Crashkurs: Westernreiten // Yiiihaaaaa

Reining, Pleasure, Trail und alles, was sonst noch dazu gehört

Crashkurs: Westernreiten // Yiiihaaaaa

Beitragvon Nausicaä » 05.02.2010 00:16

Historie

Unsere gesamten "abendländischen" Reitweisen entstammen von den Reitweisen der islamischen Eroberungsheere ab, denn vor ungefähr 1300 Jahren drangen von Gibralta auf der Iberischen Halbinsel (Spanien und Portugal) und sogar bis Südfrankreich die Mauren ein.
Die Mauren und ihre Reitweise hinterließ ihre Spuren vor allen Dingen in Spanien.
In früherer Zeit gab es fast ausschließlich die sogenannte Gebrauchsreiterei.
Die Hauptkriterien selbiger waren vor allen Dingen folgende:
* Leichttrittigkeit
* Physische Belastbarkeit
* Psychiche Belastbarkeit
* Gehorsamkeit
* Willigkeit
* Einfach zu reiten/handhaben
* selbstständig Arbeiten
Neben der Gebrauchsreiterei gab es natürlich auch die Reitweisen der Adligen, welche vornehmlich zur Zierde und zum Vergnügen dienten.

Als die Spanier den Atlantik überschifften und den heutigen Südwesten der USA besiedelten/eroberten nahmen sie natürlich neben Schafen und Rindern auch Pferde mit über den Ozean. Erst mit Hilfe des Pferdes gelang es den Eroberern die riesige Fläche des Amerikanischen Kontinents zu erforschen und natürlich auch zu besiedeln.
Natürlich brachten die Spanier nicht nur ihre Pferde sondern auch ihre Reitweise mit in das neue Land und somit wurde die heutige amerikanisch Reitweise stark von den Spanischen Einflüssen geprägt.

Aus der Gebrauchsreiterei der Cowboys nun, entwickelte sich das heutige Westernreiten.
Um seine Arbiet vernünftig ausführen zu können muss ein Cowboy auf seinem Pferd eine Hand frei haben, weshalb die einhändige Zügelführung ein auffälliges Merkmal der Westernreiterei ist.
Ein wirklich gutes Westernpferd wird in jahrelanger Arbeit so genau und fein ausgebildet, dass es auf die winzigsten Signale und Hilfen komplette Bewegungsabläufe ausführt.
Ein gutes Westernpferd (wobei dies natürlich Auslegungssache ist) sollte demnach:
* Schnell,
* Temperamentvoll,
* jederzeit zu regulieren,
* klein und wendig,
* nervenstark,
* klug,
* und belastbar sein.
* Außerdem angenehme Gänge besitzen.

In Amerika wurde also seit Jahrhunderten auf diese Eigenschaften hin ein Pferd gezüchtet, welches der ihm zugewiesenen Art genau entsprechen sollte und für die von ihm verlangte Arbeit perfekt war.
Aus diesem Grunde haben es "Rassenfremde" Westernpferde und deren Reiter häufig schwerer die selben Ergebnisse zu erzielen (natürlich gibt es auch hier Naturtalente ;) ).


Reiten an sich
Ein Westernpferd wird möglichst einhändig gearbeitet, was offensichtlich auf den Ursprung der Reitweise zurückzuführen ist, und sollte somit auf die kleinste Gewichts- und Schenkelhilfe reagieren. Anders als beim Englischreiten wird das Pferd nicht in Anlehnung geritten mit permanenter Hilfengebung, sondern nimmt nach Möglichkeit (hiermit ist Ausbildungsstand von Pferd und Reiter gemeint) in einer sich selber tragenden Haltung ein. Ein "Westernpferd" lernt eine Hilfe solange auszuüben und aufmerksam zu lauschen bis die nächste kommt und wird nicht permanent mit Hilfen dort gehalten, wo man es haben möchte.

Ein wichtige Bestandteil des weiteren Reitens besteht in der Neck-Reining.
Das Pferd lernt, dem anlegen des durchhängenden Zügels am Hals mit der Vorhand zu weichen, sodass es später nur mit anlegen des Zügels, und Gewichtshilfen zu dirigieren ist.
Das typische "einhändige Reiten" erfolgt, sobald das Pferd die Neck-Reining beherscht, gelernt hat sich selber zu tragen und fein genug auf Gewichts, Schenkel und ggf. Stimmhilfen zu reagieren.
Diese einhändige Zügelführung wird übrigens häufig in Verbindung mit einer "Westernkandare" (Bit) benutzt. Auf Turnieren ist das reiten mit einer Hand gleichzeitig verpflichtend mit einem Bit zu reiten.
Hat ein Pferd jedoch noch nicht gelernt auf die feinen Hilfen zu reagieren ist es ratsam weiterhin zwei-händig und mit Zügelbrücke zu arbeiten bis diese Basics sitzen.

Um das mal aufzusplitten:
Zügelhilfen - Die Grundposition der Hände hält einen losen Kontakt mit dem Pferdemaul aufrecht, ohne am Gebiss zu ruckeln.
Selbiges gelingt nur mit einem gut ausbalancierten Sitz der unabhängig von Verrenkungen oder Gangarten des Pferdes ruht und eine nachgebende Bewegung der Hände ermöglicht.
Selbst wenn ein Pferd schon über die Zügelbrücken-Zügelhilfen ausgebildet ist oder sogar einhändig mit Bit läuft, ist es üblich für das Training immer wieder auf ein einfaches Snaffel Bit (Gebiss einfach gebrochen und ohne Anzüge) zurückzugreifen um Korrekturen vorzunehmen.
Seitwärtseinwirkende, Richtungsweisende Zügelhilfen mit einem Bit mit Shanks sind nicht das Ziel.
Ein Pferd das auf Bit läuft sollte somit möglichst Zügelunabhängig stell und biegbar sein. Lediglich eine Korrektur durch das annehmen und anlegen des Zügels ist meines Wissens nach korrekt.



Gewichtshilfen
- Beim Westernreiten kommen nicht die typischen treibenden Hilfen der Englischreiterei zum Einsatz. Hier existiert kein Schieben mit dem Kreuz denn durch diese reiterliche Einwirkung würde man das Pferd in seiner Balance stören.
Beim Westernreiten werden stattdessen also Gewichtsverlagerungen als Hilfe eingesetzt.
Die nur minimalen Gewichtsverlagerungen werden sofort zurückgenommen, sobald das Pferd die gewünschte Veränderung (schneller, langsamer, Wendung) ausgeführt hat. Wie bei allen anderen Hilfen der Westernreiterei ist auch hier nur ein Impuls gewünscht.

Schenkelhilfen- Fertig ausgebildet sollte ein Westernpferd dem weich ausgeführten Schenkeldruck an einer Seite auf die entgegengesetzte Seite ausweichen und sich um den Druck ausübenden Schenkel leicht biegen. Der andere Schenkel begrenzt nach außen hin.
Hier gibt es neben dem Weichen allerdings noch einige andere "Bedeutungen" der Schenkelhilfen, wie zum Beispiel beschleunigen, verlangsamen, stoppen oder rückwärts treten.

Akustische Hilfen- Einfach und bequem ist es, das Pferd auf Stimmkomandos zu gewöhnen.
Allerdings bleibt hier jedem selbst überlassen welche Worte oder Geräusche er/sie für die entsprechenden Manöver auswählt.
(in meinem fall gibts ein "2x leise schnalzen + walk"- "2x schnalzen + joooooog" = trab - "küsschen-geräusch"= galopp - "uuuuunnnnnd WOHA" = Stehen bleiben - "back" = rückwärts)


Grundgangarten


Walk-Der Schritt
Der Schritt ist eine Gangart im Viertakt. Es berühren je 2 oder 3 Hufe den Boden und das Pferd befindet sich zu keinem Zeitpunkt in der Schwebephase.
Bild

Jog oder Trot- Der Trab
Der Jog/Trot oder Trab ist eine Gangart im Zweitakt. Hier bewegen sich immer ein diagonales Beinpaar gleichzeitig nach vorn. So hebt zum Beispiel die das rechte Hinterbein gleichzeitig mit dem linken Vorderbein ab.
Zwischen dem abfussen der diagonalen Beinpaare entsteht eine Schwebephase die je nach Pferd und schwung größer oder kleiner zu erkennen ist.

Als Arbeitsreitweise kennt das Westernreiten den Leichttrab als solches nicht. Dennoch ist diese Gangart nun mal ein fester Bestandteil im Bewegungsablauf des Pferdes.
Für die Umsetzung gibt es verschiedene Lösungsansätze.
Die einfachste Lösung ist das weglassen des Trabs in der praktischen Rancharbeit. Entweder man geht ruhigen Schritt um die Rinder nicht zu beunruhigen oder man sprintet im Galopp hinter einem ausgebüchsten Rindvieh her. Natürlich gibt es auch arbeiten bei welchen ein Trab sinnvoll ist. Z.b. das abreiten und kontrollieren von Zäunen. Für solche Arbeiten entwickelte sich der Jog. Der sehr gemütlich auszusitzende, langsame Trab der Pferd und Reiter stundenlange Fortbewegung und Kräftesparendes Tempo ermöglicht.

In der heutigen Westernreitszene gibt es inzwischen natürlich viele Leute, die die Meinung vertreten, das Leichttraben ein wichtiger Bestandteil des Trainings sei um ein Pferd zu lockern und zu lösen. Die Meinungen hierzu gehen sehr auseinander. Die einen haben inzwischen begonnen im Training auch locker leicht zu traben, die anderen verfechten die Meinung, ein gut ausgesessener Sitz könne ebensogut lösen.

Bild

Lope, Canter- Der Galopp
Der Galopp ist ein Dreitakter womit er, wie auch der Trab eine Schwebephase beinhaltet.
Der Rücken des Pferdes wölbt sich im Idealfall nach oben und bewegt sich dabei auf und ab wie ein Schaukelstuhl.
Fussfolge: Rechtsgalopp = linker Hinterfuss > gleichzeitig rechter Hinter- und linker Vorderfuss > dann der rechte Vorderfuss und zuletzt die Schwebephase bevor der Linke Hinerfuss wieder vorgreift.
Bild

Im Idealfall trägt sich im Westernreiten das Pferd in allen Gangarten selber, egal wie schnell oder langsam diese ausgeführt wird!
(die Beispielbilder dienen dem Betrachten der Bewegung des Pferdes OHNE Reiter)



An den Zügel reiten - Versammeln

Das Pferd soll mit der Hinterhand vermehrt untertreten und sein eigenes und das Reitergewicht vermehrt mit der Hinterhand tragen. Der Hals des Pferdes wölbt sich, und der Kopf wird kurz vor der Senkrechten getragen.
Dadurch wird die Rückenmuskulatur gestärkt, um das zusätzliche Reitergewicht aufnehmen zu können.

Bild

Beim einhändigen Reiten (i.d.R. mit Anzügen) wird die Zügelhand im Takt der Gangart nach oben und unten bewegt, die durchhängenden Zügel wippen etwas.
Bei beidhändiger Zügelführung wird bei tiefen Händen mit "Pull und Slack" geritten, das heißt mit einem Abwechselnden Annehmen und Nachgeben des rechten und linken Zügels.
Die Gewichtshilfen sind Passiv oder, wenn es notwendig ist, man verlagert sein Gewicht leicht nach hinten um das Pferd zum vermehrten Untertreten zu annimieren.
Eine weitere Hilfe ist das leichte "reiben"/"klopfen" beider Schenkel am Gurt, beim Galoppieren der äußere, etwas zurückliegende Schenkel.

Die wechselseitigen Impulse beim Pull ans Slack gibt man, weil man damit die Genickflexibilität zu fördern. Es wird NICHT am Zügel gezerrt sondern leicht gespielt.
Nimmt das Pferd das Gebiss an und senkt den Kopf in die gewünschte Position und wölbt den Nacken nach oben muss der Reiter dies schon vorher erahnen und genau in dem Moment die Zügel nachgeben und die Schenkelhilfen einstellen um das Pferd mit "in Ruhe lassen" zu belohnen.
Nimmt das Pferd den Kopf wieder höher, beginnt das Spiel von neuen. Solange bis das Pferd gelernt hat, dass es am angenehmsten ist, wenn es diese Position beibehält.
Wenn wir das Pferd immer dadurch belohnen, dass wir es in Ruhe lassen, wenn der Kopf und Hals in der richtigen Position sind, bringen wir es dazu, trotz losem Zügel in der gewünschten beigezäumten Haltung zu gehen.
Diese positive Bestätigungen ziehen sich durch das gesamte Training.
Die gewünschte Beizäumung ist allerdings nur in Verbindung mit einer aktiven Hinterhandtätigkeit sinnvoll.
Das Ziel ist es, auf jedes feine Zügelsignal diese weiche Nachgiebigkeit im Genick des Pferdes zu spüren, verbunden mit Durchlässigkeit für Schenkel- und Gewichtshilfen.

Wer mit einem entsprechend gymnastizierten Pferd reitet wird feststellen, dass ein leichtes Vidbrieren der Zügel genüg, um das Pferd zum weichen Nachgeben im Genick aufzufordern.
Ohne Schwierigkeiten hält das Pferd diese Haltung bei, auch bei Richtungsänderungen, Tempiwechseln oder dem Anhalten, egal in welcher Gangart.
Durch geringste Hilfen treten die Pferdebeine weit unter den Pferdekörper, man sitzt auf einem weich federnden Pferderücken.
Nausicaä
 

Re: Crashkurs: Westernreiten // Yiiihaaaaa

Beitragvon Silke » 05.02.2010 18:49

Oh, super! Danke für die Mühe! :D
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