwurzelgelenke. Trotz der „kaputten Beine“ ist sie munter und läuft lahmfrei.
Hin und wieder (meist nachdem ihre Hufe gemacht wurden - auf drei Beinen stehen fällt ihr sehr schwer) scheint ein Bein zu schmerzen. Dann bekommt sie Aspirin und für Notfälle haben wir immer Equipalazon im Haus. (was wir noch NIE geben mussten)
Lisa steht mit in unserer kleinen Herde, ist voll integriert und selbst unser Chacco (Herdenchef der sich nicht auf der Nase herum tanzen lässt) zollt der alten Dame den angebrachten Respekt.

Unsere Omi bekommt 3x täglich ihren Brei bestehend aus Heucops, Weizenkleie, Hafer, Müsli, Rübenschnitzel u. Leinsamen.
Wie das bei so alten Omis eben so ist, können wir sie nicht mehr wirklich umerziehen. So kommt es, dass sie nach ihrer Breimahlzeit oft aussieht, als hätte sie ihren Kopf in den Schlamm gesteckt.
Jeder versuch mit ihr über ihre Tischmanieren zu sprechen ist erfolglos gescheitert. So kommt es, das Lisa und ihr Umfeld nach den Mahlzeiten oft nicht wirklich appetitlich aussehen.
Hinzukommt, das unsere Omi morgens oft noch den Schlaf in den Augen hat, dies sieht ebenfalls nicht toll aus, vor allem in Verbindung mit dem unterschiedlich langen Fell, dass dann auch noch des nachts durch ausgiebiges schuppern an allen möglichen und unmöglichen Gegenständen in alle Windrichtungen steht. Wenn man Lisa morgens nach dem füttern sieht, mit dreckigem Fell (schließlich wälzt Omi sich täglich ausgiebig) verklebten Augen und Futterbrei bis hinter die Ohren, könnte man denken, dem Pferd ginge es tatsächlich sehr schlecht.

Aber, kann man so etwas durch eine Momentaufnahme beurteilen?!?

Und wenn ja, wer kann es beurteilen?!?

Eine Spaziergängerin, die meine Omi heute Vormittag gesehen hat, sah ein zotteliges Pferd, mit Schmand im Auge, das Fell in alle Richtungen stehend, Futterbrei wo man hinschaut....
Aber ist dieser Mensch in der Position, ein Todesurteil zu empfehlen?

Ehrlich, für mich war das wie ein Schlag ins Gesicht. Wir die tagtäglich mit Lisa zusammenleben, die sich sorgen, Gedanken machen, lesen, Tierärzte konsultieren, das Pony seit Jahren kennen...müssen uns anhören, das (O Ton) dass mit Tierliebe nichts mehr zu tun hat.

Unsere Omi steht täglich mit Artgenossen auf ihrer Weide, wälzt sich ausgiebig und knabbert mit ihren nicht vorhandenen Zähnen am Gras.

Zwischenzeitlich steht man herum und beobachtet aufmerksam, mit erhobenem Kopf und aktiven Ohrenspiel die Umgebung.
Täglich spätestens alle zwei Tage wird sie ausgiebig geputzt. Sie genießt die Körperpflege mit allen Sinnen und kann nicht genug davon bekommen.

Die Körperpflege umfasst immer die gründliche Entfernung der toten Haare, die Pflege von Augen, Nüstern und den Intimbereich mit Öltüchern.
Danach darf Lisa sich erneut wälzen um dann die Nacht in ihrer sauber gemisteten, dick eingestreuten Box zu verbringen.

Ein Besucher der jetzt diese Momentaufnahme sehen würde, sähe ein zotteliges, altes Pferd, das jedoch mit klarem, sauberen Gesicht in einer trockenen, sauberen Box stehen würden. Das alte Pferd würde ihm wahrscheinlich mit hocherhobenen Kopf und blubbernden Nüstern darauf aufmerksam machen, dass es jetzt gefälligst Zeit für das Abendbrot sei...

Nachdem man mir eben sagte, das ein Pferd in diesem Zustand keine Lebensqualität mehr hat und das dies nichts mit Tierliebe zu tun hat, quälten mich Selbstzweifel.
Ich rief meinen Tierarzt an, er beruhigte mich und gab mir einen Rat...

„ Es gibt immer mal sogenannte Tierschützer, die Ihnen wegen Lisa auf die Nerven gehen werden, lassen Sie sich nicht von denen irgendetwas einreden, nur weil Pferde alt sind und sie nicht mehr richtig funktionieren, müssen sie nicht eingeschläfert werden, dass tun wir mit alten Menschen ja auch nicht!“

Ich denke, Lisa wir mir „sagen“ wenn es soweit ist...
Bis dahin werde ich mich nicht mehr verrückt machen lassen...
Der nächste, der mein Pony „erlösen“ will, weil es alt ist, darf sich warm anziehen!!!
Blue
 

Beitragvon angel-of-deep » 17.05.2008 19:22

hallo ich finde diesen beitrag hochachtungsvoll denn erhällt so viel gefühl und ehrliche gedanken..
ich finde das jedes pferd auch wenn es alt ist und nicht mehr so toll aussieht wie früher verdiehnt hat seinen lebensabend zu verbringen..jeder ob tier oder mensch hat im alter gebrechen und er spürt selbst wann es zeit ist zu gehen--
ich denke du selbst kannst am besten entscheiden was mit deiner oma passiert..zwar ist sie im körper gebrechlich aber wie du sie beschreibst im geist wie ein fohlen das die welt entdeckt denn auch ein altes pferd findet immer einen weg sich seinem können anzupassen es lernt wie ein fohlen mit gebrechen und negativen sachen an sich um zugehen...
sie wird dir begreiflich machen wann sie den zeitpunkt gewählt hat zu gehen..
so war es bei dem 35 jährigen wallach meines onkels auch er war mager hatte immer geschwollene beine sah aus als ob er reude hätte aber sein willen zu öeben war ungebrochen-
der abschied sah wie folgt aus:
mein onkel ging auf die koppel ali kam legte seinen kopf auf seine schulter und drückte meinen onkel nach unten er sezte sich und ali legte sich zu ihm mein onkel lies den tierarzt holen um dem pferd die erlösende spritze zu geben..ali schlief ohne angst und panik mit dem kopf auf dem schoß meines onkels ein..ich denke ein schöneres ende gibt es nicht und sie wird es dir begreiflich machen!!

ich wünsche dir mit deiner oma noch eine schöne zeit und genieße sie denn sie ist so wertvoll das sie kaum zu bezahlen ist für euch beide
angel-of-deep
 

Beitragvon Cowgirl1975 » 17.05.2008 22:43

Hallo Blue!
Als ich deinen Beitrag gelesen habe, musste ich an meine alte Stute denken. Sie wird bald 30 Jahre alt und du glaubst gar nicht, wie oft ich mir anhören musste, dass ich doch das alte Vieh einschläfern lassen sollte und viel lieber jüngeren Tieren eine Chance geben sollte.
Gestern noch musste ich mir anhören, nachdem die Fliegenmaske kaputtgeganen war: Brauchst keine neue mehr kaufen. Rentiert sich doch eh nimmer :evil: Ich könnt da grad ko... Klar kann ich mein Pferd schon seit längerer Zeit nicht mehr reiten, weil sie Arthrose hat, aber sie bekommt ihre Medikamente, mit denen es ihr gut geht - wie bei alten Menschen halt auch. Und ich glaube auch, dass es irgendwann den Zeitpunkt geben wird, an dem mir MEIN PFERD sagen wird, wann es soweit ist - und nicht irgendwelche Menschen.

Lass dir bloss nix einreden und versorgt die alte Dame gut!
Cowgirl1975
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Beitragvon simley » 18.05.2008 12:41

Ich finde auch, dass man sich von dem Äußeren nicht abschrecken lassen soll. Es ist verständlich, dass man ab einem gewissen alter, nicht mehr topfit aussieht, man probleme bei alltäglichen Sachen bekommt. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass - sei es pferd oder mensch - man nicht mehr "klar" im kopf ist und keine lust mehr am leben hat.
Wenn man ein Pferd gut genug kennt, merkt man, wann der zeitpunkt gekommen ist. Ich finde jedes pferd hat seine "gnadenbrot"-zeit verdient und hat ein anrecht darauf, so lange leben zu dürfen wie es geht! Schließlich hat es uns ja wahrscheinlich mehr gegeben als wir ihm.
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